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Tabakrauch scheint höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu bergen als andere COPD-Ursachen

Original Titel:
Differences in systemic inflammation between cigarette and biomass smoke-induced COPD.

Rauchen ist die Hauptursache für die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Doch auch andere Faktoren können dazu führen, dass Menschen daran erkranken. So können auch passives Rauchen, der häufig Kontakt mir Stäuben, Gasen oder Dämpfen am Arbeitsplatz, Luftverschmutzung, z. B. durch Autoverkehr, genetische Ursachen oder Immundefekte zu COPD führen. Häufige Atemwegserkrankungen in der Kindheit können eine COPD im Alter begünstigen. Besonders in Entwicklungsländern oder ländlichen Gegenden ist heute auch noch immer die Luftverschmutzung in Innenräumen durch das Heizen und Kochen mit Feuer ein Problem. Bei der Verbrennung von Biomasse wie Holz, Kohle, Dung und Pflanzenbestandteilen in Innenräumen bildet sich schädlicher Rauch.

Für eine COPD durch Tabakrauch (T-COPD) ist bekannt, dass die Laborwerte für eine systemische Entzündung erhöht sind. Mit einer Entzündungsreaktion reagiert der Körper auf schädliche Reize. So können Krankheitserreger bekämpft oder Fremdkörper aus dem Gewebe entfernt werden. Manchmal schadet die Entzündungsreaktion dem Betroffenen aber mehr als sie nützt und wird deswegen medizinisch behandelt. Eine systemische Entzündungsreaktion betrifft den ganzen Körper, es tritt meist Fieber auf. Demgegenüber steht eine lokale Entzündungsreaktion, z. B. bei einer Wunde, wo typische Symptome Rötung, Erwärmung, Schwellung, Schmerzen und eingeschränkte Funktion sind. Lokale Entzündungsreaktionen entstehen durch eine bessere Durchblutung der Körperstelle, wodurch mehr Immunzellen zum Ort des Geschehens gelangen können.

Das Entzündungsprofil von COPD-Patienten, deren Erkrankung durch Biomasserauch verursacht wurde (B-COPD), haben Forscher nun ebenfalls bestimmt und mit dem der T-COPD-Patienten vergleichen.

Dazu wurden Teilnehmer dahingehend untersucht, wie groß ihre Einsekundenkapazität ist (FEV1, von engl. Forced Expiratory Pressure in 1 Second). Also wie groß die größtmögliche Menge an Luft ist, die sie innerhalb von 1 Sekunde forciert ausatmen konnten. Dann stellten die Studienleiter jedem der 20 Teilnehmer mit T-COPD einen mit B-COPD gegenüber, der nach Geschlecht, Alter und FEV1 sein Gegenstück war. Jedem dieser Untersuchungspaare wurde dann noch ein gesunder Studienteilnehmer mit dem gleichen Geschlecht als Kontrolle zugeordnet, der Nichtraucher und keinem Biomasserauch ausgesetzt war.

Alle Teilnehmer wurden auf folgende Werte hin untersucht: Die Stickoxidwerte (NO) in der Ausatemluft, die ein Hinweis auf Entzündungsprozesse in den Atemwegen geben können, Blutwerte von den an Entzündungen beteiligten Botenstoffen Interleukine (IL-6, IL-8, IL-5, IL-13) und TNF-α, dem Eiweiß Periostin, einem in der Lunge gebildeten Eiweiß (Surfactant Protein P), dem Antikörper IgE, der bei Asthma und Allergien vermehrt produziert wird, die Blutsenkungsgeschwindigkeit (bei Entzündungen führen mehr Eiweiße im Blut dazu, das die roten Blutzellen aneinanderhaften und so schneller absinken), C-reaktives Protein und Fibrinogen (Eiweiße, die bei Entzündungen vermehrt produziert werden). Außerdem wurde ein komplettes Blutbild angefertigt.

Die Entzündungswerte waren sowohl bei den Teilnehmern mit T-COPD als auch bei solchen mit B-COPD höher als bei den gesunden Teilnehmern. Im Vergleich zwischen T-COPD und B-COPD zeigte sich, dass die Werte für die an Entzündungen beteiligten Botenstoffe Interleukin 6, Interleukin 8 und Interleukin 5 bei T-COPD-Patienten höher waren als bei B-COPD-Patienten. Umso höher die Interleukinkonzentration im Blut ist, desto stärker ist meist auch die im Körper ablaufende Entzündungsreaktion. Diese Interleukine werden mit Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems in Verbindung gebracht. Daher haben Patienten mit einer T-COPD wahrscheinlich ein höheres Risiko für Begleiterkrankungen wie Arteriosklerose (Fettablagerungen und Verkalkung in den Blutgefäßen), Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall.

Die Autoren der Studie weisen aber auch auf Schwachstellen ihrer Arbeit hin. Der Zusammenhang sollte weiter erforscht werden mit mehr Messungen, um zeitliche Schwankungen auszuschließen, und mit mehr Teilnehmern, um die gesamte Bandbreite dieser in vielen Ausprägung auftretenden Erkrankung zu erfassen. Ein Problem könnte auch sein, dass die Teilnehmer mit T-COPD und B-COPD meistens unter verschiedenen Bedingungen leben. Die Teilnehmer mit T-COPD kamen eher aus einem städtischen Umfeld, die Teilnehmer mit B-COPD aus ländlichen Gebieten. Daher unterscheidet sich vermutlich auch ihr Lebensstil, ihre Ernährung und die Umwelteinflüsse, denen sie ausgesetzt sind. Alle diese Dinge können aber ebenfalls Einfluss auf die COPD-Erkrankung haben.

Menschen, deren COPD durch Tabakrauch hervorgerufen wurde, haben höhere Entzündungswerte als solche, deren COPD durch den Rauch von verbrennender Biomasse entstanden ist. Dadurch könnten sie ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Dieser Zusammenhang muss aber noch genauer untersucht werden.

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