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Lungenkrebs

Lungenkrebs: Gefitinib bietet mögliche Alternative zur Chemotherapie nach Operation

Original Titel:
Gefitinib versus vinorelbine plus cisplatin as adjuvant treatment for stage II–IIIA (N1–N2) EGFR-mutant NSCLC (ADJUVANT/CTONG1104): a randomised, open-label, phase 3 study

Für Patienten mit operablem Lungenkrebs stellt die Chemotherapie mit Cisplatin häufig die Standardbehandlung nach der Tumorentfernung dar. Den bisherigen klinischen Studien SELECT und RADIANT zufolge könnten Patienten, bei denen nachweislich eine genetische Veränderung des Merkmals EGFR (Epidermal Growth Factor Receptor) in den Tumorzellen vorliegt, von der Behandlung mit dem Wirkstoff Gefitinib, der gegen das Merkmal EGFR gerichtete ist, profitieren.

In einer chinesischen Studie haben Krebsforscher nun an Patienten mit operablem, nicht-kleinzelligem Lungenkrebs die Wirksamkeit von Gefitinib im Vergleich zur Behandlung mit Vinorelbin plus Cisplatin untersucht. Nach der kompletten Entfernung der Lungentumoren wurde die genetische Veränderung des Merkmals EGFR in den Krebszellen nachgewiesen. Anschließend wurden die Patienten in Abhängigkeit von der Anzahl der mit Krebszellen befallenen Lymphknoten und dem EGFR-Status in verschiedene Behandlungsgruppen unterteilt. Sie bekamen entweder Gefitinib (250 mg einmal täglich) über einen Zeitraum von 24 Monaten oder Vinorelbin intravenös (25 mg/qm jeweils an Tag 1 und 8) plus Cisplatin intravenös (75 mg/qm jeweils an Tag 1) in 4 Zyklen zu jeweils 3 Wochen verabreicht. Der Fokus lag auf dem krankheitsfreien Überleben der Patienten, also der Dauer zwischen Behandlung und Krankheitsfortgang. Die Rekrutierung der Teilnehmer für diese klinische Studie ist bereits abgeschlossen, allerdings läuft die Auswertung der Überlebensdaten noch.

Zwischen September 2011 und April 2014 wurden 483 Patienten untersucht. Davon wurden 222 Patienten mit einem Alter zwischen 18 und 75 Jahren in die Studie eingeschlossen, wobei jeweils 111 Patienten der Gefitinib- bzw. der Vinorelbin plus Cisplatin-Gruppe zugeteilt wurden. Die mittlere Beobachtungszeit betrug knapp 37 Monate. Den bisherigen Auswertungen zufolge führte die Behandlung mit Gefitinib zu einer deutlichen Verzögerung des Krankheitsfortgangs. Mit Gefitinib betrug das krankheitsfreie Überleben der Patienten 28 Monate. Im Gegensatz dazu überlebten die mit Vinorelbin plus Cisplatin behandelten Patienten nur 18 Monate krankheitsfrei. In der Gefitinib-Gruppe waren die am häufigsten auftretenden mäßigen bis schweren Nebenwirkungen erhöhte Leberwerte im Blut, wovon 106 der Patienten betroffen waren. In der Vinorelbin plus Cisplatin-Gruppe kam es in 87 Fällen zu schweren Nebenwirkungen, wobei es sich bei 34 % um Neutropenie (Mangel an speziellen weißen Blutkörperchen), bei 16 % um Leukopenie (Mangel an weißen Blutzellen) und bei 9 % der betroffenen Patienten um Erbrechen handelte. Zu ernsthaften Nebenwirkungen kam es bei 7 % der Patienten, die Gefitinib verabreicht bekamen und bei 23 % der mit Vinorelbin plus Cisplatin behandelten Patienten.

Aus diesen Untersuchungsergebnissen schlussfolgerten die Wissenschaftler, dass die Gabe von Gefitinib im Vergleich zur Behandlung mit Vinorelbin plus Cisplatin nach kompletter operativer Tumorentfernung zu einem deutlich verlängerten krankheitsfreien Überleben bei Lungenkrebspatienten mit EGFR-Mutation führen kann. Basierend auf der deutlichen Verzögerung des Krankheitsfortgangs, der verminderten Giftigkeit und der verbesserten Lebensqualität könnte die Verabreichung von Gefitinib im Vergleich zu Chemotherapie eine geeignete Behandlungsmöglichkeit nach der Tumoroperation bieten.

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