Evidenzklassifikation

Unter Evidenzklassifikation (Evidenzstufen, Hierarchie der wissenschaftlichen Evidenz, levels of evidence) versteht man die hierarchische Anordnung von Studientypen entsprechend methodischer Charakteristika zur Beurteilung der Aussagekraft von Studien hinsichtlich der (internen) Validität. Bei der Angabe von „levels of evidence“ in Leitlinien geht es darum, auf transparente und verlässliche Weise die Grundlage zu dokumentieren, auf der die Empfehlungen beruhen. Dies geschieht mit verschiedenen Bewertungsstufen. Diese müssen klar definiert sein, die Anwender müssen mit den zugrundeliegenden Begriffen vertraut und das Vorgehen muss für die Leser der Empfehlungen nachvollziehbar sein. Das Verfahren der Einstufung einer Original-Publikation vollzieht sich in drei Schritten: Bestimmung der Fragestellung der Arbeit, Bestimmung des Studientyps, Festlegung des levels of evidence nach diesen beiden Kriterien sowie z. T. zusätzlichen Qualitätsmerkmalen. Bei Interventionen und therapeutischen Maßnahmen stehen systematische Reviews und randomisierte kontrollierte Studien an oberster Stelle, Expertenmeinungen an letzter Stelle der Hierarchie. Evidenzstufen erlauben allerdings keine Einschätzung der klinischen Relevanz der Studienergebnisse. Die Evidenzhierarchien der Studien, die Leitlinien-Empfehlungen zugrunde liegen, werden bei der Konsentierung von Empfehlungsstärken durch die Leitlinien-Autorengruppen berücksichtigt. Die gebräuchlichen Evidenzklassifikationen gehen letztlich auf die Canadian Task Force on the Periodic Health Examination [1] zurück. Die Differenzierung nach Fragestellungen und konkreten Kriterien für prognostische und diagnostische Studien beruht zum großen Teil auf den Arbeiten der Gruppe um David Sackett (siehe Informationen des EbM-Zentrums Oxford). Das NVL-Programm nutzt das Evidenz-Klassifizierungsverfahren des Oxford Centre for Evidence based Medicine.