Lungenfunktion noch ok – aber vielleicht doch schon Herzprobleme?

Original Titel:
Systemic vascular dysfunction is associated with emphysema burden in mild COPD.

DGP Bei einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) ist auch das Herz einer größeren Belastung ausgesetzt. Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen daher bei der Schwere der Erkrankung und den Todesfällen in frühen Stadien der COPD eine entscheidende Rolle. Kanadische Forscher prüften, ob Herzprobleme bereits in frühen Stadien der COPD vorliegen, wenn diese Patienten noch nicht als Risiko-Patienten gelten.


Bei einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) ist auch das Herz einer größeren Belastung ausgesetzt. Durch die Schädigung der Atemwege wird der Körper mit weniger Sauerstoff versorgt. Um das auszugleichen, muss das Herz mehr Blut durch die Lunge pumpen. Dadurch kommt es zu einer Verdickung der Muskulatur der rechten Herzseite. Auf Dauer verliert das Herz dadurch jedoch an Schlagkraft. Auch Herzrhythmusstörungen und die Verkalkung der Arterien, die dann wiederum Thrombosen, Herzinfarkt oder Schlaganfall auslösen können, treten bei COPD-Patienten öfter auf.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen entscheidende Rolle

Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen daher bei der Schwere der Erkrankung und den Todesfällen in frühen Stadien der COPD eine entscheidende Rolle. Deshalb sind kanadische Forscher der Annahme nachgegangen, dass Funktionsstörungen des Herz-Kreislauf-Systems bereits bei COPD-Patienten bestehen, die aktuell nicht als Risikopatienten für Herzprobleme gelten. Dazu gehören z. B. COPD-Patienten, bei denen der Lungenfunktionsverlust bisher nur gering ist, die wenig Atemnotanfälle und nur geringe Atembeschwerden haben oder deren Krankheitszeichen insgesamt bisher mild sind. Dazu untersuchten sie 16 COPD-Patienten und 16 Teilnehmer ohne COPD, die von Alter und Geschlecht zu den Patienten passten. Sie prüften, wie elastisch die Arterien der Teilnehmer waren, wie gesund ihre Blutgefäße waren und wie gut die Muskeln der Teilnehmer mit Sauerstoff versorgt wurden. Mittels Computertomographie (CT) wurde außerdem die Ausdehnung von Emphysemen in der Lunge der Teilnehmer festgestellt.

Das Herz ist ein Muskel – und leidet unter Sauerstoffmangel

Im Alter nimmt die Elastizität der Blutgefäße ab, eine deutlich erhöhte Steifigkeit der Gefäße kann jedoch die Verkalkung der Arterien und Herzinfarkte begünstigen. Auch wenn die Blutgefäße in keinem guten Zustand sind, steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Werden Muskeln nicht mit ausreichend Sauerstoff versorgt, können sie nicht richtig arbeiten und werden schwach – und auch das Herz ist ein Muskel. Emphyseme sind Veränderungen der Struktur der Lungenbläschen. Hier findet an vielen kleinen Bläschen der Austausch von frischer Luft und unserer Ausatemluft statt: Sauerstoff rein ins Blut, Kohlenstoffdioxid wieder heraus. Durch die Bläschenform ist hier besonders viel Oberfläche vorhanden, an der dieser Austausch stattfinden kann. Durch Entzündungen kommt es aber zum Umbau der Lungenbläschen, sie ‚verschmelzen‘ sozusagen zu größeren Bläschen. Dabei geht Oberfläche verloren, die für den Gasaustausch in den Lungenbläschen wichtig ist. So kann nicht nur Ausatemluft schlechter abgegeben und frische Atemluft schlechter aufgenommen werden, manchmal bleibt die Luft auch in den Bläschen, es kommt zum sogenannten ‚air trapping‘, die Luft ist ‚gefangen‘. Das führt zu einer Überblähung der Lunge, die Atemnot verursacht. Emphyseme treten bei etwa einem Drittel aller COPD-Patienten auf.

Funktionelle Störungen können bei COPD-Patienten bereits früh vorliegen

Die kanadischen Forscher verglichen ihre Untersuchungsergebnisse der COPD-Patienten mit denen der Kontrollgruppe. Dabei zeigte sich, dass die COPD-Patienten eine höhere Steifigkeit der Arterien, einen schlechteren Zustand der Blutgefäße und weniger Sauerstoff in der Muskulatur besaßen. Sie konnten außerdem zeigen, dass statistisch ein Zusammenhang zwischen der Ausdehnung von Emphysemen in der Lunge und einem Faktor, der die Funktionalität der Lungenbläschen beschreibt, besteht. Diese beiden Werte standen außerdem in Verbindung mit den Risikofaktoren hohe Arteriensteifigkeit, schlechter Zustand der Blutgefäße und geringe Sauerstoffversorgung der Muskeln.

Die Forscher schließen aus ihren Ergebnissen, dass funktionelle Störungen des Herz-Kreislauf-Systems bereits bei COPD-Patienten in frühen Stadien vorliegen, besonders bei solchen, die Emphyseme aufweisen oder eine eingeschränkte Funktion der Lungenbläschen haben, selbst wenn die Lungenfunktion noch nicht stark eingeschränkt ist. Sie empfehlen daher, dass gerade diese Patienten bei Kontrollen genauer auf mögliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht werden sollten, um solche Leiden frühstmöglich festzustellen.

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Referenzen:

Zelt JT, Jones JH, Hirai DM, King TJ, Berton DC, Pyke KE, O’Donnell DE, Neder JA. Systemic vascular dysfunction is associated with emphysema burden in mild COPD. Respir Med. 2018 Mar;136:29-36. doi: 10.1016/j.rmed.2018.01.007. Epub 2018 Jan 12.