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Leukämie

Unterstützung von Krebspatienten verbessert die Behandlung: Patientenprogramme zur Lösung von Therapietreue-Problemen

Original Titel:
Effect of Adherence-enhancing Interventions on Adherence to Tyrosine Kinase Inhibitor Treatment in Chronic Myeloid Leukemia (TAKE-IT): A Quasi-experimental Pre–Post Intervention Multicenter Pilot Study.

DGP – Patientenprogramme sind eines der neuen großen Themen nicht nur in der Krebstherapie – aber warum? Eine kleine Studie ermittelte nun, wie gut ein Betreuungsprogramm Patienten darin unterstützte, ihre Medikamente nach Plan einzunehmen. Genau das ist nämlich oft der kritischste Punkt in der Behandlung: nur genommene Medikamente können den Krebs in seine Grenzen verweisen.


Bei der Behandlung der chronisch myeloischen Leukämie (CML) mit sogenannten Tyrosinkinase-Hemmern ist mangelhafte Adhärenz mit schlechteren Behandlungsergebnissen verbunden. Werden die Medikamente nicht ausreichend regelmäßig genommen, wirken sie auch nicht gut. Wie können aber Patienten zur regelmäßigeren Einnahme angeregt und so auch gesundheitlich besser unterstützt werden? Zu solchen ‚Adhärenz-fördernden‘ Maßnahmen, also zur Förderung der Therapietreue, gibt es bisher noch wenig verlässliche Daten. Ziel dieser Untersuchung war es daher, die Machbarkeit und vor allem Wirksamkeit eines Programms zu ermitteln, das speziell Betroffene einer CML mit Tyrosinkinase-Hemmer-Therapie in ihrer Behandlung unterstützen sollte.

Medikamente, die nicht genommen werden, können nicht helfen – was tun?

Dazu luden die Forscher 58 Patienten mit CML im durchschnittlichen Alter von 60 Jahren ein. Die Betroffenen wurden in 4 hämatologischen (also auf Blutkrebserkrankungen spezialisierten) Instituten in Israel mit Tyrosinkinase-Hemmern behandelt. Vor Studienbeginn war diese Behandlung bereits im Mittel für fast 3 Jahre erfolgt. Für mehr als die Hälfte der Patienten (62 %, entsprechend 36 von 58 Teilnehmern) war dies die erste Behandlung ihrer Erkrankung. Wie gut sich die Patienten an die Instruktionen zur Einnahme hielten, wurde elektronisch über 7 Monate beobachtet – indem die Patienten selbst angaben, wann sie eine Tablette eingenommen hatten. Dies erfolgte für die ersten 4 Monate ohne zusätzliche Unterstützung, und 3 weitere Monate mit einer unterstützenden Intervention. Die Intervention kombinierte eine Fortbildung und spezielles Training des Pflegepersonals und der behandelnden Ärzte sowie verschiedene Techniken zur Förderung von Verhaltensänderungen. Dazu gehörten motivierende Interviews, Rückmeldungen zu den elektronischen Aufzeichnungen der Tabletteneinnahme und speziell auf die individuellen Probleme bei der Therapieeinhaltung zugeschnittene Methoden. Anschließend wurde die Verlässlichkeit der Tabletteneinnahme vor Beginn der Intervention und danach verglichen.

Adhärenz: Anteil der Tage, an denen die Medikamente nach Anweisung eingenommen wurden

Zum Ende der Studie konnten die Ergebnisse von 55 der Patienten ausgewertet werden. Die mittlere Adhärenz, definiert als der Anteil der Tage, an denen die Medikamente nach Anweisung eingenommen worden waren, lag bei immerhin 97,5 %. Im Schnitt nahmen die Patienten also an den meisten Tagen ihre Medikamente so ein, wie ihr behandelnder Arzt es empfohlen hatte. Allerdings lagen manche Patienten bei Werten von nur 48 %, andere dagegen bei 100 %. Manchen Patienten gelang es demnach nur an etwa der Hälfte der Tage, ihre Medikamente korrekt einzunehmen. Nach der Intervention, also nach Training von medizinischem Personal und individuellem Eingehen auf die Patienten, verbesserte sich dieses Bild deutlich. Die Wahrscheinlichkeit, die Medikamente wie verschrieben einzunehmen, war um 58 % höher nach dem Patientenprogramm. Insgesamt stieg damit die Adhärenz nur wenig, nämlich um 1,5 % da ja viele Patienten schon vorher bemüht waren, ihre Therapie richtig und regelmäßig durchzuführen. Bei den Patienten aber, deren Einnahme vorher eher problematisch war, machte die zusätzliche Betreuung aber einen deutlicheren Unterschied. Eine Patientengruppe, die vor der Intervention an weniger als 90 % der Tage ihre Medikamente korrekt einnahmen, steigerte sich anschließend um 8,5 %. Die 10 Betroffenen hatten zuvor im Schnitt sogar an fast jedem dritten Tag Probleme, die Medikamente zu nehmen (Adhärenz 71,2 %). Anschließend an die Intervention konnten sie häufiger (79,6 % der Tage) ihre Therapie einhalten.

Wenn Schwierigkeiten mit der Therapieeinhaltung bestehen, kann ein Patientenprogramm helfen

Die Studie demonstrierte damit, dass eine unterstützende Intervention Patienten mit Problemen bei der regelmäßigen Tabletteneinnahme helfen kann, ihre Therapie besser einzuhalten. Dazu wurde das medizinische Personal geschult, um konkret auch auf individuelle Probleme bei der Therapieeinhaltung eingehen zu können. Ein Patientenprogramm dieser Art kann damit vor allem den Betroffenen helfen, die Schwierigkeiten bei der notwendigen selbstständigen Behandlung haben. Grundlegend könnte es für Patienten mit solchen Problemen sinnvoll sein, mit behandelnden Ärzten über ihre Hürden bei der Therapieeinhaltung zu sprechen und gemeinsam nach möglichen Lösungen zur Unterstützung zu suchen.

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