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Medizin der Zukunft: Projekte mit Telemedizin gibt es bereits heute für Patienten mit Asthma und COPD

Original Titel:
American College of Allergy, Asthma & Immunology Position Paper on the Use of Telemedicine for Allergists.

DGP Seit etwa 40 Jahren werden Telekommunikation und Informationssysteme in die medizinische Versorgung eingebunden. Immer mehr Services und Technologien machen es möglich medizinische Betreuung auch über große Entfernungen und unterschiedliche Zeitzonen hinweg anzubieten.


Alexander Graham Bell, der das Telefon zur Marktreife entwickelt hat, soll einen Kollegen im Nebenzimmer angerufen haben, um Hilfe zu bekommen, als er sich versehentlich Säure auf seinen Anzug geschüttet hatte. Heute kann das Bodenpersonal der NASA die medizinische Betreuung und Überwachung ihrer Astronauten im All in Echtzeit bewerkstelligen. Seit etwa 40 Jahren werden Telekommunikation und Informationssysteme in die medizinische Versorgung eingebunden. Immer mehr Services und Technologien machen es möglich, medizinische Betreuung auch über große Entfernungen und unterschiedliche Zeitzonen hinweg anzubieten.

Telemedizin: Vidosprechstunde, Apps, Austausch zwischen Ärzten

Zur Telemedizin gehören viele verschiedene Bereiche, neben Gesprächen mit dem Arzt als Videosprechstunde oder Apps, die den Patienten begleiten, geht es auch um Möglichkeiten zur Fortbildung und den Austausch zwischen behandelnden Ärzten. Von unterschiedlichen Projekten in Deutschland sind aber erst wenige in die Regelversorgung aufgenommen worden. Trotzdem wird die Unterstützung durch die Telemedizin als eine Lösung für Probleme in der Gesundheitsversorgung angesehen. Die Versorgung in ländlichen Gebieten kann so verbessert werden und gut eingestellte Patienten müssen seltener lange Wege zu Fachärzten auf sich nehmen.

Pilotprojekt in Rheinland-Pfalz für Asthma und COPD

Ein solches Projekt ist in Rheinland-Pfalz im Juni 2017 gestartet. Patienten mit Asthma und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) können sich dabei mittels einer App telemedizinisch betreuen lassen. Dazu wurden 120 lungenkranke Patienten mit der Software „SaniQ Asthma“ der Firma Qurasoft und einem tragbaren Lungenmessgerät ausgestattet. Das Programm wird durch die Universität Koblenz wissenschaftlich betreut und lungenfachärztliche Schwerpunktpraxen sorgen für die ärztliche Betreuung. Sie haben Echtzeit-Einblick in die Messdaten der Patienten. So können Probleme frühzeitig erkannt werden und die Behandlung angepasst werden – ohne, dass der Patient in die Praxis oder ins Krankenhaus muss. Die App können sich aber auch Nichtteilnehmer des Projekts für iOS oder Android herunterladen, genauso wie andere Apps zum Krankheitsmanagement.

Projekt lief bis Ende 2018

Das Projekt sollte bis zum Ende des Jahres 2018 getestet und bewertet werden. Die App gilt als Medizinprodukt und das Projekt wird vom Landesbeauftragten für den Datenschutz begleitet. Schon zuvor boten viele Krankenkassen Programme zum Management der Erkrankung an, bei denen z. B. der Arzt regelmäßig Daten von Kontrolluntersuchungen an eine Datenbank übermittelt und der Patient hilfreiche Tipps und Informationen erhielt.

Medizinerkollektiv erachtet die Telemedizin als hilfreich

Für sinnvoll hält auch das American College of Allergy, Asthma & Immunology die Telemedizin in diesen Bereichen. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von etwa 6000 Medizinern, vor allem in den USA aber auch international. Die Ziele des Colleges sind dabei die beste Patientenversorgung, Bildung, Interessensvertretung und Forschung. In einem Papier aus dem November 2017 hat das College Stellung zum Einsatz von Telemedizin genommen. Es unterstreicht, welche spannenden Möglichkeiten sich durch Telemedizin ergeben, um Qualität und Sicherheit der Versorgung zu steigern. Das American College of Allergy, Asthma & Immunology ist überzeugt, dass Telemedizin mehr Menschen den Zugang zu Gesundheitsversorgung ermöglicht, die Gesundheit verbessert, medizinische Kosten verringert und dadurch vorhandene Ressourcen besser genutzt werden können, mehr Bildungsmöglichkeiten bestehen und mehr Zusammenarbeit zwischen Patienten und Ärzten erfolgt. All diese Vorteile überwiegen die Herausforderungen und Risiken der Telemedizin für das American College of Allergy, Asthma & Immunology, daher befürworten die Mitglieder eine sinnvolle und nachhaltige Nutzung von Telemedizin in den Bereichen der Allergologie und Immunologie.

Zuständigkeiten und Datenschutz sind Herausforderungen der Telemedizin

Herausforderungen der Telemedizin sind zum Beispiel, dass die Zusammenarbeit zwischen Ärzten, mobilen Pflegern und Physiotherapeuten oder weiteren Heilberufen für den Patienten so transparent ist, das klar ist, wer welche Aufgaben, Pflichten und Rechte hat. Auch technische Herausforderungen bestehen weiterhin, z. B. wenn sehr große Datenmengen übermittelt werden oder wie die Daten der Patienten bestmöglich vor unerlaubten Zugriffen geschützt werden können. Auch Organisation und Dokumentation von Maßnahmen über Telemedizin müssen gut durchdacht sein. Telemedizin kann das persönliche Gespräch und die direkte Untersuchung durch einen Arzt nicht ersetzen. Aber sie kann die Gesundheitsversorgung der Zukunft bereichern und noch besser machen.

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