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Unterstützung bei der Therapieoptimierung: viele Antidepressiva senken Entzündungswerte im Blut

Original Titel:
Effect of antidepressant treatment on peripheral inflammation markers – A meta-analysis

Nach dem Konzept der beteiligten oder verursachenden Entzündungsprozesse ist eine Depression mit weitreichenden Störungen in der Immunabwehr innerhalb des Nervensystems, wie dem Gehirn, verbunden. Dafür sprechen beispielsweise erhöhte Konzentrationen entzündungsfördernder Zytokine im Blut depressiver Patienten. Inzwischen berichten auch vermehrt Studien von Effekten antidepressiver Medikamente auf die Entzündungsmarker, wie eben der Zytokine und auf das Gleichgewicht zwischen den Mengen entzündungsfördernder und -hemmender Substanzen. Welche Medikamente allerdings genau welche Wirkung in diesem Spektrum hervorrufen ist oft nicht ganz klar. Dazu fassten Dr. Więdłocha und ihre Kollegen von den Universitäten Warschau, Bialystok und Lodz in Polen nun in einer Übersichtsstudie die Arbeiten der vergangenen Jahre zu diesem Thema zusammen.

Die Wissenschaftler ermittelten 32 relevante Arbeiten aus 6 verschiedenen Datenbanken. In diesen Studien waren spezifische Zytokine vor und nach einer Behandlung mit Antidepressiva gemessen worden. Zum Vergleich der Studien erfassten die polnischen Forscher nun Veränderungen in den Konzentrationen von Entzündungsmarkern wie den Interleukinen (IL), dem C-reaktiven Protein (CRP), dem Tumornekrosefaktor (TNF) und Interferon (IFN).

Im Vergleich zeigte sich eine deutliche Verminderung der Menge an Interleukinen IL-4, IL-6 und IL-10 nach der Behandlung mit verschiedenen Antidepressiva. Auch IL-1beta konnte reduziert werden, jedoch ausschließlich mit einer SSRI-Behandlung. Antidepressiva zeigten im Studienvergleich keine verlässliche Wirkung auf Entzündungsmarker IL-2, TNF-Alpha, IFN-Gamma und CRP.

Antidepressive Behandlung verändert die Konzentrationen von entzündungsfördernden Zytokinen. Die Balance des Abwehrsystems bei der depressiven Störung ist komplex und scheint von bisher unbekannten Faktoren beeinflusst zu sein. Leider hatten nur wenige Studien eine Placebo-Kontrolle getestet. Es kann also nicht eindeutig gesagt werden, ob manche der Effekte nicht aufgrund einer Placebowirkung sein könnten. Auch waren die Studien, entsprechend auch der komplexen Situation mit unterschiedlichsten Entzündungsmarkern und antidepressiven Medikamenten, sehr verschieden in Qualität, Patientenauswahl und Behandlungsstrategie. Trotzdem zeigt sich hierbei, dass die entzündlichen Prozesse bei der depressiven Störung verstärkt auch in der Behandlung beachtet werden sollten. Es deutet sich an, dass je nach den vorwiegend auffälligen Entzündungsmarkern andere Antidepressiva bevorzugt gewählt werden sollten. Genauere Strategien zur Therapieoptimierung werden sich im Laufe weiterer Studien herauskristallisieren, können aber schon jetzt mit Hilfe der Beobachtung der Entzündungswerte im Blut der Patienten von Fall zu Fall angepasst werden.

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