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Multiple Sklerose

Mehr Schübe während Schwangerschaft in neuer Behandlungsära?

Original Titel:
Relapse occurrence in women with multiple sclerosis during pregnancy in the new treatment era.

DGP – Möchte eine Frau mit Multipler Sklerose schwanger werden, muss manchmal ihre bisherige Therapie beendet werden. Forscher aus Kuwait fanden Belege dafür, dass eine längere Auswaschzeit Schübe in der Schwangerschaft begünstigen kann.


Mit der Einführung hochwirksamer krankheitsmodifizierender Therapien wird bei der Behandlung von Multipler Sklerose (MS) von einer neuen Ära gesprochen. Inzwischen stehen mit verschiedenen Biologika auch wirksame Therapien für hochaktive MS-Verläufe zur Verfügung.

Bei Kinderwunsch sind Auswaschphasen zu beachten

Vor einer Schwangerschaft müssen manche dieser Wirkstoffe früh genug abgesetzt werden, um sicherzustellen, dass durch die Behandlung das Ungeborene keinen Schaden nimmt. Die Zeitspanne, die es braucht, bis der Wirkstoff vom Körper weitestgehend abgebaut oder ausgeschieden wurde, wird Auswaschphase genannt.

Nach Behandlung mit modernen Wirkstoffen mehr Schübe in Schwangerschaft?

Forscher aus Kuwait haben untersucht, welchen Einfluss diese neuen Therapien auf die Anzahl der Schübe während einer Schwangerschaft und nach der Geburt bei Frauen mit MS haben. Dazu werteten sie Daten aus dem nationalen MS-Register aus. Sie sammelten Gesundheitsdaten von schwangeren Frauen mit schubförmiger MS. Dazu gehörten das Alter, klinische Befunde, wie behandelt wurde und die Auswaschzeiträume vor oder zu Beginn der Schwangerschaft. Auch wann Schübe auftraten und wie lange diese anhielten, wurde ausgewertet. Die Forscher führten eine statistische Analyse durch, um mögliche Zusammenhänge zwischen Schüben während der Schwangerschaft und der vorherigen Nutzung bestimmter krankheitsmodifizierender Therapien aufzudecken.

Längere Auswaschphase begünstigte Schübe in Schwangerschaft

Das nationale MS-Register enthielt Daten zu 99 Schwangerschaften. Die meisten Frauen (89 %) wurden im Jahr vor ihrer Schwangerschaft mit krankheitsmodifizierenden Therapien behandelt. Die Rate für Schübe während der Schwangerschaft lag bei etwas mehr als 17 %, nach der Geburt lag die Rate bei knapp 14 %. Die meisten Schübe traten während des ersten und dritten Trimesters auf. Die Anzahl der Schübe war am höchsten bei Patientinnen, die zuvor Natalizumab und Fingolimod erhalten hatten. Eine längere Auswaschphase stand eindeutig im Zusammenhang mit dem Auftreten von Schüben.

Krankheitsaktivität und Auswaschphase spielten eine Rolle

Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass die Häufigkeit von Schüben mit den neuen Behandlungsmethoden höher liegt, als in früheren Studien. Das führen die Forscher vor allem auf hoch effiziente Therapien zurück, bei denen eine lange Auswaschphase vor der Empfängnis nötig ist. Diese Therapien erhalten vor allem Patienten mit hochaktiven Verläufen. Die Häufigkeit von Schüben nach der Schwangerschaft in ihrer Auswertung war aber vergleichbar mit vorherigen Berichten.

Kinderwunsch sollte bei behandelndem Arzt angesprochen werden

Auch wenn die Studie der Forscher aus Kuwait nur 99 Datensätze berücksichtigt, zeigte sie doch, dass es für Frauen mit MS wichtig ist, mit ihrem behandelnden Arzt über einen Kinderwunsch zu reden. Die Therapieauswahl und das weitere Vorgehen können so darauf abgestimmt werden. Informationen dazu gibt es auch von der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), die das Projekt „Plan Baby bei MS“ ins Leben gerufen hat.

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