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KHK / Herzinfarkt

Stressbedingte Störungen erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Original Titel:
Stress related disorders and risk of cardiovascular disease: population based, sibling controlled cohort study

DGP – Patienten, die mit einer stressbedingten Störung konfrontiert waren, hatten ein größeres Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erkranken, als ihre Geschwister oder Vergleichspersonen aus der Allgemeinbevölkerung, die nicht von einer solchen Störung betroffen waren. Zu diesem Ergebnis kam die vorliegende, groß angelegte Studie. Dabei fiel auf, dass das Risiko für die Betroffenen vor allem im ersten Jahr nach der Diagnose erhöht war.


Stress schadet der Gesundheit, das ist allseits bekannt. Wissenschaftler aus Schweden, Island und den USA wollten nun genau wissen, wie sich stressbedingte Störungen auf das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erkranken, auswirkten. Zu diesem Zweck führten sie eine groß angelegte Studie durch.

Patienten mit stressbedingten Störungen wurden mit ihren Geschwistern und mit Vergleichspersonen aus der Allgemeinbevölkerung ohne solche Störungen verglichen

Die Wissenschaftler sammelten Daten von 136 637 schwedischen Patienten, die zwischen 1987 und 2013 mit einer stressbedingten Störung konfrontiert waren. Zu diesen stressbedingten Störungen zählten posttraumatische Belastungsstörungen, akute Stressreaktionen, Anpassungsstörungen und andere Stressreaktionen. Zum Vergleich zogen die Wissenschaftler die Daten von 171 314 Geschwistern der Patienten heran. Die Geschwister waren nicht von den genannten stressbedingten Störungen betroffen. Eine weitere Vergleichsgruppe bildeten 1 366 370 Personen aus der Allgemeinbevölkerung, die in möglichst vielen Eigenschaften mit den Patienten übereinstimmten, jedoch – genauso wie die Geschwister – nicht an einer stressbedingten Störung litten. Die Studienteilnehmer wurden bis zu 27 Jahre lang begleitet. Die Wissenschaftler untersuchten, wie häufig in den verschiedenen Gruppen erstmalig Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftraten. Dabei interessierten sie sich sowohl für Herz-Kreislauf-Erkrankungen allgemein als auch für spezielle Erkrankungen wie z. B. Herzschwäche, Bluthochdruck oder die koronare Herzkrankheit (KHK). Die Wissenschaftler untersuchten, ob Patienten mit stressbedingten Störungen häufiger an derartigen Erkrankungen erkrankten als ihre Geschwister oder andere Personen ohne solche Störungen.

Patienten mit stressbedingten Störungen hatten ein größeres Herz-Kreislauf-Risiko als ihre Geschwister ohne stressbedingte Störungen

Wurden die Patienten mit ihren Geschwistern verglichen, fiel auf, dass die Patienten in dem ersten Jahr nach der Diagnose der stressbedingten Störung ein höheres Risiko hatten, an irgendeiner Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erkranken als ihre Geschwister (1,64-mal so hohes Risiko). Besonders deutlich war das erhöhte Risiko im Hinblick auf Herzschwäche. Dieses war bei den Patienten nämlich innerhalb des ersten Jahres nach ihrer Diagnose beinahe 7-mal so hoch wie für ihre Geschwister. Interessanterweise sank das erhöhte Risiko nach einem Jahr nach der Diagnose der stressbedingten Störung. Berechnungen zufolge hatten die Patienten ab einem Jahr nach der Diagnose ein nur noch 1,29-mal so hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie ihre Geschwister. Auffällig war, dass die stressbedingten Störungen das Risiko für eine früh auftretende Herz-Kreislauf-Erkrankung (im Alter von unter 50 Jahren) stärker erhöhten als für eine späte auftretende Herz-Kreislauf-Erkrankung (im Alter von mindestens 50 Jahren).

Das erhöhte Risiko der Betroffenen wurde auch beim Vergleich mit Personen aus der Allgemeinbevölkerung deutlich

Der Vergleich mit den Vergleichspersonen aus der Allgemeinbevölkerung brachte ähnliche Ergebnisse. Patienten mit stressbedingten Störungen hatten innerhalb des ersten Jahres nach der Diagnose ein 1,71-mal so großes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen allgemein wie die Vergleichspersonen, die von einer stressbedingten Störung verschont geblieben sind. Auch hier wurde deutlich, dass das erhöhte Risiko ab einem Jahr nach der Diagnose sank. Ab einem Jahr nach der Diagnose hatten die Patienten ein 1,36-mal so hohes Risiko, an irgendeiner Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erkranken, wie die Vergleichspersonen.

Stressbedingte Störungen wie posttraumatische Belastungsstörungen oder Anpassungsstörungen erhöhten somit das Risiko für diverse Herz-Kreislauf-Erkrankungen – vor allem in dem ersten Jahr nach der Diagnose. Dieses erhöhte Risiko war unabhängig vom familiären Hintergrund, was der Vergleich zwischen den Geschwistern verdeutlichte.

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