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Tabletten gegen MS: Wahrscheinlichkeit für Krankheitsstillstand größer als für Nebenwirkungen

Original Titel:
Oral Disease-Modifying Treatments for Relapsing Multiple Sclerosis: A Likelihood to Achieve No Evidence of Disease Activity or Harm Analysis.

DGPInzwischen gibt es verschiedene Wirkstoffe zur Behandlung der Multiplen Sklerose, die als Tablette eingenommen werden. Griechische Wissenschaftler haben für Cladribin, Dimethylfumarat, Fingolimod und Teriflunomid berechnet, was bei einer Behandlung von schubförmiger MS Wahrscheinlicher ist: keine messbare Krankheitsaktivität mehr oder Nebenwirkungen.


Wirkstoffe greifen in die Prozesse des Körpers ein, um Krankheiten zu heilen oder Symptome zu mildern. Neben dem gewünschten Ziel können aber auch unerwünschte Reaktionen ausgelöst werden. Der Nutzen einer Behandlung wird daher immer gegen die möglichen Nebenwirkungen abgewogen.

Was ist wahrscheinlicher: Nutzen oder Schaden?

In der Forschung kann das auch statistisch ausgewertet werden. Mit der Wahrscheinlichkeit zu helfen oder zu schaden werden die Vorteile eines Medikaments gegen sein Risikoprofil gerechnet. Griechische Forscher haben genau das für verschiedene Medikamente zur Behandlung von schubförmiger Multiplen Sklerose (MS) getan und sie miteinander verglichen.

Studiendaten als Grundlage für statistische Analyse

Sie berechneten für die Wirkstoffe Cladribin, Dimethylfumarat, Fingolimod und Teriflunomid die Wahrscheinlichkeit für Vorteile durch die Behandlung gegenüber möglichen Nachteilen. Als Vorteil der oralen MS-Therapien betrachteten sie dabei die Wahrscheinlichkeit, einen Zustand zu erreichen, bei dem keine Krankheitsaktivität mehr nachgewiesen werden kann (NEDA, von engl. no evidence of disease activity). Dem gegenüber stellten sie das Risiko für Nebenwirkungen allgemein, für schwerwiegende Nebenwirkungen oder einen Therapieabbruch aufgrund von Nebenwirkungen. Als Grundlage für ihre Berechnung zogen die griechischen Forscher verschiedene Daten aus den veröffentlichten Ergebnissen zu den Phase-III-Studien für die betrachteten Wirkstoffe heran.

Krankheitsstillstand ist wahrscheinlicher als irgendeine Nebenwirkung

Die Ergebnisse zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, einen Zustand ohne nachweisbare Krankheitsaktivität (NEDA) zu erreichen, bei den als Tablette eingenommenen Wirkstoffen höher ist, als die Wahrscheinlichkeit, dass es zu irgendeiner Nebenwirkung kommt. Bei Cladribin und Teriflunomid ist in der Untersuchung die Wahrscheinlichkeit für NEDA etwa vier Mal höher als für Nebenwirkungen, bei Dimethylfumarat etwa sieben Mal höher und bei Fingolimod 12,5-mal höher.

Krankheitsstillstand ist wahrscheinlicher als schwere Nebenwirkung

Auch im Hinblick auf schwere Nebenwirkungen errechneten die griechischen Forscher eine größere Wahrscheinlichkeit, einen Zustand ohne nachweisbare Krankheitsaktivität (NEDA) zu erreichen. Für Cladribin war diese Wahrscheinlichkeit 3,5-mal so hoch, für Dimethylfumarat 15-mal so hoch, für Fingolimod 23,5-mal so hoch und für Teriflunomid knapp dreimal so hoch.

Krankheitsstillstand ist wahrscheinlicher als Therapieabbruch aufgrund von Nebenwirkungen

Als letztes errechneten die Forscher die Wahrscheinlichkeit, einen Zustand ohne nachweisbare Krankheitsaktivität (NEDA) zu erreichen, gegenüber dem Risiko die Therapie aufgrund von Nebenwirkungen abzubrechen. Auch hier ergab die statistische Auswertung, dass es wahrscheinlicher ist, dass keine MS-Aktivität mehr nachweisbar ist als dass die Therapie aufgrund von Nebenwirkungen unterbrochen wird. Für Cladribin war die Wahrscheinlichkeit NEDA zu erreichen 20-mal höher als die Therapie abzubrechen, bei Dimethylfumarat und Fingolimod etwa viermal höher und bei Teriflunomid etwa dreimal höher.

Statistische Analyse findet mehr Nutzen als Schaden

Die Forscher fassen zusammen, dass alle untersuchten Wirkstoffe bei der Behandlung von Menschen mit schubförmiger MS eher dafür sorgen, dass die Patienten einen Zustand erreichen, bei dem keine Krankheitsaktivität mehr nachweisbar ist, als das Nebenwirkungen auftreten. Interessant wäre sicherlich bei Auswertung dieser Art auch Daten aus Alltagsstudien nach der Zulassung der jeweiligen Arzneimittel einzubeziehen, da die Teilnehmer von klinischen Studien nicht immer alle Menschen mit MS gleich gut abbilden.

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