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Natalizumab senkt Schubrate und Beeinträchtigung bei Multipler Sklerose

Original Titel:
Long-term effectiveness and safety of natalizumab in a Portuguese population

Natalizumab gilt als eines der wirksamsten Medikamente zur Behandlung der schubförmigen Multiplen Sklerose. Typischerweise treten nur selten Überempfindlichkeiten gegen den Wirkstoff statt. Monatliche Infusionen gehen auch meistens nicht mit vermehrten Infekten einher. Wie sicher ist es aber bei langfristiger Anwendung, außerhalb der Welt der klinischen Studien? Dies wurde nun in einer Studie von Neurologen um Dr. Correia vom Zentralen Klinikum der Universität von Coimbra in Portugal untersucht.

In dieser rückblickenden Studie wurden Patienten mit Natalizumab-Anwendung über mindestens 2 Jahre betrachtet. Die Wissenschaftler betrachteten dabei die Häufigkeit der Krankheitsschübe pro Jahr und wie stark die Patienten durch die Erkrankung beeinträchtigt waren (expanded disability status scale, EDSS). In bildgebenden Verfahren wurde zudem das Ausmaß der Schädigungen des Nervensystems gemessen. Es wurde auch überprüft, ob Antikörper gegen das John Cunningham Virus (JCV) vorlagen. Dieses Virus kann zu einer typischerweise tödlichen Erkrankung des Zentralen Nervensystems führen, bei der es anfänglich zu Störungen von Bewegungen und der Informationsverarbeitung kommt: die progressive multifokale Leukenzephalopathie. Weiter wurden vorherige Behandlungen und unerwünschte Nebenwirkungen oder Vorkommnisse analysiert.

Die Studie wertete Daten von 71 Patienten aus, die durchschnittlich 44,86 Monate lang mit Natalizumab behandelt worden waren. Während der Behandlung mit Natalizumab erlitten die Patienten deutlich weniger Krankheitsschübe (Reduktion 88,37 %). Auch die krankheitsbedingte Beeinträchtigung reduzierte sich (Reduktion des EDSS-Werts um 28,57 %). Im ersten Behandlungsjahr waren 73,24 % der Patienten frei von Krankheitsaktivität (no evidence of clinical disease activity, NEDA). Nach 2 Jahren konnte dies immer noch bei 61,97 % der Patienten festgestellt werden. Die Schädigungen des Nervengewebes, nachgewiesen durch Volumenmessung im bildgebenden Verfahren der Magnetresonanztomografie, blieb stabil. Von den 71 Patienten beendeten 40 Patienten die Behandlung mit Natalizumab im Laufe des Studienzeitraums – davon 85 % aufgrund eines erhöhten Risikos für die Entwicklung einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie, beispielsweise wenn ein Infekt mit dem John Cunningham Virus mittels Antikörpertest nachgewiesen werden konnte. Progressive multifokale Leukenzephalopathie stellte schließlich die größte schwerwiegende Komplikation der Behandlung mit Natalizumab dar: 3 Patienten waren davon betroffen.

Natalizumab zeigte sich in dieser Studie also einerseits als wirksame Behandlung für schubförmige Multiple Sklerose. Die Patienten erlitten seltenere Krankheitsschübe und waren weniger von der Erkrankung beeinträchtigt als vor der Behandlung. Auch die in der Bildgebung sichtbaren Schädigungen des Nervengewebes schritten nicht weiter voran. Beachtung muss allerdings dem Risiko für progressive multifokale Leukenzephalopathien geschenkt werden. Als mögliches Risiko für diese schwere Komplikation kann ein vorheriger Infekt mit dem John Cunningham Virus gelten. Dieses Risiko und weitere eventuell beisteuernde Faktoren werden derzeit in aktuellen Studien genauer beleuchtet, um genauer zu klären, welche Patienten von der Behandlung mit Natalizumab profitieren können, und welche es vermeiden sollten.

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