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Lopinavir-Ritonavir bei COVID-19

Original Titel:
A Trial of Lopinavir–Ritonavir in Adults Hospitalized with Severe Covid-19

DGP – Die Studie gibt keinen Hinweis darauf, dass Lopinavir-Ritonavir bei Patienten mit schwerem COVID-19 vorteilhaft sein könnte. Die Wissenschaftler betonen jedoch auch, dass in Zukunft mehr Studien notwendig sind, um diese Frage abschließend zu klären.


Die Kombination aus Lopinavir und Ritonavir wird eigentlich bei einer HIV-Infektion eingesetzt. Bei der SARS-Pandemie 2002/2003 gab es erste Studien zum Einsatz des Medikaments bei dem Coronavirus. Wissenschaftler untersuchten daher das Medikament jetzt auch bei Patienten mit COVID-19, der Lungenerkrankung, die durch SARS-CoV-2 verursacht wird.

99 Patienten erhielten Lopinavir-Ritonavir

Die randomisierte, kontrollierte Studie untersuchte 199 Patienten, die wegen COVID-19 im Krankenhaus lagen. Die Patienten waren schwerer erkrankt und hatten eine Sauerstoffsättigung von höchstens 94 % oder ein Verhältnis des partiellen Sauerstoffdrucks zur inspiratorischen Sauerstofffraktion von unter 300 mm Hg. Alle Patienten erhielten die Standardversorgung. 99 Patienten erhielten zusätzlich Lopinavir-Ritonavir (400 mg und 100 mg) zweimal täglich für 14 Tage.

Das Medikament zeigte keine signifikanten Auswirkungen auf COVID-19

Die Wissenschaftler konnten keinen Unterschied zwischen den beiden Patientengruppen sehen. In beiden Gruppen dauerte die Zeit bis zu einer klinischen Verbesserung gleich lang (HR 1,24). Die Sterblichkeit war nach 28 Tagen in beiden Gruppen ähnlich (19,2 % und 25 %). Auch die Anzahl der Patienten, bei denen virale RNA nachgewiesen werden konnte, war vergleichbar.

Eine Auswertung ergab, dass Lopinavir-Ritonavir die durchschnittliche Zeit bis zu einer Verbesserung um einen Tag verkürzte (HR 1,39). Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich traten unter Lopinavir-Ritonavir häufiger auf, schwere Nebenwirkungen gab es jedoch häufiger in der Kontrollgruppe. In der Medikamentengruppe stoppten die Ärzte die Behandlung bei 13 Patienten früher aufgrund von Nebenwirkungen.

Die Studie gibt daher keinen Hinweis dadrauf, dass Lopinavir-Ritonavir bei Patienten mit schwerem COVID-19 vorteilhaft sein könnte. Die Wissenschaftler betonen jedoch auch, dass in Zukunft mehr Studien notwendig sind, um diese Frage abschließend zu klären.

[DOI 10.1056/NEJMoa2001282]

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