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Lungenkrebs

Lungenkrebs: Wie Tumorzellen vor den Abwehrzellen flüchten

Original Titel:
Allele-Specific HLA Loss and Immune Escape in Lung Cancer Evolution.

DGPKrebs ist insbesondere durch die Eigenschaft gekennzeichnet, dass er Einfluss auf das körpereigene Abwehrsystem nehmen kann. Doch wie genau entgehen Krebszellen den Abwehrmechanismen des Immunsystems? Britische Forscher haben eine computergestützte Methode entwickelt, mit der sie mehr darüber herausfinden wollen. Das hilft auch bei der Entwicklung neuer zielgerichteter Wirkstoffe.


Krebs ist insbesondere durch die Eigenschaft gekennzeichnet, dass er Einfluss auf das körpereigene Abwehrsystem nehmen kann. Tumorzellen tragen spezielle biologische Merkmale, sogenannte Neoantigene, auf ihren Oberflächen, um sich vor den Abwehrzellen zu tarnen. Das sogenannte humane Leukozyten-Antigen (HLA) ist ein Zellmerkmal, das eine wichtige Rolle bei der Erkennung von Tumorzellen spielt. Ist es auf der Zelloberfläche nicht oder in veränderter Form vorhanden, bleiben die bösartigen Zellen von den Abwehrzellen unerkannt.

Computergestützte Methode erlaubt erkennen neuer Zusammenhänge

Britische Forscher haben nun eine computergestützte Methode entwickelt, mit der bestimmt werden kann, ob im Erbgut die Informationen für die Bildung von verändertem HLA verschlüsselt sind. Sie haben herausgefunden, dass die Veränderungen des HLA bei 40 % der Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) aufgetreten waren. Die genetische Veränderung der HLA-Merkmale war mit vermehrter Neoantigenbildung verbunden. Darüber hinaus waren auch zellauflösende biologische Prozesse hochreguliert, wenn HLA verändert war. Die Forscher untersuchten auch das Krebsmerkmal PD-L1 (Programmed Cell Death-Ligand 1), das eine bekannte Zielstruktur für neuartige Immuntherapien, die sogenannten PD-L1-Hemmer, zur Behandlung von Patienten mit NSCLC darstellt. Sie fanden heraus, dass das Auftreten von PD-L1 in den untersuchten Tumorgeweben mit genetisch verändertem HLA in Zusammenhang stand.

Erkennen von biologischen Merkmalen die das Abwehrsystem austricksen

Aus diesen Ergebnissen schlussfolgerten die Wissenschaftler, dass die Veränderung des Merkmals HLA für Tumorzellen eine entscheidende Rolle bei der Flucht vor dem körpereigenen Abwehrsystem spielt. Die veränderten Formen des HLA stehen in Zusammenhang mit der Bildung von Tumorabsiedlungen in entfernte Organe. Die genaue Untersuchung der genetischen HLA Veränderungen mittels der neuen Testmethode könnte es ermöglichen, von Tumorzellen gebildete Neoantigene frühzeitig zu erkennen. Somit könnten auftretende Resistenzen gegenüber zielgerichteter Immuntherapien aufgeklärt und neue Zielstrukturen für die Entwicklung weiterer Wirkstoffe definiert werden.

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