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Depression

Mögliche Chance zum Nierenschutz bei der Lithiumtherapie durch Statine: Wie verträglich wäre das für Denken und Stimmung?

Original Titel:
The effect of atorvastatin on cognition and mood in bipolar disorder and unipolar depression patients: A secondary analysis of a randomized controlled trial.

Kurz & fundiert

  • Statine in Diskussion als möglicher Nierenschutz bei der Lithiumtherapie
  • Gibt es Nebenwirkungen auf Denken und Stimmung bei Betroffenen mit affektiver Störung?
  • Vergleich von Atorvastatin und Placebo über 12 Wochen
  • Kein Hinweis auf problematische Effekte auf Stimmung und Denkleistung

 

DGP – Statine und Denkleistung bei affektiver Störung – dazu gab es bislang wiedersprüchliche Ergebnisse und Hinweise. Forscher analysierten nun Daten einer Studie, in der Patienten mit Bipolarer Störung und unipolarer Depression mit einem Statin oder einem Placebo behandelt wurden. Über 12 Wochen konnte dabei kein nachteiliger Effekt auf Stimmung und Denkleistung durch das Statin festgestellt werden.


Statine sind Medikamente, die bei erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko und erhöhten Blutfettwerten verschrieben werden können. Damit gehören sie zu einer sehr häufig eingesetzten Medikamentengruppe. Die Behandlung mit Statinen wurde kürzlich in Zusammenhang mit Auswirkungen auf Denkleistung und Stimmung bei Patienten mit einer Affektstörung wie der Depression oder der Bipolaren Störung gesetzt. Dazu analysierten Forscher nun die Ergebnisse einer randomisiert kontrollierten Studie neu, in der Patienten mit Bipolarer Störung und unipolarer Depression mit einem Statin behandelt wurden.

Statine und Denkleistung bei affektiver Störung

Zum Hintergrund der eigentlichen Studie: Die Betroffenen litten alle unter einem durch Lithium induzierten Diabetes Insipidus. Diese Erkrankung ist, anders als der sehr viel häufigere Diabetes mellitus, einer Schädigung der Nieren zuzuschreiben. Die Folge dieser Schädigung können starker Durst und ungewöhnlich häufiges Urinieren sein, wodurch auch starker Flüssigkeitsmangel und Mangel beispielsweise an Elektrolyten entstehen kann. Statine konnten in früheren Studien und in Tiermodellen möglicherweise einen Schutz für die Nieren bewirken, wären also eine wichtige Chance, wenn sie keine weiteren Probleme wie beispielsweise beeinträchtigte Denkleistung mit sich bringen.

Mögliche Chance zum Nierenschutz bei der Lithiumtherapie durch Statine: Wie verträglich wäre das?

In der ursprünglichen Studie erhielten Patienten zufällig entweder ein Placebo (33 Patienten) oder das Statin Atorvastatin (27 Patienten). Hier wurde nun zusätzlich analysiert, wie sich die Behandlung mit dem Statin auf die Denkleistung auswirkte. Die Veränderung der Denkleistung nach 12 Wochen wurde mit der Leistung zu Beginn der Studie verglichen. Außerdem wurde mit standardisierten Screening-Werkzeugen ermittelt, ob Einschränkungen der Denkleistung aufgrund der psychischen Erkrankung vorlagen und wie sich die planerischen Fähigkeiten und Funktionen wie Impulskontrolle (exekutive Funktionen) im Verlauf der Studie entwickelten. Mit Blick auf die Grunderkrankung wurden auch depressive Symptome nach 12 Wochen mit der Montgomery-Asberg-Depressionsbewertungsskala (MADRS) erfasst, sowie ob ein Rückfall in eine manische oder andere Stimmungsphase erfolgt war.

Denkleistungsvergleich mit Placebo und Atorvastatin über 12 Wochen

Beruhigend für Menschen mit affektiver Störung und Behandlung mit Statinen: Nach 12 Wochen unterschied sich die Entwicklung der Denkleistung nicht zwischen den Patienten der Placebogruppe und den Patienten der Statingruppe. Ebenso gab es keine messbaren Unterschiede im Grad der Einschränkung aufgrund der psychischen Erkrankung. Die Rückfallrate in eine depressive oder auch manische Phase während der beobachteten 12 Wochen unterschied sich ebenfalls nicht signifikant zwischen Placebo und Atorvastatin.

Keine nachteiligen Effekte des Statins auf Denken und Stimmung

Damit zeigte diese Analyse, dass bei Patienten mit Bipolarer Störung oder unipolarer Depression und einer Lithium-induzierten Nierenschädigung mit daraus folgendem nephrogenen Diabetes Insipidus die Behandlung mit Atorvastatin keine nachteiligen Effekte auf Stimmung oder Denkleistung über den Studienzeitraum hinweg bewirkte. Statine sind demnach nicht eindeutig problematisch für die Denkleistung bei affektiven Störungen. Nun bleiben nur die weiteren Ergebnisse der hier analysierten Studie abzuwarten, um zu erfahren, ob Statine als mögliche Hilfe gegen Nierenschäden durch die Lithiumtherapie nutzbar sein könnten.

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