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Multiple Sklerose

Halsvenen-Angioplastie gegen Kopfschmerz und Fatigue

Original Titel:
Mid-term sustained relief from headaches after balloon angioplasty of the internal jugular veins in patients with multiple sclerosis

DGP – Kopfschmerzen und Fatigue kommen bei MS-Patienten häufig vor. Europäische Forscher zeigten nun, dass sich zumindest die Kopfschmerzen über einen längeren Zeitraum durch eine Verbesserung des Blutflusses in den inneren Halsvenen mildern lassen.


Bei Menschen mit Multipler Sklerose sind Kopfschmerzen und Fatigue, eine chronische Erschöpfung, häufig. Immer wieder gibt es Berichte, die einen Zusammenhang zwischen diesen Beschwerden und einer Verengung bestimmter Venen sehen. Europäische Forscher haben daher genauer untersucht, ob eine Weitung der Halsvenen dazu beitragen kann, die Symptome zu mildern.

Verengte Venen weiten, um den Blutfluss zu verbessern

In ihrer Studie untersuchten sie MS-Patienten, bei denen eine Verengung der inneren Halsvenen festgestellt wurde. Das Ziel der Forscher war es zu beurteilen, ob eine perkutane transluminale Angioplastie (PTA) Einfluss auf die Kopfschmerzen und Fatigue der Patienten hat. Eine perkutane transluminal Angioplastie (PTA) ist die Erweiterung von verengten Blutgefäßen. Dazu werden die Gefäße, z. B. durch einen Ballonkatheter, gedehnt. So kann der Blutfluss durch das betroffene Gefäß wieder verbessert werden. Solche Verfahren kennt man auch von der Behandlung eines Herzinfarkts.

Mehr als jeder Zweite hatte Kopfschmerzen, fast jeder Patient zeigte Zeichen einer Fatigue

In der Studie wurden die Daten von 286 MS-Patienten ausgewertet, bei denen die inneren Halsvenen verengt waren, und die sich zwischen 2011 und 2015 einer PTA unterzogen. Von den Teilnehmern hatten 175 einen schubförmig remittierenden Krankheitsverlauf, 75 einen sekundär progressiven Krankheitsverlauf und 36 einen primär progressiven Krankheitsverlauf. Ihre Symptome wurden mit einem Fragebogen zur Beeinträchtigung durch Migränesymptome und einem Fragebogen zur Bewertung von Fatiguesymptomen erfasst. Die Symptome für Kopfschmerzen und Fatigue wurden vor der Behandlung, drei Monate danach und beim letzten Nachsorgetermin der Studie in 2017 erfasst. Von den teilnehmenden MS-Patienten litten vor der Behandlung 113 unter Kopfschmerzen, 277 hatten Zeichen einer Fatigue. Bei den Teilnehmern wurde der Zustand der Venen per Ultraschall einen, sechs und zwölf Monate nach dem Eingriff untersucht. Danach erfolgte eine jährliche Kontrolle. Die gesammelten Daten werteten die Forscher statistisch aus.

Verbesserungen bei schubförmigen und sekundär progredienten Krankheitsverläufen

Bei Patienten mit einem sekundär progressiven Krankheitsverlauf und einem schubförmig remittierenden Krankheitsverlauf zeigte sich eine deutliche Verbesserung der Symptome der Kopfschmerz- und Fatiguesymptomen in den ersten drei Monaten nach dem Eingriff. Nur bei Patienten mit einem primär progredienten Krankheitsverlauf sahen die Forscher keine statistisch nachweisbare Verbesserung.

Kopfschmerzen und Fatigue besserten sich bei einigen Patienten nachhaltig

Die Verbesserung der Kopfschmerzen nach der PTA blieb bei den Patienten mit schubförmigem und primär fortschreitendem Verlauf auch über die gesamte Nachsorgezeit bestehen. Eine deutliche Besserung der Fatiguesymptome ließ sich beim letzten Nachsorgetermin 2017 nur bei Teilnehmern mit einem schubförmigen Verlauf nachweisen. Laut der mathematischen Auswertung hängen die Symptome der Patienten statistisch nachweislich mit der Veränderung des Blutflusses durch die Halsvenen zusammen.

Forscher sehen in PTA mögliche Behandlungsmethode

Bei den Patienten mit schubförmigem bzw. sekundär progressivem Krankheitsverlauf, die sich einer PTA unterzogen, konnte der Eingriff also zu einer deutlichen und nachhaltigen Verbesserung der Kopfschmerzen führen. Anfänglich beobachteten die Forscher auch eine nachweisliche Verbesserung der Fatigue-Symptome bei allen Patienten. Dieser Effekt zeigte sich aber nur bei Patienten mit einem schubförmigen Krankheitsverlauf als nachhaltig, denn nur hier war ein Unterschied auch bei der Nachsorge über drei Jahre später noch vorhanden. Das deutet darauf hin, schließen die Forscher, dass die Behandlung eventuell nützlich für die Therapie von MS-Patienten mit ständigen Kopfschmerzen und bestimmten begleitenden Verschlusskrankheiten der inneren Halsvenen ist.

Halsvenen-Angioplastie wurde auch schon als Heilmittel angepriesen

Die Behandlung ist nicht ohne Risiken, die Sicherheit muss also in weiteren Studien überprüft werden. Die Methode wurde auch beim „Liberation Treatment“ des italienischen Neurologen Paulo Zamboni angewandt, der sich von der Therapie eine Heilung der Multiplen Sklerose versprach. Wir berichteten über die Studie des Neurologen, nach der er selbst eingestehen musste, dass seine Behandlung weitestgehend unwirksam ist, was die Heilung von MS betrifft. Die Ergebnisse der Studie liefern aber auch Hinweise darauf, dass der Eingriff sicher durchgeführt werden kann, und stützt so die Idee der europäischen Forscher, damit Kopfschmerzen und vielleicht auch Fatigue bei MS-Patienten zu therapieren.

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