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Chronische Darmentzündung

Arbeiten in der Gesundheitspflege erhöht für Patienten mit chronischer Darmentzündung das Tuberkulose-Risiko

Original Titel:
Risk of serious infection in healthcare workers with inflammatory bowel disease: a case-control study of the Groupe d'Etude Thérapeutique des Affections Inflammatoires du tube Digestif (GETAID)

DGP – Medizinisches Personal ist täglich vielen Krankheitserregern ausgesetzt. Für Patienten mit einer chronischen Darmentzündung kann das schwerwiegende Folgen haben. So zeigte die vorliegende Studie, dass Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa ein höheres Risiko für Tuberkulose hatten, wenn sie in der Gesundheitspflege arbeiteten. Das Risiko für allgemeine schwere Infektionen war jedoch nicht erhöht.


Patienten mit einer chronischen Entzündung bekommen in der Regel entzündungshemmende Medikamente. Da diese das Immunsystem unterdrücken, haben die Betroffenen ein erhöhtes Infektionsrisiko. Der Verdacht liegt nahe, dass gerade Patienten, die in der Gesundheitspflege arbeiten, ein erhöhtes Infektionsrisiko haben, da sie täglich mit Krankheitserregern in Kontakt kommen. Doch ist das wirklich so? Sind Patienten, die in der Gesundheitspflege arbeiten, tatsächlich häufiger von schweren Infektionen betroffen als Patienten, die anderen Berufen nachgehen? Dies untersuchten Wissenschaftler aus Frankreich und Belgien.

Wissenschaftler verglichen Patienten, die in der Gesundheitspflege arbeiten, mit Patienten aus anderen Berufszweigen

Die Wissenschaftler wollten herausfinden, wie hoch das Risiko für schwere Infektionen für medizinisches Personal mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung ist. Zu diesem Zweck untersuchten sie 482 Patienten mit einer chronischen Darmentzündung, die in der Gesundheitspflege an 17 verschiedenen Zentren arbeiteten. Zum Vergleich zogen sie die Daten von 482 Patienten heran, die im Alter, der Geschlechterverteilung, dem Jahr der Diagnose und dem Typ der Erkrankung (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa) mit den anderen Patienten übereinstimmten, jedoch nicht in der Gesundheitspflege beschäftigt waren. Die Patienten wurden im Mittel 9,3 Jahre lang begleitet. Die Wissenschaftler untersuchten, wie häufig bei den verschiedenen Patientengruppen in diesem Zeitraum schwere Infektionen auftraten. Infektionen galten als schwer, wenn ein Krankenhausaufenthalt nötig war.

Medizinisches Personal hatte ein größeres Tuberkulose-Risiko

Während des Beobachtungszeitraums kam es zu insgesamt 139 schweren Infektionen: 30 Infektionen mit Clostridium difficile, 33 schwere Virus-Infektionen, 9 Tuberkulose-Infektionen, 21 ambulant erworbene Pneumonien (Lungenentzündungen, deren Krankheitserreger außerhalb des Krankenhauses aufgenommen wurden) und 46 andere. Insgesamt betrachtet traten schwere Infektionen beim medizinischen Personal nicht häufiger auf als bei Patienten aus anderen Berufszweigen. Wurden die Infektionen getrennt voneinander betrachtet, fiel jedoch auf, dass das Risiko für Tuberkulose beim medizinischen Personal größer war. Die Wissenschaftler identifizierten Risikofaktoren, die – unabhängig vom Beruf – mit schweren Infektionen im Zusammenhang standen. Dazu gehörten die Verwendung von Kortikosteroiden (3,1-mal so großes Risiko), Immunsuppressiva (2-mal so großes Risiko) und TNF-Hemmern (2,9-mal so großes Risiko).

Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa hatten insgesamt betrachtet kein höheres Risiko für schwere Infektionen, wenn sie in der Gesundheitspflege arbeiteten statt in einer anderen Branche. Das Risiko speziell für Tuberkulose war bei dem medizinischen Personal jedoch erhöht. Daher sollte bei den Betroffenen infektionsrelevante Kontakte im Auge behalten werden, vor allem, wenn sie mit entzündungshemmenden Wirkstoffen behandelt werden.

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