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Wie beeinflusst ein Hybrid-Closed-Loop-System das Ernährungsverhalten?

Original Titel:
The impact of using a closed-loop system on food choices and eating practices among people with Type 1 diabetes: a qualitative study involving adults, teenagers and parents

DGPWissenschaftler untersuchten jugendliche Typ-1-Diabetes-Patienten, die ein Hybrid-Closed-Loop-System nutzten. Das neue System reduzierte die Krankheitslast der Jugendlichen und bescherte ihnen ein normaleres Leben. Das Ernährungsverhalten ändere sich durch die Anwendung der neuen Technologie kaum. Allerdings sahen die Jugendlichen und ihre Eltern auch die Gefahr, dass die gute Kontrolle durch das System dazu verleiten könnte, ungesünder zu essen oder weniger geschult bei der Einschätzung von Kohlenhydraten zu werden.  


Eine künstliche Bauchspeicheldrüse ist ein Traum von vielen Patienten mit Typ-1-Diabetes. Ärzte bezeichnen eine künstliche Bauchspeicheldrüse auch als Closed-Loop-System – also ein geschlossenes System. Eine künstliche Bauchspeicheldrüse besteht aus einer Insulinpumpe, einem Sensor zur kontinuierlichen Messung der Blutzuckerkonzentration, einem Messgerät zur Einstellung des Sensors und einem Computerprogramm zur Steuerung der Insulinpumpe. Das System, welches aktuell noch nicht in Deutschland zugelassen ist, soll die Insulinversorgung von Patienten mit Typ-1-Diabetes übernehmen. Betroffene Patienten könnten durch eine künstliche Bauchspeicheldrüse ein völlig neues Leben führen.

Ein Hybrid-Closed-Loop-System ist ein fast geschlossenes System

Wissenschaftler aus Großbritannien untersuchten in ihrer Studie ein Hybrid-Closed-Loop-System. Dabei handelt es sich um ein fast geschlossenes System, welches automatisiert den Grundbedarf an Insulin von einem Typ-1-Diabetes-Patienten deckt. Der Sensor im Unterhautfettgewebe misst kontinuierlich die Blutzuckerkonzentration – diese Werte werden an die Insulinpumpe vermittelt, die dann mithilfe von einem Algorithmus, der den Grundbedarf an Insulin bestimmt, das Insulin automatisiert und bedarfsgerecht abgibt. Eine integrierte Technologie überwacht die tadellose Funktion dieses Zusammenspiels. Im Gegensatz zu einem vollständig geschlossenen System muss bei einem hybriden System allerdings zu den Mahlzeiten noch Insulin per Hand freigesetzt werden.

Ändert sich die Nahrungsmittelauswahl, wenn Typ-1-Diabetes-Patienten die neue Technologie anwenden?

Die Wissenschaftler interessierten sich in ihrer Studie dafür, ob sich die Nahrungsmittelauswahl und die Ernährungspraktiken von Typ-1-Diabetes-Patienten ändern, wenn diese ein Hybrid-Closed-Loop-System nutzen. Dies ist wichtig, um zu verstehen, welchen Einfluss die neue Technologie auf das Leben von betroffenen Patienten hat. Die Informationen dazu werden auch gebraucht, um Empfehlungen für Schulungen zur neuen Technologie abzugeben sowie um neue Nutzer der Technologie angemessen zu informieren.

Es nahmen insgesamt 24 Personen an der Studie teil – 15 Jugendliche mit Typ-1-Diabetes und 9 Elternteile (12 Jugendliche waren 16 Jahre alt oder älter, 3 Jugendliche waren zwischen 13 und 15 Jahre alt). Mit allen Personen wurden vor dem Beginn der Behandlung mit dem Hybrid-Closed-Loop-System und 3 Monate danach Interviews geführt.

Nahrungsmittelauswahl änderte sich kaum, aber System könnte dazu verleiten, ungesünder zu essen

Viele Studienteilnehmer berichteten davon, dass sie ähnliche Mahlzeiten wie vor der Behandlung mit dem Hybrid-Closed-Loop-System verzehrten und die Speisen auch ähnlich zubereiteten. Außerdem erläuterten viele Teilnehmer, dass sie sich durch das neue System normaler fühlten und durch die Erkrankung nicht mehr so stark eingeschränkt waren.

Manche Personen merkten auch an, dass die neue Technologie dazu verleiten könnte, weniger geübt im Umgang mit der Krankheit zu sein, beispielsweise in der Form, dass der Kohlenhydratgehalt von Speisen weniger gut eingeschätzt werden kann. Außerdem könnte das System dazu verleiten, ungesünder zu essen – d. h. mehr zu snacken, größere Portionen zu verzehren und fett- und energiereicher zu essen. Dies sahen sie darin begründet, dass das System schnell Fehler, die bei der Einschätzung des Kohlenhydratgehalts von Speisen auftreten, ausgleichen kann, und weil es kleine Anstiege im Blutzucker ausgleicht, ohne dass selbst eine Insulindosis angeordnet werden muss.

Die Wissenschaftler resümierten, dass sich die Lebensqualität von betroffenen Typ-1-Diabetes-Patienten durch das neue System vermutlich verbessert. Allerdings könnte es notwendig sein, die Anwender der neuen Technologie in Schulungen über den Wert von gesunder Ernährung zu informieren. Wichtig ist auch, Personen, die das Hybrid-Closed-Loop-System nutzen, in Bezug auf den Kohlenhydratgehalt von Speisen zu schulen, damit die Insulinversorgung auch dann sichergestellt ist, wenn die Technologie einmal versagen sollte oder die Personen sich dazu entscheiden, diese nicht zu nutzen.

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