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Darmkrebs

Lokal fortgeschrittener Darmkrebs – Minimalinvasives vs. offenes Operationsverfahren

Original Titel:
Reevaluation of laparoscopic surgery's value in pathological T4 colon cancer with comparison to open surgery: A retrospective and propensity score-matched study

DGP – Welche Operationsmethode eignet sich bei einem lokal fortgeschrittenen Darmkrebs besser – das minimalinvasive oder das offene Verfahren? Ein Vergleich machte deutlich, dass sich beide Methoden zwar im Hinblick auf die Operationsdauer, der Dauer des Krankenhausaufenthaltes und der Menge des Blutverlustes unterschieden, bezüglich des krankheitsfreien Überlebens und des Sterberisikos konnten jedoch keine Unterschiede festgestellt werden.


Eine Operation wird – wenn möglich – bei fast allen Darmkrebs-Patienten durchgeführt, unabhängig davon, in welchem Stadium sie sich befinden. Für die operative Entfernung des Tumors gibt es verschiedene Möglichkeiten, die offene Operation oder die minimalinvasive Operation. Bei der minimalinvasiven Operation (laparoskopische Operation) genügen kleine Hauteinschnitte, um den Tumor zu entfernen. Da ist es nicht verwunderlich, dass sie einige Vorteile gegenüber der offenen Operation, bei der der Bauch mit einem Längsschnitt geöffnet wird, bietet. Einer der Vorteile ist, dass sich der Patient von dem Eingriff schneller erholt. Trotz der Vorteile wird eine minimalinvasive Operationsmethode bei Patienten, bei denen der Krebs benachbartes Gewebe oder benachbarte Organe befallen hat (lokal fortgeschrittener Darmkrebs), meist nicht empfohlen. Es wird befürchtet, dass die Möglichkeiten bei der minimalinvasiven Methode eingeschränkt sind, so dass der Tumor nicht komplett entfernt werden kann, was den Krankheitsverlauf negativ beeinflusst würde. Wissenschaftler der Fudan Universität in Shanghai (China) wollten diesen Sachverhalt klären und untersuchten Patienten mit lokal fortgeschrittenem Darmkrebs ohne Metastasen, die sich den Tumor mit einem minimalinvasiven Operationsverfahren entfernen ließen. Die kurzfristigen und langfristigen Ergebnisse verglichen sie mit Patienten, die ebenfalls einen lokal fortgeschrittenen Darmkrebs hatten, sich jedoch einer offenen Operation unterzogen.

Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen Darmkrebs unterzogen sich entweder einer offenen oder einer minimalinvasiven Operation

Insgesamt wurden 411 Patienten mit lokal fortgeschrittenem Darmkrebs in die Studie eingeschlossen. Da sich die Patienten mit Ausnahme der Methode, mit der sie operiert wurden, in möglichst vielen Eigenschaften ähneln sollten, wurden schließlich nur 86 Patienten mit einer offenen Operation und 86 Patienten mit einer minimalinvasiven Operation in die Analyse miteinbezogen.

Die beiden Operationsmethoden unterschieden sich hinsichtlich der Operationsdauer und des Blutverlustes

Der Vergleich zwischen den beiden Patientengruppen machte deutlich, dass die minimalinvasive Operationsmethode zwar mit einer längeren Operationsdauer (minimalinvasive Operation: 167 min vs. offene Operation: 111 min) einherging, sie jedoch auch einen geringeren Blutverlust (minimalinvasive Operation: 72 ml vs. offene Operation: 113 ml) und einen kürzeren Krankenhausaufenthalt (minimalinvasive Operation: 7,3 Tage vs. offene Operation: 7,9 Tage) nach der Operation zur Folge hatte. 7 Patienten (8,2 %), die minimalinvasiv operiert werden sollten, wurden schließlich doch offen operiert.

Die Operationsmethode hatte keine Auswirkungen auf das krankheitsfreie Überleben und das Sterberisiko

Die langfristigen Operationsergebnisse waren bei beiden Operationsmethoden ähnlich. Sowohl das 5-Jahre-krankheitsfreie Überleben als auch das allgemeine Sterberisiko waren unabhängig von dem gewählten Operationsverfahren. Die 1-Jahres-Überlebensrate lag bei der minimalinvasiven Operation bei 89,5 % und bei der offenen Operation bei 91,7 %. Auch die 3- und die 5-Jahres-Überlebensraten ähnelten sich zwischen den beiden Patientengruppen (3-Jahres-Überlebensrate: minimalinvasive Operation: 77,2 % vs. offene Operation: 75,3; 5-Jahres-Überlebensrate: minimalinvasive Operation: 61,7 % vs. offene Operation: 66,8 %). Statistischen Berechnungen zufolge können die beobachteten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen nicht auf die gewählte Operationsmethode zurückgeführt werden, sondern sind vielmehr zufallsbedingt.

Die Operationsmethode (minimalinvasives Verfahren oder offenes Verfahren) schien somit keine Auswirkungen auf das krankheitsfreie Überleben und das Sterberisiko von Patienten mit lokal fortgeschrittenem Darmkrebs zu haben. Die minimalinvasive Operationsmethode hatte den Vorteil, dass der Patient weniger Blut verlor und dass er nach der Operation schneller aus dem Krankenhaus entlassen werden konnte, wobei dieser Unterschied recht gering ausfiel. Der Nachteil der minimalinvasiven Methode gegenüber der offenen Methode war, dass diese deutlich mehr Zeit beanspruchte. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen Darmkrebs ebenfalls mit der minimalinvasiven Methode operiert werden können. Weitere Studien mit mehr Teilnehmern sollten jedoch durchgeführt werden, um diese Ergebnisse zu bestätigen.

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