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Vertrauen in das Gleichgewicht bei MS ist auch beeinflusst durch Fatigue und Depression

Original Titel:
Explanatory Factors of Balance Confidence in Persons With Multiple Sclerosis: Beyond the Physical Functions

Kurz & fundiert

  • Gleichgewichtsstörungen sind ein Sturzrisiko und schränken stark ein
  • Untersuchung und Befragung von 445 MS-Patienten: körperliche und psychische Faktoren und Gleichgewichtsvertrauen
  • Vertrauen in das Gleichgewicht bei MS: nicht nur körperlich, sondern auch beeinflusst durch Fatigue und Depression

 

DGP – Ist die Balance gestört, können Menschen mit Multipler Sklerose (MS) leichter stürzen und verlieren zunehmend Bewegungsfreiheit. Körperliches Training des Gleichgewichts könnte aber nur einen Teil der notwendigen Maßnahmen zur Unterstützung darstellen, berichteten Forscher. Sie untersuchten bei über 400 Patienten körperliche und psychische Faktoren und befragten sie zu ihrem Vertrauen in die eigene Balance. Vertrauen in das Gleichgewicht bei MS sollte demnach nicht nur über körperliche Faktoren, sondern auch über Linderungen von Fatigue und Depression angegangen werden, um Gleichgewichtsstörungen zu bessern.


Gleichgewichtsstörungen können bei Multipler Sklerose (MS) ein wichtiges Thema sein: Sie behindern das freie Gehen, können zu Stürzen führen und führen somit zu deutlichen Problemen und Einschränkungen im Alltag. Die körperliche Balance kann in gewissem Maße trainiert und verbessert werden. Aber neben der körperlichen Gleichgewichtsproblematik gibt es auch die psychologische Komponente. Wie viel Vertrauen man in den eigenen Gleichgewichtssinn hat, kann ebenso ein Problem darstellen wie ein tatsächlicher Mangel an Balance.

Gleichgewichtsstörungen sind ein Sturzrisiko und schränken ein

Das Vertrauen in die eigene Balance wird als ein psychologisches Element von Stürzen und Gleichgewicht-erfordernden Aktivitäten angesehen. Die Beziehung zwischen Gleichgewichtsvertrauen und körperlichen Faktoren wurde bereits früher untersucht. Die Rolle der Psyche in diesem Zusammenspiel ist allerdings nicht klar. Besonders vermuteten Forscher, dass solche psychischen Faktoren, die auf soziale Aktivitäten einwirken (sogenannte psychosoziale Faktoren), im Zusammenhang mit Gleichgewichtsvertrauen und körperlichen Faktoren bei Menschen mit MS stehen könnten.

Untersuchung und Befragung von 445 MS-Patienten: körperliche und psychische Faktoren und Gleichgewichtsvertrauen

Insgesamt 445 Menschen mit MS nahmen an der Studie teil. Das individuelle Vertrauen ins Gleichgewicht wurde mit der ABC-Skala (Activities-Specific Balance Confidence) ermittelt, in der beispielsweise erfragt wird, wie zuversichtlich man ist, auf den Zehenspitzen stehend nach einem Gegenstand über Augenhöhe greifen zu können oder in einem vollen Einkaufsladen umhergehen zu können. Die psychosoziale Komponente wurde mit Fragebögen zu Fatigue (Modified Fatigue Impact Scale, MFIS), Schläfrigkeit (Epworth Schläfrigkeitsskala, ESS), depressive Symptome (Beck Depressionsskala, BDI) und zu allgemeinen Denkfitness (Symbol Digit Modalities Test, SDMT) erfasst. Wie gut die körperliche Fitness zum Gleichgewicht beitragen konnte, ermittelten die Wissenschaftler mit Gehtests über etwa 8 m und über 6 Minuten (T25FW, 6MWT). Die Teilnehmer sollten auch auf einem Bein stehen (Einbeinstand) und füllten einen Fragebogen zu ihren wöchentlichen Freizeitaktivitäten, in leichter, mittlerer und starker körperlicher Intensität, aus (Godin Leisure-Time Exercise Questionnaire).

Die Analyse zeigte eine signifikante Korrelation zwischen dem ABC-Wert, also dem selbsteingeschätzten Vertrauen in die eigene Balance, und allen körperlichen und psychischen bzw. psychosozialen Messwerten (p < 0,05). In der statistischen Auswertung ermittelten die Forscher, dass psychosoziale Faktoren für 41 % der Variationen des ABC-Werts verantwortlich sein könnten. Die psychische Fitness, gemessen anhand von Erschöpfung, Schläfrigkeit und Depression, hat demnach also einen großen Einfluss auf das Gleichgewichtsvertrauen. Die körperlichen Faktoren, also wie gut man tatsächlich gehen und stehen konnte, konnte weitere 35 % der statistischen Varianz im Gleichgewichtsvertrauen erklären. Mehrere Einzeltests (Fatigue, Depression, Denkleistung, Gehtest und Einbeinstand) konnten signifikant den ABC-Werts, also das Gleichgewichtsvertrauen, vorhersagen.

Vertrauen in das Gleichgewicht bei MS: Nicht nur körperlich, sondern auch beeinflusst durch Fatigue und Depression

Die Untersuchung zeigt damit, dass die körperlichen Aspekte bei dem Thema Gleichgewicht nicht allein wesentlich sind. Psychische Faktoren, die von Aktivitäten abhalten oder unsicher machen, wie etwas Fatigue oder depressive Symptome, spielen offenbar eine wichtige Rolle beim Vertrauen in das eigene Balancegefühl. Interventionen zur Förderung des Gleichgewichts bei Menschen mit MS sollten demnach auch das Vertrauen in die eigene Fähigkeiten stärken, indem zusätzlich zu körperlichen auch psychische Hürden adressiert werden.

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