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Erste vergleichende Übersichtsanalyse zur Wirksamkeit der elektrischen Nervenstimulation TENS: vielversprechende Ergänzung mit unsicheren Daten

Original Titel:
Effectiveness of transcutaneous electrical nerve stimulation for the treatment of migraine: a meta-analysis of randomized controlled trials.

DGP – Diese Übersichtsanalyse fand, dass die elektrische Nervenstimulation TENS für Migränepatienten gut verträglich und wirksam schien – vielversprechende Ergebnisse also. Die Wissenschaftler schrieben allerdings, dass die Studienqualität bisher zu wünschen übrig ließ. Sie fanden nur eine geringe Evidenzqualität, also nicht sehr vertrauenswürdige Ergebnisse. Zukünftige Studien mit besserer Untersuchungsmethodik sind also nötig, um klare Aussagen zur Wirkung von TENS bei Migräne machen zu können.


Alternative und ergänzende Methoden sind von großer Bedeutung bei der Migränebehandlung. Häufig versprechen sie, geringere Nebenwirkungen oder bessere Verträglichkeit zu haben als klassische Medikationen. Sie können aber oft auch zusätzlich, eben ergänzend, zu Medikamenten genutzt werden. Eine solche Methode ist eine nichtinvasive Neurostimulation, also die Anregung von Nerven von außen, also durch die Haut hindurch (transkutan). Diese Anregung kann beispielsweise mit Strom erfolgen. Dies nennt man dann transkutane elektrische Nervenstimulation, kurz TENS. Die TENS-Methode wurde inzwischen häufiger sowohl als akute als auch als vorbeugende Behandlung von Migräne eingesetzt. Unter Leitung des Neurologen Prof. Wan von dem First Affiliated Hospital of Nanjing Medical University in China ermittelten Forscher nun in einer vergleichenden Übersichtsstudie (einer sogenannte Meta-Analyse), wie wirksam und sicher TENS zur Behandlung von Migräne ist.

TENS: Elektrische Anregung der Nerven gegen Migräne

Dazu durchsuchten sie die medizinwissenschaftlichen Datenbanken Medline, Embase, Cochrane Library und das Zentralregister von Cochrane für kontrollierte Studien nach randomisierten, kontrollierten Untersuchungen mit TENS. In diesen Untersuchungen wurde die Wirkung der elektrischen Nervenstimulation mit einer Scheinbehandlung verglichen, die für den Patienten nicht unterscheidbar von der echten TENS-Methode ist. Dies wird dann shamTENS genannt, vom englischen Begriff sham für Betrug oder Vortäuschung. Die Wissenschaftler analysierten die Daten solcher Studien und erfassten auch, wie methodisch gut die Studien durchgeführt worden waren. Als Messergebnisse für einen Behandlungserfolg analysierten die Forscher die monatliche Zahl der Kopfschmerztage, die Zahl der Responder (also der Patienten, bei denen die Behandlung half), die Menge der eingenommenen Schmerzmittel, eventuelle Nebenwirkungen oder unerwünschten Effekte der Behandlung und wie zufrieden die Patienten mit der Behandlung waren.

Wenige Studien mit großen Unterschieden in der Methode

Vier Studien konnten in einer genaueren Datenanalyse genutzt werden. Insgesamt waren in diesen Untersuchungen 161 Migränepatienten mit TENS behandelt worden und 115 Patienten mit der Scheinbehandlung shamTENS. Die Patienten litten alle unter episodischer Migräne mit mindestens zwei Migräneanfällen pro Monat. Typischerweise erfolgten die Stimulationen im Schläfenbereich, oberhalb der Augen. Dabei zielten die jeweiligen Untersuchungen auf verschiedene Nerven (Vagusnerv, Trigeminusnerv und Okzipitalnerven) ab. Die Behandlungen wurden über einen bis acht Monate hinweg durchgeführt, mit täglichen oder 5-mal wöchentlichen Behandlungseinheiten. Auch die Dauer der jeweiligen Stimulation und die eingesetzte Stromstärke und Frequenz unterschied sich zwischen den Studien.

Vergleich von TENS und shamTENS (Scheinbehandlung): weniger Kopfschmerztage?

Die TENS-Behandlung zeigte trotz der Unterschiede Wirkung. Die Migränepatienten litten nach der echten Behandlung im Mittel einen halben Tag weniger unter Kopfschmerzen im Monat als die scheinbehandelten Patienten. Auch die Zahl eingenommener Schmerzmittel im Monat sank leicht, wurde allerdings nur in zwei der vier Studien ermittelt. Ein Effekt zeigte sich auch in der Zahl der Responder: etwa viermal mehr Patienten konnten mit TENS eine messbare Verbesserung ihrer Migräne erleben als mit der shamTENS-Methode (Responderrate 4,05). Fast doppelt so viele Patienten waren mit der echten Behandlung zufriedener als mit der Scheinbehandlung – der Unterschied war also messbar und spürbar.

Weniger Kopfschmerztage und Schmerzmittel, mehr Zufriedenheit mit TENS

Diese Übersichtsanalyse fand also, dass die elektrische Nervenstimulation TENS für Migränepatienten gut verträglich und wirksam schien – vielversprechende Ergebnisse also. Die Wissenschaftler schrieben allerdings, dass die Studienqualität bisher zu wünschen übrig ließ. Sie fanden nur eine geringe Evidenzqualität, also nicht sehr vertrauenswürdige Ergebnisse,. Zukünftige Studien mit besserer Untersuchungsmethodik sind also nötig, um klare Aussagen zur Wirkung von TENS bei Migräne machen zu können.

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