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Lungenkrebs

Atezolizumab plus Chemotherapie kann Leben verlängern

Original Titel:
Progression-free survival (PFS) and safety analysis from a randomised phase III study of carboplatin + nab-paclitaxel (CnP) with or without atezolizumab (atezo) as first-line (1L) therapy in advanced non-squamous NSCLC.

DGPAtezolizumab ist seit September 2017 in der Europäischen Union auf dem Markt. Die Behandlung mit dem Antikörper kann das Leben von Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkrebs verlängern. Das zeigt sich auch in der Kombination mit einer Chemotherapie.


Der Hersteller des Antikörpers Atezolizumab, Roche, forscht in einer Reihe von Studien an neuen Kombinationen zur Behandlung von Lungenkrebs. Auf dem Kongress der European Society for Medical Oncology im Oktober 2018 in München wurden einige Ergebnisse dieser Untersuchungen vorgestellt.

Positive Ergebnisse zu Atezolizumab plus Chemotherapie

In zwei Phase-III-Studien zeigte sich demnach, dass der Antikörper Atezolizumab in Kombination mit Chemotherapie das Leben von Patienten mit fortgeschrittenem, Nicht-Plattenepithel-, nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (Stadium IV) verlängern kann. Unter dem Begriff nicht-kleinzelliger Lungenkrebs werden mehrere Krebstypen der Lunge zusammengefasst. Die häufigste Form ist das Plattenepithelkarzinom. Andere nicht-kleinzellige Lungenkrebsarten werden daher auch Nicht-Plattenepithelkarzinome genannt.

Atezolizumab ist seit September 2017 in der EU zugelassen

Atezolizumab ist ein zielgerichteter Wirkstoff, der an spezielle Eiweiße (PD-L1) auf der Oberfläche von Krebszellen bindet. Diese Eiweiße wirken auf das Immunsystem wie eine Bremse, indem sie signalisieren, dass mit der Krebszelle alles in Ordnung ist. Bindet Atezolizumab an PD-L1, wird dieses Signal blockiert und das Immunsystem kann besser gegen die Tumore vorgehen. Atezolizumab ist für die Behandlung von fortgeschrittenem, nicht-kleinzelligem Lungenkrebs seit September 2017 in der Europäischen Union zugelassen.

Kombinationstherapie verlängerte Überleben

Bei fortgeschrittenem, nicht-kleinzelligem Lungenkrebs ist bisher eine Chemotherapie die Standardbehandlung. In den Studien IMPower130 und 132 schauten sich Forscher an, ob die Kombination von Atezolizumab und Chemotherapiewirkstoffen besser wirkte als die jeweilige Chemotherapie allein.

Auch Erkrankungsfortschritt kann hinausgezögert werden

In einer der beiden Untersuchungen wurden 732 Patienten mit fortgeschrittenem, Nicht-Plattenepithel-, nicht-kleinzelligem Lungenkrebs mit Metastasen (Stadium IV) mit Atezolizumab und einer Chemotherapie aus Carboplatin und nab-Paclitaxel oder der Chemotherapie allein behandelt. Zuvor waren die Patienten noch nicht behandelt worden. Die Forscher fanden, dass die Kombinationstherapie im Vergleich zu der Chemotherapie allein das durchschnittliche Überleben der Patienten und die Zeit, bis die Erkrankung voranschritt, nachweislich verlängerte. Mit Atezolizumab verlängerte sich das Gesamtüberleben im Schnitt um fünf Monate und der Fortschritt der Erkrankung konnte anderthalb Monate länger aufgehalten werden als mit der Chemotherapie allein.

Bestimmte Patienten scheinen von manchen Kombinationen mehr zu profitieren

In der zweiten Studie wurden 578 Teilnehmer mit fortgeschrittenem, Nicht-Plattenepithel-, nicht-kleinzelligem Lungenkrebs mit Metastasen (Stadium IV) mit Atezolizumab und einer Chemotherapie aus Carboplatin oder Cisplatin und Pemetrexed behandelt bzw. mit einer Chemotherapie aus Carboplatin oder Cisplatin und Pemetrexed behandelt. Die teilnehmenden Patienten waren zuvor noch nicht anders behandelt worden und wiesen keine genetischen Veränderungen der Merkmale ALK und EGFR auf. Die Forscher stellten fest, dass unter der Behandlung mit Atezolizumab das Fortschreiten der Erkrankung länger aufgehalten werden konnte als mit der Chemotherapie allein. Ob diese Kombination auch die durchschnittliche Überlebenszeit erhöht, muss sich noch zeigen. Die Daten werteten die Forscher außerdem noch nach der Wirkung bei verschiedenen Untergruppen aus. Dazu fassten sie die Daten der Patienten nach Ethnie, Alter, Raucherkarriere und dem Vorhandensein von Lebermetastasen zu Beginn der Studie zusammen. Dabei zeigte sich, dass asiatische, ältere oder Patienten, die nie geraucht hatten, anscheinend etwas stärker von der Behandlung mit Atezolizumab profitieren könnten. Wieso das so sein könnte, wollen die Forscher in weiteren Analysen näher untersuchen.

In beiden Studien kam es sowohl bei der Kombinationstherapie als auch bei der Chemotherapie allein zu schweren Nebenwirkungen. Insgesamt entsprachen die beobachteten Nebenwirkungen aber den bekannten Sicherheitsprofilen der verwendeten Wirkstoffe.

Forscher fassen Ergebnisse als positiv zusammen

Die Forscher fassen daher zusammen, dass die Kombination von Atezolizumab mit den untersuchten Chemotherapien für Patienten mit fortgeschrittenem, Nicht-Plattenepithel-, nicht-kleinzelligem Lungenkrebs mit Metastasen (Stadium IV) Vorteile bringen kann im Vergleich zur Chemotherapie allein. Die Sicherheit und Verträglichkeit der Kombinationen entsprach dabei größtenteils den Erwartungen bei den verwendeten Wirkstoffen.

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Referenzen:

F Cappuzzo M McCleod M Hussein A Morabito A Rittmeyer H J Conter H-G Kopp D Daniel S McCune T Mekhail A Zer N Reinmuth A Sadiq V Archer T Ochi Lohmann L Wang M Kowanetz W Lin A Sandler H West. IMpower130: Progression-free survival (PFS) and safety analysis from a randomised phase III study of carboplatin + nab-paclitaxel (CnP) with or without atezolizumab (atezo) as first-line (1L) therapy in advanced non-squamous NSCLC. Annals of Oncology, Volume 29, Issue suppl_8, 1 October 2018, mdy424.065

F Barlesi M Nishio M Cobo N Steele V Paramonov B Parente R Dear H Berard N Peled L C Seneviratne E Baldini S Watanabe K Goto D Mendus H Patel Y Deng M Kowanetz T Hoang W Lin V A Papadimitrakopoulou. IMpower132: Efficacy of atezolizumab (atezo) + carboplatin (carbo)/cisplatin (cis) + pemetrexed (pem) as 1L treatment in key subgroups with stage IV non-squamous non-small cell lung cancer (NSCLC). Annals of Oncology, Volume 29, Issue suppl_8, 1 October 2018, mdy424.066, https://doi.org/10.1093/annonc/mdy424.066