Das GesundheitsPortal für innovative Arzneimittel, neue Therapien und neue Heilungschancen

TNF-Hemmer für die Behandlung von Kindern mit einer chronischen Darmentzündung – Wirksamkeit außerhalb von klinischen Studien

Original Titel:
Real-life Anti-tumor Necrosis Factor Experience in More Than 500 Patients: High Co-immunosuppression Rates But Low Rates of Quantifying Treatment Response

Durch die Entwicklung von Biologika haben sich die Behandlungsmöglichkeiten von Colitis ulcerosa und Morbus Crohn stark erweitert. Besonders die Wirkstoffe, die den Tumornekrosefaktor (TNF) hemmen, rücken immer mehr in den Fokus der Behandlungsmöglichkeiten. Für die Behandlung von Morbus Crohn sind derzeit zwei dieser TNF-Hemmer in Deutschland zugelassen, Infliximab und Adalimumab. Diese Wirkstoffe können auch für die Behandlung von Colitis ulcerosa angewandt werden. Für die Behandlung von Colitis ulcerosa steht zusätzlich ein weiterer TNF-Hemmer zur Verfügung. Es handelt sich dabei um Golimumab. Dieser Wirkstoff ist derzeit zwar noch nicht für Morbus Crohn zugelassen, konnte jedoch in einigen neueren Studien auch bei Morbus Crohn-Patienten Erfolge erzielen (Studien von Greener und Kollegen und von Martineau und Kollegen, 2017 in den medizinischen Fachzeitschriften Journal of Crohn’s & colitis bzw. Alimentary pharmacology & therapeutics veröffentlicht).

Da die TNF-Hemmer für die Behandlung der beiden chronischen Darmerkrankungen auf dem Vormarsch sind, untersuchte ein Forscherteam aus England die Anwendung, die Wirksamkeit und die Sicherheit von TNF-Hemmern bei Kindern und Jugendlichen mit einer chronischen Darmentzündung unter Alltagsbedingungen. Sie sammelten Daten von insgesamt 524 Kindern mit einer chronischen Darmentzündung, die in verschiedenen Einrichtungen in England mit TNF-Hemmern behandelt wurden. 429 von ihnen litten unter Morbus Crohn, während 76 an Colitis ulcerosa erkrankt waren. Bei 19 Kindern konnte die Art der chronischen Darmentzündung nicht eindeutig bestimmt werden. Der häufigste verwendete TNF-Hemmer war Infliximab (87 %). Die meisten Kinder (79 %), die die TNF-Therapie erhielten, wurden zusätzlich mit weiteren Wirkstoffen behandelt, die das Immunsystem zusätzlich unterdrücken. Die Hälfte der Morbus Crohn-Patienten hat 1,42 Jahre nach der Diagnose mit der Therapie mit den TNF-Hemmern begonnen. Zu Beginn der Therapie waren die Kinder meist von einer mittelschweren bis schweren Erkrankung betroffen. Etwa drei von vier Kindern mit Morbus Crohn (77 %) sprachen auf die TNF-Hemmer an. Bei 65 % der Kinder konnten die Krankheitssymptome sogar soweit reduziert werden, dass sie sich in einer Ruhephase der Erkrankung befanden. Bei 3 % der Infliximab-Infusionen traten Nebenwirkungen auf. Bei den Adalimumab-Infusionen war das bei 2 % der Fall. Es kam dabei jedoch zu keinen bösartigen Erkrankungen oder Todesfällen.

TNF-Hemmer scheinen somit effektiv und sicher bei der Behandlung von Kindern mit einer chronischen Darmentzündung zu sein. Gewöhnlich wurden sie in Kombination mit anderen Wirkstoffen, die das Immunsystem hemmen, wie Thiopurinen, verwendet. Ein Problem, das in der Studie aufgedeckt wurde, war jedoch, dass die Wirkung von TNF-Hemmern ganz unterschiedlich dokumentiert wurde und dass verschiede Methoden zur Erfassung der Krankheitsaktivität verschiedene Ergebnisse lieferten. Um die Wirkung und den Einsatz der Wirkstoffe besser untersuchen zu können, sollten die Aufzeichnungen einheitlicher sein und die Methoden zur Erfassung der Krankheitsaktivität verbessert werden. Die Therapie könnte so besser individuell auf den Patienten angepasst werden.

© Alle Rechte: DeutschesGesundheitsPortal.de