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Depression

Depression bei Bipolarer Störung: kein Effekt von Diabetesmittel Pioglitazon

Original Titel:
Double-blind, placebo-controlled trial of pioglitazone for bipolar depression

DGP – Kann eine Behandlung des Stoffwechsels Depressionen lindern? Dies wurde mit dem Diabetes-Mittel Pioglitazon bei Patienten mit der Bipolaren Störung untersucht. Das Behandlungsergebnis war ernüchternd: Pioglitazon wirkte nicht antidepressiv im Vergleich zum Placebo.


Immer wieder werden Zusammenhänge zwischen Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und Depressionen diskutiert. Beispielsweise leiden Menschen mit der Diabetes-Erkrankung häufiger unter Depressionen als Gesunde. Auch die Bipolare Störung taucht im Zusammenhang mit Schlagworten wie Diabetes und Insulinresistenz häufiger auf. So wurde auch spekuliert, ob ein bei Diabetes eingesetztes Medikament, Pioglitazon, auch bei Depressionen im Rahmen einer Bipolaren Störung helfen könnte. Diese Substanz gehört zu den PPAR-gamma-Agonisten, die einen Rezeptor im Innern des Zellkerns anschalten können. Darüber bewirkt Pioglitazon Veränderungen im Zuckerstoffwechsel, hat aber auch entzündungshemmende Effekte. Beides könnte theoretisch bei einer Depressionserkrankung helfen.

Stoffwechsel und entzündliche Prozesse mit einer Klappe – hilft das bei Depression?

Dazu führten Forscher nun eine 8-wöchige Doppelblindstudie durch, in der ein Placebo im Vergleich zu dem Wirkstoff Pioglitazon untersucht wurde. Die Teilnehmer erhielten zufällig entweder das eine oder andere Mittel zugewiesen. Auch ihre behandelnden Ärzte waren nicht informiert, welches Mittel jeweils genommen wurde.

Zur Teilnahme wurden 38 ambulant betreute Patienten mit Bipolarer Störung und akuter depressiver Episode eingeladen. Sie erhielten entweder Pioglitazon (15–45 mg/Tag) oder ein Placebo. Weitere gleichzeitige medikamentöse Therapien der Depression (d. h. Antipsychotika, Antidepressiva und Stimmungsstabilisatoren) waren in dieser Studie erlaubt. Ob das Medikament wirksamer war als das Scheinmedikament, wurde mit standardisierten Fragebögen zu depressiven Symptomen nach der Behandlung im Vergleich zum Zeitpunkt vor Behandlungsbeginn ermittelt. Außerdem untersuchten die Wissenschaftler Blutproben auf Anzeichen für Entzündungswerte und Stoffwechselfunktionen.

Behandlung einer depressiven Episode bei Bipolarer Störung mit Placebo oder Pioglitazon

Die Wirksamkeit der Behandlung wurde bei 37 der anfänglich 38 Patienten analysiert. Bei einem Teilnehmer wurde keine Nachuntersuchung durchgeführt. Im Mittel nahmen die depressiven Symptome der Patienten im Verlauf der Behandlung im Vergleich zum Zeitpunkt vor der Behandlung ab, sogar etwas stärker mit dem Scheinmedikament. Statistisch unterschieden sich dabei Pioglitazon und Placebo aber nicht voneinander – die Daten zeigten also, dass das Medikament vergleichbar zum Placebo wirkte. Lediglich im Vergleich mit den Blutwerten zeigte sich ein möglicher, messbarer Effekt des Medikaments: mit niedrigeren Leptin-Werten zeigten sich auch geringere depressive Symptome bei den Patienten, die Pioglitazon einnahmen. Leptin wird von Fettzellen hergestellt und hemmt beim gesunden Menschen das Hungergefühl. Niedrigere Leptin-Werte hatten in der Placebogruppe keinen Einfluss auf die Stimmung. Die Bedeutung des Appetitzügler-Signalstoffs ist also unklar. Generell wurde Pioglitazon gut vertragen, es gab keine ernsten unerwünschten Effekte.

Gut verträglich, aber nicht wirksamer als ein Scheinmedikament

Insgesamt war das Behandlungsergebnis damit ernüchternd: Pioglitazon wirkte nicht antidepressiv im Vergleich zum Placebo. Damit kann diese Untersuchung die Behandlung einer depressiven Episode bei einer Bipolaren Störung mit Pioglitazon nicht unterstützen.

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