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Chronische Darmentzündung

Sind TNF-Hemmer während der Schwangerschaft sicher für Mutter und Kind?

Original Titel:
Continuous Anti-TNFα Use Throughout Pregnancy: Possible Complications For the Mother But Not for the Fetus. A Retrospective Cohort on the French National Health Insurance Database (EVASION)

DGP – Wissenschaftler untersuchten, wie sicher TNF-Hemmer für werdende Mütter und deren Kinder sind, wenn sie während der Schwangerschaft angewandt werden. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass TNF-Hemmer das Risiko für Komplikationen bei der Mutter erhöhten, nicht aber das Infektionsrisiko für das Neugeborene.


Die chronischen Darmentzündungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa bedürfen oftmals eine kontinuierliche und langandauernde Behandlung. Da diese Erkrankungen häufig bereits in jüngeren Jahren auftreten, sind häufig auch Menschen mit Kinderwunsch betroffen. Dieser Umstand stellt die Therapie einer chronischen Darmentzündung bei jungen Frauen vor eine Herausforderung. Denn sowohl Krankheitsschübe als auch Medikamente könnten sich negativ auf den Schwangerschaftsverlauf auswirken. Wissenschaftler aus Frankreich, Kanada und den Niederlanden untersuchten, wie sicher TNF-Hemmer während der Schwangerschaft sind – sowohl für die Mutter als auch für das Kind. TNF-Hemmer sind Wirkstoffe, die das Immunsystem unterdrücken und dann zum Einsatz kommen, wenn die konventionellen Therapien gescheitert sind.

Manche Frauen bekamen während der Schwangerschaft TNF-Hemmer

Die Wissenschaftler suchten rückblickend in einer französischen Gesundheitsdatenbank nach Daten von Frauen mit einer chronischen Darmentzündung, die zwischen 2011 und 2014 schwanger wurden. Dies traf auf 8726 Frauen zu, die zusammen 11275 Schwangerschaften durchlebten. Die Wissenschaftler teilten die Schwangerschaften in zwei Gruppen ein, je nachdem, ob die Frauen während der Schwangerschaft mit TNF-Hemmern wie Infliximab, Adalimumab oder Golimumab behandelt wurden (1457 Schwangerschaften, 12,9 %) oder nicht (9818 Schwangerschaften, 87,1 %). Die Wissenschaftler untersuchten, ob und wie häufig es bei den jeweiligen Gruppen zu Komplikationen bei der Mutter und zu Infektionen im ersten Lebensjahr des Kindes kam.

Mehr mütterliche Komplikationen, jedoch nicht mehr Infektionen bei den Kindern durch TNF-Hemmer in der Schwangerschaft

Bei der Auswertung der Daten stellten die Wissenschaftler fest, dass TNF-Hemmer während der Schwangerschaft sowohl das Risiko für mütterliche Komplikationen insgesamt als auch das Risiko für mütterliche Infektionen erhöhten – und zwar um 49 % bzw. 31 %. Dieses Ergebnis kam zustande, nachdem die beiden Patientengruppen so angeglichen wurden, dass sie in möglichst vielen Punkten wie beispielsweise in der Schwere der Erkrankung, im Alter, in der Anwendung von Steroiden und der Anwendung von zusätzlichem 6-Mercaptopurin übereinstimmten. Wenn die Therapie mit den TNF-Hemmern bis zur 24. Woche weiter fortgeführt wurde, erhöhte sich das Risiko für Komplikationen bei der Mutter nicht weiter. Auffällig war jedoch, dass das Risiko für einen Krankheitsschub stieg, wenn die TNF-Therapie innerhalb der 24 Wochen abgebrochen wurde. Bezüglich des Kindes konnte kein erhöhtes Infektionsrisiko festgestellt werden, wenn die Mutter während der Schwangerschaft TNF-Hemmer bekam.

Frauen, die während der Schwangerschaft mit TNF-Hemmern behandelt wurden, hatten somit ein größeres Risiko für mütterliche Komplikationen als Frauen, die diesen Wirkstoff nicht bekamen. Ein Abbruch der TNF-Hemmer-Therapie vor der 24. Woche erhöhte jedoch das Risiko für einen Krankheitsschub. TNF-Hemmer in der Schwangerschaft erhöhten nicht das Risiko für das Neugeborene, im ersten Lebensjahr Infektionen zu erleiden.

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