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Leukämie

Ungesunde Herstellung von Faser-Kunststoff-Verbund: Styrol in der chemischen Industrie könnte langfristig das Leukämierisiko von Arbeitern erhöhen

Original Titel:
Styrene Exposure and Risk of Lymphohematopoietic Malignancies in 73,036 Reinforced Plastics Workers

Die Arbeit mit Faser-Kunststoff-Materialien erhöhte in der untersuchten Arbeitergruppe das spätere Risiko, an einer akuten myeloischen Leukämie zu erkranken. Dies war vor allem dann messbar, wenn Arbeiter dem Styrol in höheren Konzentrationen ausgesetzt waren. Bis zum Auftreten der Krankheit konnten dabei mehr als 15 Jahre vergehen. Allerdings ist die AML glücklicherweise eine seltene Erkrankung mit etwa 3 Neuerkrankungen pro 100000 Menschen im Jahr. Auch bei einer Verdopplung des Risikos ist das Risiko für jeden Menschen also immer noch gering – trotzdem sollte ein Arbeitsumfeld mit möglicherweise erhöhten Styrolmengen stärker auf diese Seite der Arbeitssicherheit überprüft werden, um das Risiko zu minimieren.


Styrol ist eine wichtige industrielle chemische Substanz. Die allgemeine Bevölkerung ist dieser Substanz nur in geringen Mengen ausgesetzt. Höhere Mengen könnten aber das Risiko für eine Leukämie- oder Lymphomerkrankung erhöhen, wie frühere Studien fanden. Solchen erhöhten Mengen von Styrol sind vor allem Arbeiter ausgesetzt, die häufig mit verstärkten Plastikmaterialien in Kontakt sind. Solche Materialien nennt man auch Faser-Kunststoff-Verbund: Plastik wird durch den Einsatz von typischerweise Glasfasern oder Kohlenfasern stabiler gemacht. Dieses sehr robuste Material kommt beispielsweise in der Raumfahrt, Auto- oder Schiffindustrie oder sonstigen Konstruktionsindustrie zum Einsatz. Problematisch ist aber die Herstellung des Materials: dabei werden Arbeiter eher höheren Mengen von Styrol ausgesetzt. Unter Leitung des Arbeitsmediziners Prof. Kolstad führte nun ein dänisches Forscherteam hierzu eine Untersuchung durch.

Wie hoch ist die Häufung von Leukämiefällen bei Arbeitern mit Styrol-Kontakt?

Die Wissenschaftler analysierten die medizinischen Daten von 73036 Arbeitern in 456 kleinen oder mittelständischen Betrieben der dänischen Faser-Kunststoff-Verbund-Industrie. Aus den Jahren 1968 bis 2011 ermittelten sie die Menge an Styrol, mit denen die Arbeiter in Kontakt kamen. Die Gesamtmenge wurde schließlich mit der Häufigkeit von Lymphkrebserkrankungen verglichen. Die Styrolmenge wurde aus verschiedenen Informationen wie Umfragen, beruflichem Werdegang und früheren Messungen der tatsächlichen Styrolmengen berechnet. Die Information über Lymphkrebserkrankungen wurden aus dem nationalen Krebsregister und Patientendatenbanken gewonnen.

Vergleich gemessener und geschätzter Styrolmengen und tatsächlicher Krankheitsfälle

Die Wissenschaftler identifizierten 665 Krankheitsfälle mit insgesamt 21 unterschiedlichen Lymphkrebs-Erkrankungen, die jeweils mindestens 20 Patienten betrafen. Erste Analysen deuteten darauf, dass die Risikofaktoren höheres Alter, Geschlecht und eine in einzelnen Jahren generell erhöhte Krankheitsrate besonders zu einer akuten myeloischen Leukämie (AML), einem Hodgkin-Lymphom und T-Zell-Lymphomen beitrugen. Diese Krankheiten wurden dabei häufiger bei den Menschen gefunden, die über die Jahre höheren Styrolmengen ausgesetzt worden waren. War aber nun die Styrolmenge über viele Jahre hinweg kritisch, oder eher der kürzliche Kontakt mit der Substanz?

Die Gesamtmenge an Styrol über viele Jahre hatte einen Einfluss auf das Krebsrisiko

Das Risiko für eine akute myeloische Leukämie war doppelt so hoch, wenn Arbeiter über die Jahre mit großen Mengen an Styrol in Kontakt gewesen waren als wenn sie nur niedrigen Mengen ausgesetzt waren. Dazu wurde ein weit zurückliegender Zeitraum von 15 bis 29 Jahren betrachtet. Weniger weit zurückliegend schien der Kontakt mit erhöhten Styrolmengen das Risiko aber kaum zu erhöhen. Bei anderen Krebsarten wie dem Hodgkin-Lymphom und dem T-Zell-Lymphom waren die Ergebnisse insgesamt nicht eindeutig.

AML-Risiko erhöht bei früher langjährig hohem Styrolkontakt

Die Arbeit mit Faser-Kunststoff-Materialien erhöhte also das spätere Risiko, an einer akuten myeloischen Leukämie zu erkranken, wenn Arbeiter dabei Styrol in höheren Konzentrationen ausgesetzt waren. Bis zum Auftreten der Krankheit konnte es dabei mehr als 15 Jahre dauern. Allerdings ist die AML glücklicherweise eine seltene Erkrankung mit etwa 3 Neuerkrankungen pro 100000 Menschen im Jahr. Auch bei einer Verdopplung des Risikos ist das Risiko für jeden Menschen also immer noch gering – trotzdem sollte ein Arbeitsumfeld mit möglicherweise erhöhten Styrolmengen stärker auf diese Seite der Arbeitssicherheit überprüft werden, um das Risiko zu minimieren.

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