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Migräne

Ein Fall für die Physiotherapie: Nackenschmerzen bei Migräne

Original Titel:
Is the presence of neck pain associated with more severe clinical presentation in patients with migraine? A cross-sectional study

Kurz & fundiert

  • Was ist die Ursache für Nackenschmerzen bei Migräne: Überempfindlichkeit bei Berührung oder Probleme mit Muskeln und Beweglichkeit?
  • 142 Migränepatienten wurden befragt und physiotherapeutisch untersucht
  • Die Mehrzahl der Patienten mit Nackenschmerzen wies Einschränkungen der Beweglichkeit in der Halswirbelsäule und der Nackenmuskulatur auf

 

DGP – Viele Betroffene kennen Nackenschmerzen bei Migräne. Liegt dem Schmerz eher eine Überempfindlichkeit zugrunde, oder gibt es tatsächlich Auffälligkeiten in Halswirbelsäule und Muskulatur? Dies untersuchten brasilianische Forscher nun, indem sie Patienten mit Migräne zu verschiedenen Symptomen befragten und ihre Beweglichkeit und Muskelkraft in der Nackenregion testeten.


Viele Migränepatienten leiden unter Nackenschmerzen – manchmal als frühes Symptom einer Attacke, manchmal begleitend, manche Betroffene empfinden ihr Genick auch nie als ganz schmerzfrei. Wie spiegelt sich aber eine solche Selbsteinschätzung in messbaren Einschränkungen und Symptomen wider? Liegt dem Schmerz eher eine Überempfindlichkeit zugrunde, oder gibt es tatsächlich Auffälligkeiten in Halswirbelsäule und Muskulatur? Dies untersuchten Forscher nun, indem sie Patienten mit Migräne zu verschiedenen Symptomen befragten und ihre Beweglichkeit und Muskelkraft in der Nackenregion testeten.

Nackenschmerzen bei Migräne: Überempfindlichkeit oder ein Fall für den Physiotherapeut?

Die klinische Untersuchung umfasste den MIDAS-Fragebogen, der die Einschränkung durch die Migräne ermittelt und einen Fragebogen zu Symptomen der Allodynie. Als Allodynie bezeichnet man eine Überempfindlichkeit gegenüber einfachen Berührungen, die als schmerzhaft empfunden werden. Bei manchen Migränebetroffenen können beispielsweise Berührungen der Augen- und Schläfenregion, besonders während eines Anfalls, schmerzen. Außerdem wurden durch Physiotherapeuten zwei Tests durchgeführt: der Flexion-Rotationstest und der kraniozervikalen Flexionstest. Mit dem Flexion-Rotationstest wird die Drehbeweglichkeit des Genicks getestet – bemerkt der Physiotherapeut dabei einen Widerstand oder treten Schmerzen auf, zeigt sich damit eine Einschränkung der Bewegung der Halswirbelsäule. Mit dem kraniozervikalen Flexionstest wird dagegen die muskuläre Bewegungskontrolle der Halswirbelsäule gemessen. Tiefsitzende Nackenmuskeln zur Beugung des Genicks werden dabei, aus einer neutralen Position heraus (relativ flach liegend), angespannt und bewegen so den Kopf wie beim Nicken. Wie weit die Bewegung gehen soll, wird durch ein Druckmessgerät unter dem Genick vorgegeben. Patienten sollen diese veränderte Position dann für einige Sekunden halten, bevor die entspannte flache Lage wieder eingenommen wird. Die Übung wird mehrfach mit stärkerer Anspannung der Muskeln und somit stärker gebeugtem Genick wiederholt.

Ermittlung von Belastung durch Migräne, Berührungsschmerz, Nackenbeweglichkeit und -bewegungskontrolle

Insgesamt nahmen 142 Patienten mit Migräne an der Studie teil. 99 der Teilnehmer berichteten über Nackenschmerzen, 43 litten nicht unter solchen Schmerzen. Eine Beeinträchtigung durch die Migräne im Alltag (MIDAS) wurde bei mehr als 80 % in beiden Patientengruppen, mit und ohne Nackenschmerz, festgestellt. Die Patienten mit Nackenschmerzen zeigten allerdings häufiger Symptome einer Allodynie, die auch stärker ausgeprägt war als bei Patienten, die kein schmerzendes Genick hatten. Die Beweglichkeit des Genicks war bei der Mehrzahl der Patienten mit Nackenschmerzen (67 %) messbar eingeschränkt. Patienten ohne Nackenschmerz waren seltener (41 %) im Beweglichkeitstest auffällig. Ebenso verhielt es sich mit dem Test der Bewegungskontrolle: 67 % der Patienten mit Nackenschmerz konnten die höchste Stufe (Stufe 3) dieses Tests nicht ohne Unterstützung durchführen. Bei Patienten ohne Nackenschmerz zeigten nur 40 % derart geschwächte Nackenmuskulatur.

Migränenacken: häufig berührungsüberempfindlich, aber auch mit physiologischem Problem an der Halswirbelsäule

Zu selbstberichteten Nackenschmerzen kamen demnach häufig erhöhte Schmerzempfindlichkeit bei einfacher Berührung und messbare Probleme der Beweglichkeit in der Halswirbelsäule und der Nackenmuskulatur. Die Belastung durch die Migräne unterschied sich allerdings nicht zwischen Betroffenen mit und ohne Genickproblemen. Bei wiederkehrenden Nackenschmerzen könnte aber offenbar ein Besuch beim Physiotherapeuten sinnvoll sein, um eventuell gezielt die Nackenprobleme anzugehen.

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