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Multiple Sklerose

Eskalation oder Induktion – was ist die bessere Therapie?

Original Titel:
Clinical Outcomes of Escalation vs Early Intensive Disease-Modifying Therapy in Patients With Multiple Sclerosis.

DGP Was ist das beste Vorgehen bei der Behandlung von Multipler Sklerose: Eine frühe Therapie mit hochwirksamen Medikamenten oder erst einmal mit „sanfteren“ Medikamenten starten und wenn nötig auf wirksamere Therapien umsteigen?


Der Einsatz von nicht so stark eingreifenden Wirkstoffen wie Interferonen, Teriflunomid oder Glatirameracetat ist meist der erste Schritt bei der Behandlung von Multipler Sklerose. Lässt sich die Erkrankung so nicht kontrollieren, werden härtere Geschütze wie hochwirksame Immunmodulatoren, Antikörper oder Immunsuppressiva eingesetzt. Dieses Vorgehen wird Eskalationstherapie genannt, da hier die Stärke der Medikamente mit jeder Therapiestufe zunimmt.

Induktionsansatz: Früh und intensiv behandeln

Gleich zu Beginn kommen solche hocheffizienten Wirkstoffe meist nur zum Einsatz, wenn es Anzeichen für einen sehr schlechten Krankheitsverlauf gibt. Doch inzwischen gibt es Experten, die sich für ein anderes Vorgehen aussprechen. Sie halten die Induktionstherapie für den besseren Ansatz bei der Behandlung von Multipler Sklerose. Dabei sollen so früh wie mögliche starke Medikamente zum Einsatz kommen, um schnellstmöglich einen Stillstand der Erkrankung zu erreichen.

Vergleichende Auswertung zum Behinderungslevel nach fünf Jahren

Britische Forscher haben Daten von Menschen mit Multipler Sklerose dazu ausgewertet. Sie verglichen ,wie weit die Behinderung von Menschen mit MS nach fünf Jahren fortgeschritten war, wenn sie früh eine hochwirksame Therapie erhalten hatten (Induktion) oder erst später im Krankheitsverlauf (Eskalation). Die Daten stammten aus den Jahren 1998 bis 2016, insgesamt lagen den Wissenschaftlern Daten zu 720 MS-Patienten vor, die ein krankheitsmodifizierendes Medikament erhalten hatten. Manche Patienten wurden von der Auswertung ausgeschlossen, da nicht genug Daten vorlagen, Daten zur anfänglichen Behandlung fehlten oder sie an einer klinischen Studie teilnahmen. Letztlich werteten die Forscher Daten von 592 MS-Patienten aus.

Geringerer EDS-Wert nach 5 Jahren mit Induktions-Ansatz

Bei diesen 592 Menschen mit MS zeigte sich, dass nach fünf Jahren die Zunahme der Behinderung im Mittel, gemessen als EDS-Wert, bei den Patienten mit einer intensiven Behandlung zu Beginn geringer war als bei Patienten, die zunächst eine moderate Behandlung erhalten hatten.

Studien nötig, um unterschiedliche Ansätze miteinander zu vergleichen

Die Wissenschaftler fassen zusammen, dass diese Ergebnisse darauf hinweisen, dass der in der alltäglichen Praxis meist angewandte Eskalationsansatz nicht ausreichend sein könnte, um ungünstige Langzeitauswirkungen zu verhindern. Weitere klinische Studien werden daher benötigt, um diese verschiedenen Behandlungsansätze zu vergleichen. Nicht eingegangen wurde in dieser Untersuchung auf mögliche Nebenwirkungen der Therapien.

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