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Nicht genug Tumormaterial für Mutationsanalyse aus Biopsie: Liquidbiopsie als Alternative

Original Titel:
Mutationsanalyse beim NSCLC: Gewebebasierte Testung vs. Liquid Biopsy

DGP – Voraussetzung für die Anwendung zielgerichteter Therapien bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs ist die Feststellung molekularer Veränderungen der Tumorzellen. Dazu ist die Entnahme von Tumorzellen nötig. Auf einem Symposium der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) berichteten Experten, dass aber auch eine Flüssigbiopsie ähnlich gute Ergebnisse liefert.


Eine Untersuchung von Tumorgewebe ist vor dem Behandlungsbeginn bei Lungenkrebs notwendig. Sie liefert viele Informationen zur Beschaffenheit des Tumors, die für die richtige Diagnosestellung wichtig sind, so zum Beispiel, um welche Art von Lungenkrebs es sich genau handelt.

Bei mehr als einem Viertel der Patienten fehlt Tumormaterial für Untersuchung

Anhand der Biopsieproben können aber auch molekulardiagnostische Untersuchungen durchgeführt werden. Sie sind Voraussetzung für zielgerichtete Therapien, die an molekularen Veränderungen von Tumorzellen ansetzen. Gewebsbasierte Untersuchungen gelten als Goldstandard, da sie sehr genau sind. Oftmals kann bei der ersten Biopsie nicht genügend Tumorgewebe entnommen werden für diese Analyse. Davon berichtete auch Prof. Dr. Frank Griesinger vom Pius-Hospital in Oldenburg während des Symposiums. Er stützt sich dabei auf Zahlen aus dem CRISP-Register, dass die Daten zu zielgerichteten Behandlungen von Lungenkrebspatienten in Deutschland erfasst. Demnach sei bei rund einem Viertel der Patienten aufgrund von zu wenig Tumormaterial keine Testung durchgeführt worden. Bei 6 % war eine Biopsie nicht möglich, weil die Patienten bestimmte weitere Erkrankungen hatten oder in einem zu schlechten Allgemeinzustand für den Eingriff waren.

Flüssigbiopsie mit Blutprobe in bestimmten Fällen eine Alternative

In solchen Fällen könnte eine sogenannte Flüssigbiopsie helfen. Dabei wird das Blut der Patienten auf Hinweise auf veränderte Tumorzellen untersucht. Die deutsche Behandlungsleitlinie empfiehlt, die Flüssigbiopsie in Betracht zu ziehen, wenn nicht ausreichend Gewebe für die molekulardiagnostische Untersuchung vorhanden ist oder eine erneute Biopsie ein zu großes Risiko für den Patienten bedeuten würde.

Flüssigbiopsie liefert viele Übereinstimmungen mit gewebsbasierter Untersuchung

Prof. Griesinger berichtete weiter, dass Daten des NOWEL-Lungennetzwerks gezeigt haben, dass es zwischen gewebebasierter und blutbasierter molekulardiagnostischer Untersuchung eine hohe Übereinstimmung gibt. In mehr als 92 % der Fälle gab es eine Übereinstimmung, auch wenn die Flüssigbiopsiemethode nicht ganz so genau ist, wie die gewebsbasierte Analyse. Seiner Erfahrung nach erspare die Flüssigbiopsie der Hälfte der Patienten, bei denen eine zweite Biopsie nötig wäre, den erneuten Eingriff.

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