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Brustkrebs

Durch neoadjuvante Therapien kann bei Brustkrebspatientinnen häufiger brusterhaltend operiert werden, aber das Risiko für ein Wiederkehren des Tumors im Brustgewebe steigt

Original Titel:
Long-term outcomes for neoadjuvant versus adjuvant chemotherapy in early breast cancer: meta-analysis of individual patient data from ten randomised trials

Eine höhere Chance auf eine brusterhaltende Therapie, bei aber erhöhtem Risiko für ein lokales Wiederkehren des Tumors – so lautet die Bilanz der folgenden Studie, in der neoadjuvante Therapien bei Brustkrebspatientinnen im Vergleich zu adjuvanten Therapien betrachtet wurden.


Neoadjuvante Chemotherapie bezeichnet eine Form der Chemotherapie, die vor der operativen Tumorentfernung vorgenommen wird. Die adjuvante Chemotherapie kennzeichnet im Gegensatz dazu eine Chemotherapie, die Patienten erst nach der Operation erhalten. Das ursprüngliche Ziel von neoadjuvanter Chemotherapie bei Brustkrebs lag darin, fortgeschrittene, nicht operierbare Tumoren stark zu verkleinern und diese dadurch operabel zu machen. Im Laufe der Zeit wurde die neoadjuvante Therapie aber auch immer mehr bei Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium eingesetzt, um häufiger brusterhaltende Operationen zu ermöglichen.

Ein großes Forscherteam untersuchte nun intensiv, welche langfristigen Folgen eine neoadjuvante im Vergleich zu einer adjuvanten Chemotherapie bei Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium hat. Die Forscher konnten für ihre Analyse auf Daten von 10 Studien mit insgesamt 4756 Brustkrebspatientinnen zurückgreifen, die zwischen den Jahren 1983 und 2002 in die Studie aufgenommen wurden und für ca. 9 Jahre nachbeobachtet wurden.

Mehr brusterhaltende Operationen nach neoadjuvanter Behandlung

81 % der Patientinnen erhielten eine Chemotherapie mit einem Wirkstoff aus der Gruppe der Anthrazykline, also Substanzen, die das Wachstum von Krebszellen hemmen. Bei mehr als 2/3 der Frauen (69 %), die die neoadjuvante Chemotherapie erhalten hatten, konnte ein teilweises oder vollständiges klinisches Ansprechen beobachtet werden. Mit klinischem Ansprechen ist gemeint, wie gut eine Person auf die Chemotherapie anspricht. Frauen, die eine neoadjuvante Chemotherapie verabreicht bekamen, konnten mit 65 % häufiger brusterhaltend operiert werden als Frauen mit adjuvanter Chemotherapie, bei denen dies bei 49 % der Fall war. Allerdings lag bei den Frauen mit neoadjuvanter Chemotherapie die 15-Jahres-Rate für ein lokales Wiederkehren des Tumors bei 21,4 % (lokal = örtlich, sprich hier also ein Tumor in der Brust) und damit häufiger als bei den Frauen mit adjuvanter Chemotherapie, bei der die entsprechende 15-Jahres-Rate bei 15,9 % lag. Keine Unterschiede konnten hinsichtlich des Auftretens von Fernmetastasen (= Tumorabsiedlungen in Geweben außerhalb der Brust), der Sterblichkeit aufgrund von Brustkrebs oder der allgemeinen Sterblichkeit gesehen werden.

Diese Studienergebnisse verdeutlichen, dass die Anwendung von neoadjuvanter Chemotherapie bei Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium dazu verhalf, dass die Frauen häufiger brusterhaltend operiert werden konnten. Allerdings war auch die 15-Jahres-Rate für ein lokales Wiederkehren der Krebserkrankung größer als nach adjuvanter Chemotherapie. Die Studienautoren empfehlen deshalb, Strategien zu entwickeln, um das lokale Wiederkehren der Tumoren zu senken. Dies könnten z. B. eine sorgfältige Analyse, wo sich der Tumor befindet, sehr genaue Untersuchungen des Tumors und Strahlentherapie des genau lokalisierten Tumorgebietes sein.

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