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Long-COVID

Risiko für Gedächtnisprobleme nach mildem COVID-19 für ein Jahr erhöht

Original Titel:
Symptom burden and immune dynamics 6 to 18 months following mild SARS-CoV-2 infection -a case-control study

Kurz & fundiert

  • Symptomverläufe nach mildem COVID-19 über 12 bis 18 Monate
  • 233 Patienten in Norwegen, 189 gleichaltrige Kontrollpersonen
  • Gedächtnisprobleme, Fatigue und Atemnot noch 1 Jahr nach mildem COVID-19
  • 46 % der Patienten nicht symptomfrei nach 12 Monaten
  • Langfristige Spike-spezifische Abwehrzellen mit Atemnot und Symptomzahl nach 12 Monaten assoziiert

 

DGP – Eine norwegische Untersuchung ermittelte Symptomverläufe nach mildem COVID-19 und fand bei etwa der Hälfte der Genesenen noch nach 12 Monaten Symptome wie Fatigue, Gedächtnisprobleme oder Atemnot. Im Vergleich zu Kontrollpersonen war das Risiko für solche Symptome um 10 – 27 % erhöht.


Die Belastung und Dauer anhaltender Symptome nach nicht schwer verlaufenen COVID-19-Erkrankungen wurde in verschiedenen Studien angedeutet. Die vorliegende Untersuchung ermittelte Symptomverläufe nach der Infektion bei Patienten, die sich wegen COVID-19 zuhause isolierten. Die Studie verglich COVID-19-Patienten mit solchen milden Verläufen mit gleichaltrigen Kontrollpersonen ohne Coronavirus-Infektion. Darüber hinaus untersuchten die Wissenschaftler mögliche Immunkorrelate der Long-COVID-Symptome.

Symptomverläufe nach mildem COVID-19 über 12 bis 18 Monate

Die Studie wurde in Norwegen als prospektive Fall-Kontroll-Studie zwischen 28. Februar und 4. April 2020 durchgeführt. Zuhause isolierte COVID-19-Patienten wurden für 12 bis 18 Monate nachbeobachtet. Zur Baseline (Akuterkrankung) sowie nach 6, 12 und 18 Monaten wurden klinische Daten erfasst. Blutproben zur Analyse der SARS-CoV-2-spezifischen Immunantwort wurden nach 2, 4, 6 und 12 Monaten gewonnen.

Prospektive Fall-Kontrollstudie mit 233 Patienten und 189 Kontrollen

233 COVID-19-Patienten wurden über 12 Monate nachbeobachtet, 149 Patienten über 18 Monate. 189 Kontrollpersonen dienten als Vergleichsgruppe. Insgesamt hatten 46 % der Patienten (108 von 233) anhaltende Symptome 12 Monate nach der akuten COVID-19-Erkrankung. Im Vergleich zu Kontrollpersonen hatten erwachsene COVID-19-Genesene, nach Berücksichtigung von Geschlecht und Begleiterkrankungen, ein höheres Risiko (adjustiertes Odds Ratio, aOR) für:

  • Fatigue: 27 % erhöhtes Risiko; aOR: 5,86; 95 % Konfidenzintervall, KI: 3,27 – 10,5
  • Gedächtnisprobleme: 21 % erhöhtes Risiko; aOR: 7,42; 95 % KI: 3,51 – 15,67
  • Konzentrationsprobleme: 20 % erhöhtes Risiko; aOR: 8,88; 95 % KI: 3,88 – 20,35
  • Atemnot: 10 % erhöhtes Risiko; aOR: 2,66; 95 % KI: 1,22 – 5,79

Die Prävalenz von Gedächtnisproblemen stieg insgesamt von 6 bis 18 Monaten nach der akuten Erkrankung an, mit einem um 11,5 % erhöhten Risiko (95 % KI: 1,5 – 21,5; p = 0,024) insgesamt. Bei Frauen war das Risiko um 18,7 % erhöht (95 % KI: 4,4 – 32,9; p = 0,010). Langfristig nachweisbare Antikörper gegen das Spike-Protein des Coronavirus (Spike IgG) waren signifikant mit Atemnot nach 12 Monaten assoziiert. Ebenfalls waren Spike-spezifische Abwehrzellen (speziell der Anteil entsprechender T-Zellen am Gesamtpool) signifikant mit sowohl Atemnot als auch der Zahl der Symptome nach 12 Monaten.

Gedächtnisprobleme, Fatigue und Atemnot noch 1 Jahr nach mildem COVID-19

Die Studie zeigte somit eine hohe Zahl an anhaltenden Symptomen nach milden COVID-19-Verläufen auf. Die Daten deuten darauf, dass SARS-CoV-2-spezifische Immunantworten langfristige Symptome beeinflussen.

[DOI: 10.1093/cid/ciac655]

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