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Depression

Pilotstudie: Bessere Verträglichkeit von Retard-Ketamintabletten bei behandlungsresistenter Depression?

Original Titel:
Safety and efficacy of extended release ketamine tablets in patients with treatment-resistant depression and anxiety: open label pilot study

Kurz & fundiert

  • Kann verzögerte Absorption von Ketamin unerwünschte Effekte der Behandlung minimieren?
  • Vitalparameter, Wirkung und Pharmakokinetik von Ketamin über 96 Stunden bei behandlungsresistenter Depression
  • Gute Verträglichkeit, verzögerte Wirkung mit Retard-Tablette

 

DGP – Die vorliegende Pilotstudie untersuchte die Sicherheit, Verträglichkeit, Wirksamkeit und die Pharmakokinetik einer Retard-Ketamintablette bei Patienten mit behandlungsresistenter Depression bzw. Ängsten. Das Retard-Ketamin zeigte sich als sicher und gut verträglich. Verbesserungen der Stimmung waren dadurch allerdings leicht verzögert im Vergleich zur parenteralen Gabe von Ketamin. 


Ketamin hat neben seinen erwünschten Effekten auch Nebenwirkungen. Dazu zählen besonders Dissoziation und erhöhter Blutdruck bzw. erhöhte Herzfrequenz. Eine orale Formulierung mit verzögerter Absorption könnte diese Effekte minimieren. Die aktuelle Studie sollte daher die Sicherheit, Verträglichkeit, Wirksamkeit und die Pharmakokinetik einer Retard-Ketamintablette bei Patienten mit behandlungsresistenter Depression bzw. Ängsten ermitteln.

Kann verzögerte Absorption von Ketamin unerwünschte Effekte der Behandlung minimieren?

Die Studie wurde offen und ohne Kontrolle durchgeführt. Verschiedene, flexibel ausgewählte Dosierungen wurden im 12 Stunden-Rhythmus eingesetzt, individuell angepasst an Wirkung und Verträglichkeit. Die letzte Tablette wurde nach 72 Stunden gegeben. Teilnehmende Patienten zeigten zuvor Stimmungsverbesserungen mit subkutan gegebenem Ketamin. Effekte und Nebenwirkungen wurden unter anderem mittels Einschätzungen von Ängsten, Depression und Dissoziation erfasst. Die Pharmakokinetik wurde über Blutproben bestimmt. Aus diesen wurde auch die Konzentration des BDNF (brain-derived neurotrophic factor) als möglicher Marker für antidepressive Effekte von Ketamin ermittelt. Labortests wurden bis zu 96 Stunden nach Behandlungsbeginn durchgeführt.

Vitalparameter, Wirkung und Pharmakokinetik von Ketamin über 96 Stunden bei behandlungsresistenter Depression

Sieben Patienten erhielten als erste Dosis 60 mg und anschließend (alle 12 Stunden) 60 mg bis höchstens 240 mg Ketamin in der Retard-Tablette. Verbesserungen der Ängste und Depression traten graduell über 96 Stunden hinweg ein, mit typischem Beginn nach etwa 24 Stunden. Alle Patienten hatten eine Verbesserung ihrer Stimmungsbewertung um mindestens 50 %.

Das Retard-Ketamin zeigte sich als sicher und gut verträglich. Es gab keine Veränderungen in Vitalparametern (Blutdruck und Herzfrequenz) und nur einen kurzen, milden Fall von Dissoziation in der 180 mg-Dosierung. Ketamin könnte seine eigene Verstoffwechselung induzieren: Das Verhältnis von Norketamin zu Ketamin erhöhte sich über den Verlauf von 96 Stunden. Serumkonzentrationen von BDNF änderten sich im Lauf der Studie jedoch nicht. Peripheres BDNF scheint demnach kein nützlicher Biomarker für zentrale Konzentrationen zu sein.

Gute Verträglichkeit, verzögerte Wirkung mit Retard-Tablette

Die Sicherheit und Verträglichkeit von Ketamin könnte demnach eventuell durch eine orale Retard-Formulierung verbessert werden. Verbesserungen der Stimmung sind dadurch allerdings leicht verzögert im Vergleich zur parenteralen Gabe von Ketamin. Die Daten dieser Pilotstudien stützen die weitere Entwicklung von Retard-Ketamintabletten zum Einsatz bei behandlungsresistenter Depression oder Angststörungen.

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