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Depression

Verlangsamungen oder Psychosen bei schwerer Depression: gute Ausgangslage für einen Behandlungserfolg der Elektrokonvulsionstherapie

Original Titel:
Influence of age on ECT efficacy in depression and the mediating role of psychomotor retardation and psychotic features

DGP – Eine Analyse der Behandlungsdaten von Patienten mit schweren Depressionen zeigte, dass die Behandlung mit der Elektrokonvulsionstherapie (EKT) nicht altersabhängig vorteilhaft war, sondern besonders gut Patienten mit bestimmten Symptomen der Depression helfen konnte. Psychomotorische Retardation (typischerweise Verlangsamung von Sprache, Bewegung und Denken) und psychotische Symptome (wie beispielsweise Wahrnvorstellungen) versprachen einen besseren Behandlungserfolg mit der EKT.


Die Elektrokonvulsionstherapie, kurz EKT, ist ein Klassiker der Depressionstherapie, über den wir in früheren Berichten schon informiert haben. Die Methode klingt erschreckend, ist aber immer noch eine der wirksamsten Methoden besonders bei therapieresistenten Depressionen, die also kaum auf antidepressive Medikamente anschlagen. Wie genau die Behandlung wirkt, ist bisher nur ansatzweise verstanden – vereinfacht wird dabei die Menge verschiedener Substanzen im Gehirn verändert, die mit Depressionen im Zusammenhang stehen. Allerdings gibt es auch bei der EKT Menschen, denen sie besser helfen kann als anderen.

Für welche Patienten mit Depressionen ist die EKT-Behandlung besonders sinnvoll?

Besonders steht beispielsweise in Frage, ob bestimmte Altersgruppen mit starken Depressionen besser auf die EKT ansprechen. Auch wurde in früheren Studien berichtet, dass Patienten mit psychotischen Symptomen eventuell mehr von der Behandlung profitieren als Betroffene ohne psychotische Symptome. Dabei gibt es Hinweise darauf, dass eine sogenannte psychomotorische Retardierung sowie psychotische Symptome bei älteren Patienten eher auf gute Effekte der EKT schließen lassen. Als psychomotorische Retardierung wird häufig eine Entwicklungsverzögerung in der Kindheit beschrieben – bei einer Depression geht es allerdings um Symptome der Bewegungsverlangsamung, verlangsamten Sprache und verzögertem Handeln, die in akuten Schüben der Erkrankung häufig deutlich ausgeprägt auftreten. Manchmal sind auch die Feinmotorik (Handschrift) sowie die Koordination von Auge und Hand (Beispiel: Bälle fangen) betroffen. Psychotische Symptome dagegen sind von Veränderungen der Wahrnehmung der Welt geprägt, beispielsweise Wahnvorstellungen oder Halluzinationen.

Vergleich von Behandlungserfolgen, Alter und Symptomen

Forscher ermittelten nun den Einfluss solcher Symptomunterschiede, indem sie die Wirkung einer EKT-Behandlung bei Patienten mit unipolarer Depression untersuchten. Dabei verglichen sie die Effekte auf die depressiven Symptome mithilfe der standardisierten Fragebögen zu depressiven Symptomen HAM-D und MADRS, die Zeit, die bis zu einem Krankheitsstillstand, der sogenannten Remission, mit möglichen psychotischen Symptomen und Störungen der Bewegungskontrolle oder Verlangsamung von Denken und Handeln. Die psychomotorische Retardierung wurde auch mit dem Fragebogen HAM-D abgefragt.

Insgesamt 96 Patienten mit Depressionen wurden mit einer bilateralen EKT (beide Seiten des Gehirns wurden also stimuliert) behandelt. Im Vergleich der Altersgruppen zeigte sich tatsächlich ein schwacher Unterschied: Patienten mittleren (zwischen 50 und 70 Jahren) und höheren Alters (über 70 Jahren) schienen ihre depressiven Symptome stärker mit der Behandlung senken zu können als Patienten unter 50 Jahren. Dieses Ergebnis war allerdings statistisch nicht signifikant – könnte also auch ein zufälliges Ergebnis statt eines echten Effekts sein.

Deutlich messbar war allerdings etwas anderes: Patienten mit psychotischen Symptomen sowie Patienten mit psychomotorischen Störungen hatten deutlich bessere Behandlungserfolge mit der EKT. Die depressiven Symptome dieser Betroffenen konnten also besser gelindert werden. Auch der Zusammenhang mit dem Alter der Patienten stellte sich in der Analyse abhängig von der psychomotorischen Störung dar: vor allem ältere Patienten (über 50 Jahren) schienen eher von der EKT zu profitieren, wenn sie auch unter verlangsamter Bewegung und Sprache oder ähnlichen Symptomen litten.

Verlangsamungen bei schwerer Depression: gute Ausgangslage für EKT

Die Analyse der Behandlungsdaten zeigte, dass psychomotorische Retardation (typischerweise Verlangsamung von Sprache, Bewegung und Denken) und auch psychotische Symptome einen besseren Behandlungserfolg mit der Elektrokonvulsionstherapie EKT erwarten lassen. Diese Faktoren, die häufiger bei Patienten mit Depressionen in höherem Alter zu finden sind, erklären auch die leicht bessere Erfolgsquote der EKT in fortgeschrittenem Alter. Für die EKT ist es also weniger relevant, wie alt ein Patient ist, als vielmehr, unter welchen spezifischen Symptomen der Betroffene leidet.

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