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Leukämie

Bessere Chancen auf Überleben ohne Krankheitsfortschritt bei Hodgkin-Lymphom mit Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Brentuximab Vedotin

Original Titel:
Brentuximab vedotin prior to allogeneic stem cell transplantation increases survival in chemorefractory Hodgkin's lymphoma patients.

DGP – In einer rückblickenden Analyse der Behandlungsergebnisse in süditalienischen Kliniken zeigte sich, dass die Behandlung eines Hodgkin-Lymphoms besser zu verlaufen schien, wenn vor einer allogenen Stammzelltransplantation eine Vorbehandlung mit dem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Brentuximab Vedotin erfolgte. Zwar waren Komplikationen der Transplantation ähnlich häufig, aber die Krankheit wurde häufiger aufgehalten. Zudem führten Rückfälle der Krebserkrankung seltener zum Tod über drei Jahre nach der Transplantation.


Brentuximab Vedotin wurde bereits 2012 zur Behandlung des Hodgkin Lymphoms zugelassen. Dieses sogenannte Antikörper-Wirkstoff-Konjugat besteht aus einem zielgerichteten Antikörper, der auf den CD30-Marker auf Krebszellen gerichtet ist und daran binden kann. An den Antikörper angekoppelt ist der Wirkstoff, ein Zellgift, das so gezielt auf Zellen mit dem speziellen Marker landet und diese zerstört. Die Wirkung des Mittels führte über die Jahre zu mehreren sogenannten Indikationserweiterungen: es ist inzwischen zugelassen zur Behandlung nach Rückfall oder bei Versagen der vorher üblichen Therapie (beispielsweise Chemotherapie oder Stammzelltransplantation), aber auch als Ersttherapie in Kombination mit anderen Krebsmedikamenten, wenn das Hodgkin-Lymphom bereits weit fortgeschritten ist und andere Körperbereiche betrifft. Auch nach einer autologen Stammzelltransplantation, also mit körpereigenen Stammzellen, kann es eingesetzt werden, wenn das Risiko für einen Rückkehr der Krebserkrankung als hoch eingestuft wird.  Außerdem kann das Mittel auch bei dem systemischen, anaplastisch-großzelligen Lymphom (sALCL) und dem CD30-positiven kutanen T-Zell-Lymphom zum Einsatz kommen.

Antikörper-Wirkstoff-Konjugat: Antikörper zur Oberflächenmarker-Bindung, Wirkstoff zum Abtöten der Krebszelle

Forscher berichteten nun ihre rückblickende Analyse der Behandlungserfahrung über 16 Jahre in verschiedenen süditalienischen Zentren (Rete Ematologica Pugliese). Dabei ging es besonders darum, die Effekte von Brentuximab Vedotin zu ermitteln, das als Vorbehandlung zu einer allogenen Stammzelltransplantation (also mit Stammzellen eines Fremdspenders) mit Konditionierung (Chemotherapie) reduzierter Stärke eingesetzt wurde. Verglichen wurde dies zu Patienten mit derselben Diagnose und Behandlung bis auf die Vorbehandlung mit Brentuximab Vedotin.

Rückblickende Analyse der Behandlungsergebnisse in Süditalien

Insgesamt wurden 72 Patienten mit klassischem Hodgkins Lymphom untersucht, die eine allogene Stammzelltransplantation erhielten. 21 der Patienten wurden vorher mit Brentuximab Vedotin behandelt, 51 Patienten erhielten dagegen ausschließlich eine Chemotherapie reduzierter Stärke als Vorbehandlung zur Stammzelltransplantation.

Vorherige Behandlung mit Brentuximab Vedotin hatte keinen Effekt auf die Häufigkeit von Problemen mit der Transplantation, beispielsweise der Transplantation-gegen-Wirts-Krankheit. Auch der Schweregrad dieser Komplikation schien nicht abhängig von dieser Vorbehandlung zu sein. Allerdings schien eine chronische Form der Transplantation-gegen-Wirts-Krankheit in geringem (und statistisch nicht überzeugendem) Maße seltener bei den Patienten aufzutreten, die Brentuximab Vedotin erhalten hatten. Ermittelt drei Jahre nach der Transplantation lag die Häufigkeit bei diesen Patienten bei 43 %, bei den übrigen Patienten dagegen bei 47 %. Die Behandlung bewirkte einen Unterschied darin, wie die Patienten überlebten. Mehr als die Hälfte der mit Brentuximab Vedotin behandelten Patienten (53 %) überlebten 3 Jahre ohne Fortschreiten der Erkrankung, im Vergleich zu einem Drittel (33 %) der Patienten, die nicht den speziellen Wirkstoff bekommen hatten. 62 % der Patienten mit dem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat überlebten überhaupt 3 Jahre (sogenanntes Gesamtüberleben) – 24 % verstarben aber nicht aufgrund eines Rückfalls der Lymphomerkrankung. In der klassisch behandelten Gruppe überlebten dagegen nur 44 % der Patienten 3 Jahre, und deutlich mehr dieser Patienten (86 %) verstarben aufgrund eines Rückfalls. Besonders dramatisch zeigte sich die Wirkung von Brentuximab Vedotin bei Patienten, die zur Zeit der Transplantation nicht auf die Chemotherapie ansprachen (sogenannt chemorefraktär): von diesen Patienten überlebten die Hälfte (51 %) drei Jahre ohne Krankheitsfortschritt, wenn sie Brentuximab Vedotin erhalten hatten, aber nur 10 %, wenn sie ohne dieses Medikament behandelt worden waren.

Bessere Chancen auf Überleben ohne Krankheitsfortschritt, selteneres Versterben aufgrund eines Rückfalls

Zusammenfassend zeigte sich also im Überblick über mehrere Jahre an Patientendaten, dass eine Vorbehandlung mit Brentuximab Vedotin die Prognose einer allogenen Stammzelltransplantation bei Hodgkin-Lymphom zu bessern schien. Zwar waren Komplikationen der Transplantation ähnlich häufig, aber die Krankheit wurde häufiger aufgehalten und Rückfälle der Krebserkrankung führten seltener zum Tod über drei Jahre nach der Transplantation. Damit scheint das Mittel auch bei allogener Stammzelltransplantation zur Therapie des Hodgkin-Lymphoms eine wertvolle Vorbehandlungsmöglichkeit zu bieten.

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