Gentests könnten Brustkrebspatientinnen eine Chemotherapie ersparen

Original Titel:
Adjuvant Chemotherapy Guided by a 21-Gene Expression Assay in Breast Cancer

Der Gentest Oncotype DX eignet sich bei Frauen mit hormonabhängigem, HER2-negativem Brustkrebs ohne Lymphknotenbefall zur Einschätzung des Rückfallrisikos. Ergibt der Test Werte von unter 10, kann eine Chemotherapie unter Umständen weggelassen werden. Wissenschaftler untersuchten nun, wie sich das Überleben von Patientinnen mit Testergebnissen im mittleren Bereich von 11 bis 25 unterschied, die entweder eine Antihormontherapie oder eine Antihormontherapie plus Chemotherapie erhalten hatten. Dabei konnten keine Unterschiede beim krankheitsfreien Überleben und Gesamtüberleben zwischen den beiden Gruppen festgestellt werden – die Chemotherapie könnte bei diesen Patientinnen gegebenenfalls weggelassen werden, ohne einen nachteilige Effekt auf das Überleben zu haben. Zu beachten ist: Unterauswertungen zeigten, dass dies nicht für Frauen unter 50 Jahren mit Testergebnissen zwischen 16 und 25 galt.


Mithilfe von Gentests ist es möglich, das Risiko für die Rückkehr einer Brustkrebserkrankung einzuschätzen. Die Testergebnisse können herangezogen werden, um zu entscheiden, ob eine Brustkrebspatientin eine Chemotherapie erhalten sollte oder nicht. In den deutschen Leitlinien zur Behandlung von Brustkrebs werden solche Gentests aber nur mit Einschränkungen empfohlen, da die Studienlage zu diesen Tests und die Nachbeobachtung der Patientinnen in den bisherigen Studien noch nicht ausreichend sind.

Mithilfe von Gentest „Oncotype DX kann das Rückfallrisiko anhand von 21 Tumor-Genen eingeschätzt werden

Der in den USA entwickelte Gentest „Oncotype DX“ wurde nun in einer wissenschaftlichen Studie erneut untersucht. Dieser Test berechnet das Rückfall-Risiko für Brustkrebs anhand der Aktivität von 21 Tumor-Genen – die Bewertungsskala reicht von 0 bis 100. Bei einem Wert von unter 10 wird keine zusätzliche Chemotherapie empfohlen, bei einem Wert von über 25 hingegen schon. Unklar war bislang, was Patientinnen bei Werten im mittleren Bereich von 11 bis 25 Punkten empfohlen werden sollte. Diese Lücke versuchten Wissenschaftler nun mit ihrer Studie zu füllen.

Studie untersuchte Überleben bei Brustkrebspatientinnen mit mittleren Werten im Gentest

In die Studie der Wissenschaftler waren 9719 Frauen mit hormonabhängigem Brustkrebs eingeschlossen, der sich nicht auf die Lymphknoten ausgebreitet hatte. Die Frauen wiesen keine Andockstellen für einen bestimmten Wachstumsfaktor auf ihren Krebszellen auf und waren damit HER2-negativ (HER2 steht für engl. human epidermal growth factor receptor 2). Bei 69 % der 9719 Frauen konnte ein Rückfallrisiko im mittleren Bereich von 11 bis 25 durch den Gentest Oncotype DX festgestellt werden. Die 6711 Frauen mit diesen mittleren Testwerten erhielten im Rahmen der Studie dann entweder eine alleinige Antihormontherapie oder aber Antihormontherapie kombiniert mit Chemotherapie. Die Wissenschaftler interessierte es, zu sehen, ob sich das krankheitsfreie Überleben und das Gesamtüberleben bei den Frauen aus den beiden Gruppen unterschied.

Keine Unterschiede im Überleben bei alleiniger Antihormontherapie oder Antihormontherapie mit Chemotherapie

Nach 9 Jahren konnten keine Unterschiede zwischen den Frauen aus beiden Gruppen festgestellt werden. Das krankheitsfreie Überleben (hier in dieser Studie umfasste dies, dass es keine Rückkehr der Krebskrankheit gab, keine weiteren Krebskrankheiten auftraten und die Patientinnen nicht verstarben) betrug in der Gruppe mit alleiniger Antihormontherapie 83,3 % und in der Gruppe mit Antihormontherapie plus Chemotherapie 84,3 %. Auch die Ergebnisse zum Überleben ohne Rückkehr der Krankheit in entfernten Körperregionen (94,5 % bei Antihormontherapie und 95,0 % bei Antihormontherapie + Chemotherapie) und ohne Rückkehr der Krankheit in der Brust oder in entfernten Körperregionen zusammengenommen (92,2 % bei Antihormontherapie und 92,9 % bei Antihormontherapie + Chemotherapie) waren zwischen den Gruppen ähnlich. Gleiches galt für das Gesamtüberleben: auch hier konnten mit 93,9 % in der Gruppe mit alleiniger Antihormontherapie und 93,8 % in der Gruppe mit Antihormontherapie plus Chemotherapie keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen festgestellt werden.

Frauen unter 50 Jahren mit Werten im Test zwischen 16 und 25 profitierten von Chemotherapie

Unterauswertungen konnten aber eine Ausnahme von diesen Ergebnissen aufzeigen: Frauen, die 50 Jahre oder jünger waren und dessen Werte beim Gentest zwischen 16 und 25 lagen, konnten gemäß den Auswertungen der Wissenschaftler Vorteile durch eine Chemotherapie erfahren. Auf eine Chemotherapie zu verzichten wäre für diese Frauen damit keine empfehlenswerte Option.

Frauen mit hormonabhängigem, HER2-negativem Brustkrebs, der nicht die Lymphknoten befallen hatte, konnten gemäß diesen Studienergebnissen gleichermaßen von Antihormontherapie und Antihormontherapie plus Chemotherapie profitieren, wenn ihre Ergebnisse in einem Gentest zur Einschätzung des Rückfallrisikos im mittleren Bereich (zwischen 11 und 25) lagen. Ein Weglassen der Chemotherapie wäre für diese Frauen damit denkbar. Vorteile einer Antihormontherapie plus Chemotherapie gegenüber einer alleinigen Antihormontherapie konnten aber bei Frauen unter 50 Jahren oder jünger gesehen werden, deren Testwerte zwischen 16 und 25 lagen.

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Referenzen:

Joseph A. Sparano, M.D., Robert J. Gray, Ph.D., Della F. Makower, M.D., Kathleen I. Pritchard, M.D., Kathy S. Albain, M.D., Daniel F. Hayes,M.D. et al. Adjuvant Chemotherapy Guided by a 21-Gene Expression Assay in Breast Cancer. NEJM, June 3, 2018. DOI: 10.1056/NEJMoa1804710