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COVID-19: Anhaltende Geruchsstörung betrifft häufiger Frauen ab 40

Original Titel:
Distorted chemosensory perception and female sex associate with persistent smell and/or taste loss in people with SARS-CoV-2 antibodies: a community based cohort study investigating clinical course and resolution of acute smell and/or taste loss in people with and without SARS-CoV-2 antibodies in London, UK

 

Kurz & fundiert
  • Geruchsverlust und Einbußen im Geschmackssinn nach COVID-19
  • 467 Patienten in London
  • Befragung 4 – 6 Wochen nach SARS-CoV-2-Antikörpertest (IgG/IgM)
  • Erholung der Sinne seltener bei Antikörpern gegen SARS-CoV-2
  • Risiko für anhaltende Symptome: Frauen über 40 Jahre, Parosmie und Parageusie

 

DGP – In dieser britischen Studie wurden Geruchs- und Geschmacksverlust, die nach COVID-19 häufig sind, in einer Nachbeobachtung über 4 – 6 Wochen untersucht. Patienten mit bekanntem IgG/IgM-Antikörperstatus gegen SARS-CoV-2 erlangten ihren Geruchssinn eher in dieser Zeit wieder, wenn sie seronegativ waren. Frauen über 40 Jahre und Menschen mit verändertem Geruchs- und/oder Geschmackssinn waren demnach häufiger anhaltend betroffen. Die Autoren zählen die Geruchs-/Geschmackssinnstörungen aufgrund der Ergebnisse zu den Symptomen von Long COVID.


Geruchsverlust und Einbußen im Geschmackssinn sind häufig auftretende Symptome von COVID-19. ‚Long COVID‘, also länger anhaltende Symptome, betreffen nach aktuellen Schätzungen etwa jeden 5. Patienten. Allerdings fehlen noch Daten zum weiteren klinischen Verlauf dieser Störungen. In dieser Studie wurde nun der Geruchs- und Geschmacksverlust in einer Nachbeobachtung über 4 – 6 Wochen untersucht. Dabei sollten Risikofaktoren für anhaltenden Verlust des Geruchssinns identifiziert werden und im Anschluss ermittelt werden, ob diese sensorische Störung ein häufiger Aspekt von Long COVID innerhalb einer Patientenkohorte in London ist.

Geruchsverlust und Einbußen im Geschmackssinn nach COVID-19

Patienten mit seit 4 – 6 Wochen bekanntem IgG/IgM-Antikörperstatus gegen SARS-CoV-2 und akutem Geruchs- und/oder Geschmacksverlust füllten einen Nachbeobachtungs-Fragebogen zur Verbesserung ihrer Symptome aus. Eine Untergruppe von 50 Teilnehmern führte einen objektiven olfaktorischen Test aus, dessen Ergebnisse mit subjektiven Geruchseinschätzungen verglichen wurden.

Befragung 4 – 6 Wochen nach SARS-CoV-2-Antikörpertest (IgG/IgM)

467 Menschen mit akuten Verlust von Geruch und Geschmack wurden untersucht. Teilnehmer mit SARS-CoV-2-Antikörpern hatten eine signifikant geringere Chance, im Beobachtungszeitraum ihren Geruchssinn wieder zu erlangen, als Menschen, die seronegativ getestet wurden.

  • Geruchswiederherstellung: seropositiv: 57,7 % vs. seronegativ 72,1 % (p = 0,027)
  • Erholung des Geschmackssinns: seropositiv: 66,2 % vs. seronegativ 80,3 % (p = 0,017)

Hunderte Teilnehmer: Erholung der Sinne seltener bei Antikörpern gegen SARS-CoV-2

Bei SARS-CoV-2-positiven Teilnehmern erholte sich der Geruchssinn besonders bei Männern innerhalb der Nachbeobachtung wieder vollständig (72,8 % Männer vs. 51,4 % Frauen; p < 0,001). Bei Frauen war es um den Faktor 2,5 wahrscheinlicher, dass sie auch nach 4 – 6 Wochen noch unter Geruchsverlust litten (Odds ratio, OR: 2,46, 95 % Konfidenzintervall, CI: 1,47 – 4,13, p = 0,001). Frauen mit SARS-CoV-2-Antikörpern und anhaltendem Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn waren signifikant älter (> 40 Jahre) als die Frauen, deren Sinne sich wieder komplett erholt hatten. Manche Betroffene litten unter Parosmie. Sie konnten also einen Geruch nicht korrekt einordnen, sondern identifizierten typischerweise etwas zuvor angenehm Riechendes nun als etwas sehr unangenehm Stinkendes. Bei diesen Betroffenen erholte sich der Geruchssinn seltener im beobachteten Zeitraum. Genauso erholten sich auch Menschen mit Parageusie, also einem veränderten Geschmackssinn, seltener von ihrer Sinnesbeeinträchtigung. Parosmie hatte eine signifikante Assoziation mit anhaltendem Geruchsverlust (OR: 2,47, 95 % CI: 1,54 – 4,00, p < 0,001).

Risiko für anhaltende Symptome: Frauen über 40 Jahren, Parosmie und Parageusie

Obwohl Geruchs- und Geschmacksverlust häufig vorübergehende Manifestationen von COVID-19 sind, zeigten demnach also 42 % der Teilnehmer anhaltenden Geruchsverlust, 34 % anhaltenden Geschmacksverlust und 36 % Geruch- und Geschmacksverlust in der Nachbeobachtung nach 4 – 6 Wochen. Diese Symptome zählen demnach zu Long COVID. Speziell Frauen, besonders ab 40 Jahren, und Menschen mit einer veränderten Wahrnehmung von Geruch und/oder Geschmack (Parosmie oder Parageusie) sollten demnach therapeutisch stärker berücksichtigt werden, da bei ihnen diese stark einschränkenden Symptome häufiger länger anhalten.

[DOI: 10.1186/s12879-021-05927-w]

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