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Prostatakrebs

Krebstherapie: Vorsicht bei alternativen Behandlungsmethoden

Original Titel:
Complementary Medicine, Refusal of Conventional Cancer Therapy, and Survival Among Patients With Curable Cancers

DGP – Manche Krebspatienten setzen auf alternative Behandlungsmethoden. Häufig hat dies zur Folge, dass die Patienten die konventionelle Krebstherapie verweigern, was fatale Folgen haben kann. In der vorliegenden Studie stellten Wissenschaftler fest, dass Patienten, die sich alternativ behandeln ließen, ein höheres Sterberisiko hatten – vermutlich, weil sie oftmals konventionelle Therapien ablehnten.


Krebserkrankungen sind schwere Erkrankungen, die in der Regel eine intensive Behandlung erfordern. Diese Behandlungen sind jedoch mit Nebenwirkungen verbunden, weshalb sich einige Patienten vor der Therapie fürchten. Dies ist nicht selten ein Grund, warum Krebspatienten oftmals zu alternativen Heilmethoden greifen. Tückisch an einer Krebserkrankung ist, dass sich die Betroffenen zum Zeitpunkt der Diagnose häufig gesund fühlen und keine Beschwerden haben, weshalb ihnen eine intensive Therapie oftmals unverhältnismäßig erscheint. Viele dieser Patienten versprechen sich durch alternative Heilmethoden, die Erkrankung ohne viele Nebenwirkungen unter Kontrolle zu bekommen. Wieder andere Patienten vertrauen der konventionellen Therapie nicht oder wollen alles Erdenkliche unternehmen, um der schweren Erkrankung den Kampf anzusagen. Diese Patienten greifen häufig zusätzlich zu den konventionellen Therapien zu alternativen Methoden. Doch wie wirken sich alternative Behandlungen auf das Überleben der Patienten aus? Sind sie förderlich oder gar schädlich? Dieser Frage gingen Wissenschaftler aus New Haven (USA) nach.

Einige Krebspatienten unterzogen sich alternativen Behandlungen, während andere von diesen Abstand nahmen

Für ihre Studie griffen die Wissenschaftler auf Daten einer nationalen Krebsdatenbank zurück. Sie sammelten Daten von 1901815 Patienten mit Prostatakrebs, Darmkrebs, Brustkrebs oder Lungenkrebs, bei denen sich der Krebs noch nicht in weiter entfernt liegende Körperregionen ausgebreitet hatte – also noch keine Metastasen gebildet hatte. Die Patienten hatten ihre Krebsdiagnose zwischen 2004 und 2013 erhalten. Je nachdem, ob die Patienten alternative Methoden in Anspruch nahmen oder nicht, wurden sie in zwei Gruppen unterteilt: Patienten, die allein konventionell behandelt wurden (dazu zählten Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie und Hormontherapie) und Patienten, die zusätzlich alternative Methoden anwandten (258 Patienten). Als alternative Methoden galten Methoden, deren Wirksamkeit nicht bewiesen wurde und die von nicht medizinischem Personal angeboten wurden. Die Kontrollgruppe – also die Patienten, die sich auf die konventionelle Behandlung beschränkten – wurden so ausgewählt, dass sie im Alter, in der Geschlechterverteilung, im Krankheitsstadium, bezüglich Begleiterkrankungen, in der Art der Krankenversicherung, in der Krebsart und in dem Jahr der Diagnose möglichst mit den Patienten mit der alternativen Behandlung übereinstimmten. Das führte dazu, dass schließlich 1032 Patienten in die Kontrollgruppe aufgenommen wurden. Die Wissenschaftler verglichen das Überleben der beiden Patientengruppen miteinander. Außerdem untersuchten sie, ob es einen Zusammenhang zwischen alternativen Methoden und der Therapietreue zu der konventionellen Therapie gab.

Patienten mit alternativen Behandlungen verweigerten öfter konventionelle Krebstherapien

Bei dem Vergleich beider Patientengruppen wurde deutlich, dass Patienten, die alternative Methoden anwandten, sehr viel häufiger konventionelle Therapien verweigerten als Patienten, die von alternativen Heilmethoden Abstand nahmen. Das galt für alle Therapieformen. So lehnten 7 % der alternativ behandelten Patienten eine Operation, ab während dies nur 0,1 % der Kontrollgruppe taten. Und auch der Anteil der Patienten, die eine Chemotherapie verweigerten, war bei den Patienten mit der alternativen Behandlung größer (34,1 %) als bei der Kontrollgruppe (3,2 %). Ähnlich große Unterschiede konnten bezüglich der Hormontherapie festgestellt werden (alternative Behandlung: 33,7 % vs. Kontrolle: 2,8 %). Zusätzlich gab es unter den Patienten mit alternativen Behandlungen mehr Strahlentherapie-Verweigerer als unter den Patienten, die sich allein auf die konventionelle Behandlung beschränkten (alternative Behandlung: 53,0 % vs. Kontrolle: 2,3 %).

Alternative Behandlungen standen mit einem erhöhten Sterberisiko im Zusammenhang

Insgesamt betrachtet wiesen Patienten, die sich alternativ behandeln ließen, eine geringere 5-Jahres-Überlebensrate auf als die Patienten, die sich von diesen Behandlungen distanzierten (alternative Behandlung: 82,2 % vs. Kontrolle: 86,6 %). Interessanterweise war der Zusammenhang zwischen alternativer Behandlung und erhöhtem Sterberisiko nicht mehr ersichtlich, wenn die Verweigerung der konventionellen Krebstherapien berücksichtigt wurde.

Krebspatienten, die sich alternativen Behandlungen unterzogen, verweigerten häufiger die konventionellen Krebstherapien und hatten ein größeres Sterberisiko als Patienten, die von alternativen Methoden Abstand hielten. Die Autoren schlussfolgerten aus ihren Ergebnissen, dass nicht die alternative Behandlung an sich das Sterberisiko erhöhte, sondern der Verzicht auf konventionelle Therapien, welcher bei Patienten mit alternativen Behandlungen deutlich häufiger vorkam. Krebspatienten sollten sich somit nicht allein auf alternative Behandlungsmethoden verlassen, sondern sich auch immer zusätzlich mit den konventionellen, bewährten Methoden behandeln lassen.

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