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Prostatakrebs

Strahlentherapie wegen Krankheitsrückfall: Nebenwirkungen und Nutzen

Original Titel:
Salvage radiotherapy after radical prostatectomy: Long-term results of urinary incontinence, toxicity and treatment outcomes

DGP – Bei einigen Prostatakrebs-Patienten kommt es nach der Operation zu einem Krankheitsrückfall. Unter Umständen könnte für die Betroffenen eine Strahlentherapie von Nutzen sein. Wissenschaftler untersuchten in der vorliegenden Studie, wie häufig es bei dieser zu Harninkontinenz und weiteren Nebenwirkungen kam und wie der Krankheitsverlauf der Patienten war.


Nach einer operative Prostataentfernung kommt es nicht selten zu einem erneuten PSA (prostataspezifisches Antigen)-Anstieg (biochemisches Rezidiv), welcher auf einen Krankheitsrückfall hindeutet. Je nachdem, wo die Krebszellen im Körper verblieben sind, kommen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten in Betracht. Sind die Krebszellen in der Gegend, wo ehemals die Prostata saß, ist von einem lokalen Rezidiv die Rede. In diesem Fall kann eine Strahlentherapie zu einer Heilung führen. Es besteht jedoch der Verdacht, dass die Strahlentherapie mit vielen Nebenwirkungen verbunden ist, gerade dann, wenn der Patient bereits eine Prostata-OP hinter sich hat. Wissenschaftler aus Rotterdam (Niederlande) berichteten, welche Erfahrungen sie mit der Bestrahlung bei einem biochemischen Rezidiv nach Prostatakrebs-OP gemacht haben.

Patienten unterzogen sich aufgrund eines Krankheitsrückfalls nach der Operation einer Strahlentherapie

Wissenschaftler sammelten Daten von 244 Prostatakrebs-Patienten, die nach einer Prostataentfernung von einem biochemischen Rezidiv betroffen waren und sich aus diesem Grund zwischen 1998 und 2012 in einer Einrichtung in Rotterdam einer Strahlentherapie unterzogen hatten (einer 3D-konformalen Strahlentherapie). Patienten mit Lymphknotenbefall oder PSA-Werten von mindestens 5 ng/ml vor der Strahlentherapie wurden von der Studie ausgeschlossen. Nach der Strahlentherapie wurden die Patienten im Mittel 50 Monate lang begleitet (zwischen 4 und 187 Monaten). Die Wissenschaftler untersuchten, wie häufig die Patienten unter Harninkontinenz litten und von Beschwerden, die die Harn- und Geschlechtsorgane oder den Magen-Darm-Trakt betrafen, geplagt waren. Zudem interessierten sich die Wissenschaftler für den weiteren Krankheitsverlauf der Patienten.

Harninkontinenz nach der Strahlentherapie

Vor dem Start der Strahlentherapie hatten 69,7 % (170 Patienten) der Patienten keine Probleme mit der Harnkontinenz. Nach der Strahlentherapie traten bei 8,8 % (15 Patienten; innerhalb von 90 Tagen nach der Strahlentherapie) bzw. 25,2 % (43 Patienten; 90 Tage nach der Strahlentherapie oder später) dieser Patienten erstmalig Beschwerden bezüglich der Harnkontinenz auf. Das bedeutet, dass von den Patienten, die vor der Strahlentherapie kontinent waren, etwa jeder 3. Patient (34,1 %) nach der Strahlentherapie von Harninkontinenz betroffen war.

Probleme bezüglich der Harn- und Geschlechtsorgane nach der Strahlentherapie

Was schwere unerwünschte Ereignisse in Bezug auf die Harnorgane und die Geschlechtsorgane anbelangte, so waren 9,0 % der Patienten (22 Patienten) innerhalb der ersten 90 Tage nach der Strahlentherapie von diesen betroffen. Bei 10,2 % der Patienten (25 Patienten) traten diese in mittelschwerer Form auf. Es litten somit insgesamt 19,2 % der Patienten unter Beschwerden der Harn- und Geschlechtsorgane, die innerhalb von 90 Tagen nach der Strahlentherapie auftraten und mindestens als mittelschwer einzustufen waren. Die häufigste Beschwerde war häufiges Wasserlassen. Doch auch 90 Tage nach der Strahlentherapie traten noch Beschwerden der Harn- und Geschlechtsorgane auf. Beinahe jeder dritte Patient (29,9 %, 73 Patienten) war von solchen Problemen, die mindestens mittelschwer waren, betroffenen – am häufigsten war Blut im Urin.

Magen-Darm-Beschwerden nach der Strahlentherapie

Doch auch Magen-Darm-Beschwerden traten nach der Strahlentherapie recht häufig auf. 17,6 % (43 Patienten) waren in den ersten 90 Tagen nach der Strahlentherapie von mittelschweren bis schweren Magen-Darm-Problemen betroffen. Durchfall stellte hierbei das häufigste Problem dar. 21,3 % der Patienten (52 Patienten) litten nach mehr als 90 Tagen nach der Strahlentherapie unter Magen-Darm-Beschwerden – vor allem an Blutungen – , die mindestens mittelschwer waren.

Krankheitsverlauf nach der Strahlentherapie

Bezüglich der Krebserkrankung kamen die Wissenschaftler zu folgenden Ergebnissen: Die allermeisten Patienten (98,8 %) verstarben nicht am Prostatakrebs (in einem Zeitraum von 5 Jahren nach Strahlentherapie). Bei 47,6 % stieg der PSA-Wert innerhalb von 5 Jahren nach der Strahlentherapie nicht weiter an und 80,5 % der Patienten bleiben auch nach 5 Jahren noch von Metastasen verschont.

Die Strahlentherapie lieferte bei Patienten mit biochemischen Rezidiv nach einer operativen Prostataentfernung langfristig recht gute Ergebnisse. Fast die Hälfte der Patienten blieb auch nach fünf Jahren noch von einem weiteren PSA-Anstieg verschont. Allerdings waren Harninkontinenz und andere Beschwerden recht häufige Probleme, die die Strahlentherapie mit sich brachte.

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