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Brustkrebs

Brustkrebs lässt sich mit Medikamenten verhindern, aber nicht ohne Nebenwirkungen

Original Titel:
Risk-reducing medications for primary breast cancer: a network meta-analysis

DGPErgebnisse dieser Analyse zeigen, dass selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren und Aromatase-Inhibitoren Frauen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko vor Brustkrebs schützen können. Die Anwendung dieser Medikamente war allerdings auch mit teils schweren Nebenwirkungen verbunden.


Brustkrebs ist weltweit die häufigste Krebserkrankung der Frau und die zweithäufigste Krebstodesursache. Medikamente, die vor Brustkrebs schützen, werden deshalb intensiv erforscht. Bislang gibt es zwei Gruppen von Medikamenten, die zum Schutz vor Brustkrebs vielversprechend sind: die sogenannten selektiven Östrogenrezeptor-Modulatoren (SERM; Beispiele sind Tamoxifen und Raloxifen) und die Aromatase-Inhibitoren (AI; Beispiele sind Exemestan und Anastrozol).

Wie gut schützen diese Medikamente die Frauen tatsächlich? Dieser wichtigen Frage widmete sich nun ein Wissenschaftlerteam aus Italien. Sie untersuchten Frauen, die noch nicht an Brustkrebs erkrankt waren, aber ein über dem Durchschnitt liegendes Risiko dafür aufwiesen. Die Wissenschaftler bewerteten, ob SERM und AI die Frauen vor Brustkrebs schützten und wie sicher die Medikamente waren.

Analyse von etwas mehr als 50 000 Frauen, die noch keine Brustkrebserkrankung hatten, aber ein höheres Risiko dafür aufwiesen

Für ihre Analyse griffen die Wissenschaftler auf die Ergebnisse von 6 Studien mit 50 927 Frauen zurück. Die Frauen wurden in den Studien entweder mit einem SERM oder AI oder aber einem Scheinmedikament (Placebo) behandelt. In 3 Studien wurde Tamoxifen mit einem Placebo verglichen (23 013 Frauen), in 2 Studien ein AI (Exemestan oder Anastrozol; 8424 Frauen) mit einem Placebo und in einer Studie Tamoxifen mit Raloxifen (beides SERM; 19 490 Frauen).

Tamoxifen minderte das Brustkrebsrisiko der Frauen, führte aber auch zu schweren Nebenwirkungen

Die Ergebnisse zeigten folgendes: Tamoxifen minderte im Vergleich zu dem Placebo das Brustkrebsrisiko um 32 %. Allerdings litten die Anwenderinnen von Tamoxifen auch deutlich häufiger unter schweren Nebenwirkungen. Zu diesen schweren Nebenwirkungen zählten Gebärmutterschleimhautkrebs und Thromboembolien (Verstopfung eines Gefäßes durch ein Blutgerinnsel).

Frauen, die AIs einnahmen, erkrankten seltener an Brustkrebs, hatten aber häufiger mit Nebenwirkungen zu kämpfen

Auch die Frauen, die AIs einnahmen, erkrankten in der Folge seltener an Brustkrebs (um 53 % vermindertes Risiko). Aber auch die Behandlung mit AIs erhöhte das Risiko für Nebenwirkungen im Vergleich zu dem Placebo. Die Frauen litten häufiger unter hormonell bedingten Nebenwirkungen wie Hitzewallungen, Nebenwirkungen des Magen-Darm-Trakts (wie Durchfall) und Schmerzen an Gelenken und Muskeln. Das Risiko der Frauen für Gebärmutterschleimhautkrebs und Thromboembolien war allerdings nicht erhöht.

Tamoxifen schützte besser vor Brustkrebs, allerdings zu Lasten von vermehrten Nebenwirkungen

Bei dem Vergleich der beiden SERM Tamoxifen und Raloxifen schnitt Raloxifen schlechter ab, was die Reduktion des Brustkrebsrisikos anging. Allerdings war Raloxifen auch mit weniger Nebenwirkungen verbunden, vor allem in Bezug auf Gebärmutterschleimhautkrebs und Thromboembolien.

Tendenz hin zu einer besseren Wirksamkeit von AIs im Vergleich zu Tamoxifen

Mithilfe von einem indirekten Vergleich der Behandlungseffekte verglichen die Wissenschaftler die Wirksamkeit von Tamoxifen mit den AIs. Dabei zeigte sich, dass die AIs etwas besser abschnitten, was die Reduktion des Brustkrebsrisikos der Frauen anging. Allerdings betonen die Wissenschaftler, dass die Verlässlichkeit dieser Aussage gering ist und weitere Studienergebnisse gebraucht werden, um diesen Zusammenhang besser einschätzen zu können.

Schlussfolgernd zeigte diese Studie, dass SERM und AI das Brustkrebsrisiko von Frauen, die ein überdurchschnittlich hohes Brustkrebsrisiko aufweisen, reduzieren können. Allerdings war die Anwendung dieser Medikamente auch mit Nebenwirkungen, die zum Teil schwer ausfielen, verbunden. Während die SERM das Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs und Thromboembolien erhöhten, taten AIs dies nicht. Allerdings muss einschränkend darauf hingewiesen, dass eine langfristige Einschätzung des Nebenwirkungsrisikos nur für Tamoxifen, nicht aber für die AIs, möglich war. Es werden somit weitere Daten benötigt, um Risiken und Nutzen dieser Medikamente besser abwägen zu können. Weitere Forschung muss zudem erst noch zeigen, welche Medikamentengruppe (SERM oder AIs) sich besser zum Schutz von Frauen vor Brustkrebs eignet.

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