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Alemtuzumab kann dauerhaft über Jahre Abhilfe bei schubförmiger Multipler Sklerose bringen – auch ohne durchgehende Behandlung

Original Titel:
CARE-MS I and CAMMS03409 Investigators. Alemtuzumab CARE-MS I 5-year follow-up: Durable efficacy in the absence of continuous MS therapy.

DGPWirkt Alemtuzumab längerfristig – auch wenn die Behandlung nicht durchgehend fortgeführt wird? Dieser Frage ist ein internationales Forscherteam um Dr. Havrdova von der Karls-Universität in Prag nachgegangen in einer Erweiterung der klinischen Studie CARE-MS I. Viele Patienten, die teilnahmen, profitierten fünf Jahre lang von der Behandlung.


Eine klassische Basistherapie von Multiple Sklerose, Beta-Interferon, ist ein natürlich im Körper vorkommender Botenstoff, der unter anderem modulierend auf das Abwehrsystem einwirken kann. Ein alternativer Ansatz zur MS-Behandlung ist die Senkung der an den Angriffen auf die Nervenzellen beteiligten Immunzellen. Die weißen Blutkörperchen des Immunsystems besitzen spezielle Oberflächenmerkmale, die Antigene. Eines dieser Antigene, CD52, wird vom Antikörper Alemtuzumab erkannt, gebunden und damit für die Körperabwehr zum Abbau kenntlich gemacht. Die Behandlung mit Alemtuzumab kann also die Abwehr schwächen und damit deren Angriff auf das eigene Nervensystem eindämmen.

Alemtuzumab unterdrückte MS-Schübe langfristig besser als Interferon in CARE-MS-I-Studie

In der klinische Studie CARE-MS I wurde die Wirksamkeit der Behandlung schubförmiger Multipler Sklerose mit Alemtuzumab untersucht und demonstriert, dass dieses neue Medikament im Vergleich mit Beta-Interferon-1a die Häufigkeit der MS-Schübe auch längerfristig besser kontrollieren konnte. In diesem Fall erhielten die Patienten eine Reihe von Behandlungen zu Beginn der Studie und nach 12 Monaten. Eine internationale Forschergruppe um Dr. Havrdova von der Karls-Universität in Prag (2017) untersuchte nun in einer klinischen Studienerweiterung die Wirksamkeit von Alemtuzumab auf die Häufigkeit von Krankheitsschüben bei Patienten, die das Medikament über 5 Jahre hinweg nicht mehr regelmäßig, sondern nur noch nach Bedarf erhalten hatten.

Erweiterung der ursprünglichen Studie sollte längerfristige Daten liefern

Dazu wurden Patienten untersucht, die zu Beginn der ursprünglichen Studie und nach einem Jahr mit Alemtuzumab behandelt worden waren. In der Studienerweiterung erhielten sie weitere Behandlungen mit Alemtuzumab, wenn entweder ein Rückfall erfolgte oder bildgebende Verfahren (Magnetresonanztomographie) eine erhöhte Krankheitsaktivität anzeigten. Mehrere Faktoren wurden regelmäßig getestet, um den Gesundheitszustand der Patienten einschätzen zu können: die jährliche Rückfallquote der Patienten, eine eventuelle Verschlechterung oder Verbesserung der Erkrankung je über einen Zeitraum von 6 Monaten, ein Anstieg oder Sinken des krankheitsbedingten Behinderungsgrad (Expanded Disability Status Scale, EDSS), fehlende Anzeichen von Krankheitsaktivität (no evidence of disease activity, NEDA), Gehirnmassenverlust (brain volume loss, BVL) sowie unerwünschte Nebenwirkungen.

Viele Patienten brauchten gar keine weitere Gabe Alemtuzumab, mehr als die Hälfte erreichte einen Krankheitsstillstand im Jahr 5

Die meisten der mit Alemtuzumab behandelten Patienten wollten nach Durchführung der ursprünglichen CARE-MS I-Studie auch an der Studienerweiterung teilnehmen. Von den ursprünglich 349 Teilnehmern blieben 96% bis zum Ende von Jahr 5 in der Studie. 68,5 % dieser Patienten erhielten währen der Fortführung der Studie keine zusätzliche Gabe von Alemtuzumab. Die jährliche Rückfallrate blieb in den Jahren 3 – 5 niedrig (0,19, 0,14, 0,15). Mit der Behandlung erlitten also nur wenige der Patienten erneute Krankheitsschübe. Über die Jahre 0 – 5 hinweg zeigten 79,7 % der Patienten keine Verschlechterungen über Zeiträume von jeweils sechs Monaten, jedoch erreichten immerhin 33,4 % eine Verbesserung über sechs Monate hinweg. Die meisten Patienten erreichten einen Stillstand der Krankheit (NEDA in Jahr 3: 61,7 %, in Jahr 4: 60,2 % und Jahr 5: 62,4 % der Patienten). Im Mittel verbesserte sich der BVL-Wert, der den Gehirnvolumenverlust anzeigt, über die Jahre 2 – 4 und blieb niedrig in Jahr 5 (Jahre 1–5: -0,59 %, -0,25 %, -0,19 %, -0,15 %, and -0,20 %). Die Häufigkeit unerwünschter Nebenwirkungen ging im Vergleich zur ursprünglichen Studie zurück, lediglich Schilddrüsenprobleme waren am häufigsten im dritten Jahr zu finden, wurden anschließend aber auch seltener.

Anscheinend dauerhafte Wirkung auch ohne durchgehende Behandlung

Diese Daten deuten damit darauf hin, dass Alemtuzumab sogar über 5 Jahre hinweg dauerhaft wirksam bei schubförmiger Multipler Sklerose helfen kann. Dies galt sogar, wenn während dieser Zeit keine durchgehende Behandlung mit dem Mittel erfolgte. Die Studie bietet weiter Anzeichen dafür, dass Alemtuzumab die Schädigungen des Nervensystems, wie sie mit dem Gehirnvolumenverlust messbar sind, verlangsamen kann, und stellt damit insgesamt ein vielversprechendes aktuelles Medikament für Multiple Sklerose dar.

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