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Ozanimod für die Behandlung von schubförmiger MS

Original Titel:
Ozanimod for the treatment of relapsing remitting multiple sclerosis.

DGPFür Fingolimod steht möglicherweise ein weiterer Nachfolger in den Startlöchern. Ozanimod gehört zur gleichen Wirkstoffklasse, soll aber gezielter wirken.


Seit 2011 ist Fingolimod als Wirkstoff für die Behandlung der schubförmigen MS zugelassen. Der Wirkstoff wird im Körper in seine aktive Form umgewandelt. Fingolimod gehört zu den sogenannten Sphingosin-Rezeptor-Modulatoren. Das sind Moleküle auf der Oberfläche von Zellen, die für bestimmte Funktionen und die Kommunikation zwischen Zellen wichtig sind.

Fingolimod hält Immunzellen in Lymphknoten zurück

Anders als andere immunmodulatorischen Wirkstoffe hemmt Fingolimod nicht die Vermehrung von Immunzellen oder lässt sie absterben. Es sorgt dafür, dass die Immunzellen aufhören Sphingosin-Rezeptoren auf ihren Oberflächen zu zeigen. Diese Rezeptoren brauchen die weißen Blutkörperchen jedoch, um von den Lymphknoten aus in andere Gewebe zu wandern. So sorgt Fingolimod dafür, dass weniger entzündungsfördernde Immunzellen durch den Köper wandern und Nervenzellen schädigen können.

Wirkung von Fingolimod ist etwas ungenau

Der Nachteil von Fingolimod ist jedoch, dass es nicht besonders gut darin ist, gezielt die Sphingosin-Rezeptoren der Immunzellen auszuschalten. Je nach Zellart unterscheiden sich die Rezeptoren ein wenig, Fingolimod wirkt aber auf verschiedene Rezeptor-Typen. So kann Fingolimod z. B. auch auf die Zellen des Herzens wirken, weswegen bei der ersten Einnahme ein EKG geschrieben wird.

Weitere Sphingosin-Rezeptor-Modulatoren sollen noch zielgerichteter wirken

Um solche Nebenwirkungen zu vermeiden, wird an Sphingosin-Rezeptor-Modulatoren gearbeitet, die zielgenauer wirken. Ein solcher Wirkstoffkandidat, der aktuell auf einen möglichen Einsatz bei der schubförmigen MS hin untersucht wird, ist Ozanimod. Anders als Fingolimod wirkt dieser Wirkstoff gezielt auf die Sphingosin-Rezeptoren 1 und 5.

Ozanimod scheint vielversprechender Wirkstoffkandidat zu sein

Doch wie wirksam ist Ozanimod? Und was ist bisher aus Untersuchungen zu dem Wirkstoff bekannt? Berliner Wissenschaftler haben sich die bisher verfügbare Literatur zu Ozanimod einmal genauer angesehen. Sie kommen zu dem Schluss, dass Ozanimod wirksamer ist, als gespritztes Interferon β-1a in Bezug auf die Reduzierung der jährlichen Schubrate und die MRT-Ergebnisse. Das zeigen die Ergebnisse zweier Phase-III-Studien. Die positiven Auswirkungen des möglichen Fingolimod-Nachfolgers auf das Gehirnvolumen und den Verlust von grauer Substanz seien ermutigend, so die Wissenschaftler. Sie sehen in Ozanimod einen wertvollen Beitrag zur MS-Therapie, auch wenn bisher nicht klar ist, wie gut der Wirkstoff das Fortschreiten einer Behinderung bremsen kann. Dazu seien weitere Untersuchungen nötig.

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