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Depression

Akutbehandlung bei Depression: Übersichtsstudie zur Behandlung von Selbstmordgedanken

Original Titel:
The Effect of a Single Dose of Intravenous Ketamine on Suicidal Ideation: A Systematic Review and Individual Participant Data Meta-Analysis.

Suizidalität ist ein schwerwiegendes Gesundheitsproblem, für das es nur begrenzte Behandlungsmöglichkeiten gibt. Prof. Sanacora, Direktor des Depressionsforschungsprogramms der Yale-Universität, untersuchte nun mit Kollegen in einer systematischen Übersichtsstudie, ob individuelle Studienteilnehmer mit Selbstmordgedanken von einer einzelnen Ketamingabe profitierten.

Von 11 identifizierten experimentellen Vergleichsstudien wurden 10 ausgewählt, die entweder Salzwasser (Saline) oder das angstlösende und entspannende Midazolam als Vergleichsmittel einsetzten. Analysiert wurden die Daten von den 167 Teilnehmern, die zu Beginn der jeweiligen Studie Selbstmordgedanken hatten. Untersucht wurden die jeweiligen Ergebnisse in verschiedenen durch den Arzt ausgefüllten Fragebögen zur Depressionsbewertung wie MADRS (Montgomery-Åsberg depression rating scale) und HAM-D (Hamilton depression rating scale). Zudem wurden Eigeneinschätzungen der Patienten mitberücksichtigt, wie beispielsweise der Schnelltest zur Depressionssymptomatik QIDS-SR (quick inventory of depressive symptomatology–self report) oder der Depressionsfragebogen BDI (Beck depression inventory). Solche Werte wurden bis eine Woche nach der medikamentösen Behandlung in die Analyse eingeschlossen.

Im Vergleich über die Studien zeigte sich, dass Ketamin innerhalb eines Tages die Suizidgedanken deutlich reduzierte. Dies wurde sowohl in den ärztlichen Einschätzungen als auch in den Patientenberichten deutlich. Die Effektgrößen waren dabei über den gesamten beobachteten Zeitraum moderat bis groß. Eine spezifische Wirksamkeitsanalyse zeigte zusätzlich, dass Ketamin sowohl im MADRS, HAM-D und dem QIDS-SR auf die Selbstmord-relevanten Punkte wirkte. Im BDI-Fragebogen fand sich dieser Effekt jedoch nicht. Die Wirkung von Ketamin blieb auch klar messbar, nachdem die Forscher eventuelle Unterschiede im Schweregrad der Depressionen ausschlossen.

Zusammenfassend fand diese Übersichtsstudie damit deutliche Hinweise darauf, dass Ketamin schnell gegen Selbstmordgedanken helfen kann. Dieser innerhalb eines Tages eintretende Effekt kann bis zu eine Woche lang den Patienten unterstützen. Dabei war die Wirkung des Medikaments weitgehend unabhängig von seinem Einfluss auf die Stimmung der Patienten. Weitergehende Studien müssen nun einerseits diese spezifische Wirkung bestätigen und andererseits die Langzeitwirkung und -sicherheit untersuchen, bevor das Medikament bei suizidgefährdeten depressiven Patienten auch im klinischen Alltag eingesetzt werden kann.

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