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Migräne

Flunarizin plus Nervenstimulation: Vielversprechender Kombinationseffekt mit zwei Prophylaxebehandlungen

Original Titel:
Combination of flunarizine and transcutaneous supraorbital neurostimulation improves migraineprophylaxis.

DGP – Die Nervenstimulation tSNS ergänzend zu einer Flunarizin-Prophylaxe wurde hier im Vergleich zu Therapie ausschließlich mit Flunarizin oder tSNS untersucht. Demnach wirkte die kombinierte Prophylaxe messbar besser, ohne zusätzliche Nebenwirkungen im Vergleich zur Prophylaxe mit Flunarizin allein. Bei Betroffenen, deren Prophylaxe nicht ausreichend greift, könnte demnach eine Ergänzung mit Nervenstimulation eine gute Chance sein.


Wer bereits Prophylaxebehandlung für die Migräne erhält, kennt das: die Hoffnungen sind groß, der Leidensdruck enorm, die Enttäuschung umso größer, wenn das neue Mittel oder die neue Methode dann doch nicht so viel erreicht. Wer lange mit Migräne zu kämpfen kann, weiß natürlich, dass es wohl kein Wunder gibt, dass viele Rädchen und Schalter betätigt werden müssen – darunter immer auch Lebensstilfragen wie Schlafrhythmus, Entstressen, der regelmäßige Sport und so weiter. Rädchen und Schalter gibt es aber auch in der medizinischen Therapie: zum einen wirkt manches Mittel bei einem Betroffenen eben besser als bei anderen, zum anderen ist manchmal aber auch die Kombination verschiedener Methoden letztendlich besser als man von den einzelnen erhoffen würde. Forscher untersuchten nun, ob genau so eine Kombinationstherapie mit verschiedenen Prophylaxemethoden besser wirkt. Dazu ermittelten sie Wirksamkeit und Sicherheit der Behandlung mit Flunarizin (einem Calciumkanalblocker) plus einer speziellen Nervenstimulation. Dabei setzten sie die transkutane supraorbitale Neurostimulation (tSNS) ein, die von außen durch die Haut (transkutan) oberhalb der Augen (supraorbital) elektrisch Nerven anregt. Dabei wird besonders der Trigeminusnerv stimuliert. Diese kombinierte Behandlung verglichen die Experten mit entweder Flunarizin oder tSNS allein.

Hilft Kombinieren mehr als die Einzelbehandlung?

Dazu wurden Patienten mit episodischer Migräne eingeladen und zufällig (randomisiert) in drei Gruppen eingeteilt. Die Flunarizin-Gruppe erhielt das Medikament (5 mg täglich), die tSNS-Gruppe erhielt täglich 20 Minuten lang die Nervenstimulation und die dritte Gruppe erhielt täglich beides. Die Behandlungen wurden über 3 Monate hinweg durchgeführt. Die Teilnehmer zeichneten ihre Migränetage auf. Gemessen wurde anschließend, ob die Zahl der Migränetage abnahm und wie viele Patienten im Verlauf der Behandlung nur noch weniger als die Hälfte der Migräntage hatten (sogenannte 50 % Responder). Weiter wurde die Stärke der Migräneattacken und die Einnahme von Akutmedikamenten aufgezeichnet und analysiert. Abschließend ermittelten die Forscher aber auch, wie zufrieden die Teilnehmer mit ihrer jeweiligen Therapie waren, und ob unerwünschte Effekte und mögliche Nebenwirkungen auftraten.

Flunarizin plus Nervenstimulation tSNS täglich über drei Monate

Insgesamt nahmen 154 Patienten mit Migräne an der Untersuchung teil. Nach drei Monaten war die Zahl der monatlichen Migränetage in allen drei Gruppen gesunken. Dies war aber deutlich ausgeprägter in der Kombinationsgruppe. Dies zeigte sich auch in der Zahl der Patienten, die schließlich nur noch weniger als die Hälfte der Migräneanfälle im Vergleich zu vorher hatten: diese Zahl der 50 %-Responder war deutlich höher mit der Kombinationstherapie (78,43 %) als mit Flunarizin allein (46,15 %) oder der Nervenstimulation tSNS allein (39,22 %). Ebenso nahm mit der Kombination auch die Intensität der Migräneanfälle und die Zahl der Akutmedikamente stärker ab als mit den Einzeltherapien. Die Zahl unerwünschter Effekte wurde vor allem zwischen der Flunarizin- und der Kombinationsgruppe verglichen, da das Medikament eher zu Nebenwirkungen führen könnte. Zwischen diesen beiden Gruppen bestand kein Unterschied in der Verträglichkeit.

Vielversprechender Kombinationseffekt ohne zusätzliche Nebenwirkungen

Die Nervenstimulation tSNS ergänzend zu einer Flunarizin-Prophylaxe einzusetzen, kann demnach messbar die Wirksamkeit der gesamten Prophylaxe verbessern. Dieser Vorteil kommt ohne weitere unerwünschte Effekte – die Verträglichkeit ist demnach genauso gut, wie die der Behandlung mit Flunarizin allein. Bei Betroffenen, deren Prophylaxe nicht ausreichend greift, könnte demnach eine Ergänzung mit Nervenstimulation eine gute Chance sein. Zu vermuten ist, dass dies ganz ähnlich auch für andere Prophylaxemedikamente gilt, die eventuell mit Nervenstimulation unterstützt für eine bessere Migränevorbeugung sorgen könnten – die Forschung wird das Thema sicherlich weiter vertiefen.

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