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Multiple Sklerose

Wirkstoffe aus der Hanfpflanze helfen vermutlich bei Spastik, sind aber nicht frei von Nebenwirkungen

Original Titel:
Sativex in the management of multiple sclerosis-related spasticity: An overview of the last decade of clinical evaluation.

DGP – Eine Zubereitung aus Cannabis-Wirkstoffen, Nabiximols, hilft gegen mittelschwere bis schwere Spastiken, ist aber nicht frei von Nebenwirkungen. Das ist das Ergebnis einer Literaturauswertung italienischer Forscher.


Die Spastik ist ein häufig auftretendes Symptom der Multiplen Sklerose (MS), etwa 80 % aller MS-Patienten sind davon betroffen. Dabei ist die Beweglichkeit durch eine erhöhte Muskelspannung beeinträchtigt. Die Ursache sind Schädigungen durch die Multiple Sklerose an Nervenbahnen, die in Hirn und Rückenmark verlaufen und alle Bewegungen steuern (Pyramidenbahnen). Neben der erhöhten Muskelspannung führt eine Spastik auch zu Muskelsteifigkeit, Verkrampfungen, Schwere- und Spannungsgefühlen in den betroffenen Muskeln oder zu Muskelverkürzungen und Schmerzen. Neben der Spastik tritt in der Regel auch eine Muskelschwäche (Parese) auf.

Nicht allen Patienten helfen Physiotherapie oder Medikamente ausreichend

Zur Behandlung der Spastik wird z. B. Physiotherapie eingesetzt. Bei stärkeren Beschwerden können zusätzlich Medikamente verordnet werden, die den Muskelwiderstand senken (Antispastika). Dies betrifft aber nicht nur die durch die Spastik betroffenen Muskeln, daher kann es die Gang- und Standfestigkeit der Patienten beeinflussen. Bei manchen Betroffenen mit mittelschweren oder schweren Beschwerden helfen jedoch Antispastika nicht oder nicht ausreichend.

Eignen sich Wirkstoffe aus der Hanfpflanze?

In den letzten Jahren hat dann der mögliche Einsatz von bestimmten Substanzen aus der Hanfpflanze (Cannabinoide) als potenzielle Wirkstoffe in der Therapie von MS-Symptomen für großes Aufsehen gesorgt. Ähnliche, körpereigene Stoffe sind unter anderem an der Steuerung von Bewegungen beteiligt. Bei Menschen mit durch MS hervorgerufener Spastik stellten Forscher fest, dass die Konzentration dieser sogenannten Endocannabinoide verringert sei. So entstand die Idee, die Wirkstoffe der Hanfpflanze zur Behandlung zu nutzen.

Nabiximols als Zusatzbehandlung bei mittelschwerer bis schwerer Spastik

Seit 2011 gibt es ein entsprechendes Medikament auf dem Markt, das einen Extrakt aus der Hanfpflanze mit den aktiven Inhaltsstoffen Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBN) enthält. Der Wirkstoff heißt Nabiximols. Er ist jedoch nur als Zusatzbehandlung von Symptomen von mittelschwerer bis schwerer Spastik durch MS bei erwachsenen Patienten zugelassen, bei denen die Behandlung mit anderen antispastischen Medikamenten nicht erfolgreich war. Zudem muss ein Arzt zunächst überprüfen, ob das Medikament beim jeweiligen Patienten wirkt, denn das ist nicht immer der Fall. Außerdem fällt das Medikament unter das Betäubungsmittelgesetz.

Auswertung der vorliegenden Literatur

In einer Literaturstudie aus Italien wurde nun nochmals die klinische Evaluation der letzten 10 Jahre sowie Wirksamkeit und Sicherheit des Medikaments betrachtet. Die Wissenschaftler berichten, dass die Wirksamkeit zur Behandlung von Spastik sich in der Literatur bestätigt und von einer Verbesserung der Lebensqualität der Patienten. Die Literatur stütze außerdem das gute Sicherheitsprofil und die Verträglichkeit des Medikaments, da Nebenwirkungen nur selten vorkämen.

Schwindel, Schläfrigkeit und Übelkeit als Nebenwirkungen

Trotz des pflanzlichen Ursprungs der Wirkstoffe hat aber auch die Behandlung mit Cannabinoiden Nebenwirkungen. Das zeigt eine Studie von kanadischen und brasilianischen Forschern. Sie analysierten 16 kontrollierte Studien mit insgesamt 2597 Studienteilnehmern zur Wirkung von Cannabinoiden bei Spastik durch MS oder Querschnittlähmungen. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass es einen Zusammenhang zwischen der Behandlung mit Cannabinoiden und einem möglichen Rückgang der Spastik geben könnte. Auch die Zahl der Krämpfe lässt sich möglicherweise mit Wirkstoffen aus der Hanfpflanze verringern. Jedoch traten bei Patienten, die mit Cannabinoiden behandelt wurden, als Nebenwirkungen Schwindel, Schläfrigkeit und Übelkeit auf.

Die Behandlung mit Cannabinoiden könnte eine Alternative sein für Patienten mit mittelschwerer oder schwerer Spastik, denen antispastische Medikamente nicht oder nur eingeschränkt helfen. Jedoch wirken sie nicht bei jedem und es können Nebenwirkungen wie Schwindel, Schläfrigkeit und Übelkeit auftreten.

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