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Migräne

Anhaltender Therapieerfolg mit Migräneantikörper: Fremanezumab bei sehr häufiger oder chronischer Migräne

Original Titel:
Sustained reductions in migraine days, moderate-to-severe headache days and days with acute medication use for HFEM and CM patients taking fremanezumab: Post-hoc analyses from phase 2 trials

Zusammenfassend: auch wenn solche ‚post-hoc‘-Vergleiche mit Vorsicht zu betrachten sind, zeigt doch die nachträgliche Analyse, dass ein großer Anteil der mit Fremanezumab behandelten Patienten, die innerhalb eines Monats auf das Mittel ansprachen, auch über die folgenden zwei Behandlungsmonate ihre Kopfschmerz- und Migränetage deutlich verringert hatte. Dauerhafte Senkung der Zahl der Kopfschmerztage sollte im Prinzip das Ziel jeder Prophylaxetherapie sein – dieses Maß sollte daher gezielter auch ein Element in zukünftigen klinischen Studien werden, um den tatsächlichen Patientennutzen einer Behandlung messbar zu machen. Bei der Behandlung mit dem CGRP-Antikörper, wie hier mit Fremanezumab, scheint der Patientennutzen sowohl für hochfrequent episodische als auch für chronische Migräne klar gegeben zu sein.


In verschiedenen klinischen Studien der Phasen 2 und 3 konnte bereits gezeigt werden, dass Fremanezumab, ein monoklonaler Antikörper gegen das Eiweiß CGRP, eine wirksame präventive Behandlung für hochfrequente episodische Migräne (HFEM) und chronische Migräne (CM) ist. Neurologin Dr. Singh von der Mayo Clinic im US-amerikanischen Scottsdale führte nun mit ihren Kollegen eine nachträgliche Analyse dieser Studien durch, in der sie ermittelte, wieviele der Patienten mit Fremanezumab ihre Migräne- und Kopfschmerztage dauerhaft (nicht nur im ersten Behandlungsmonat) um die Hälfte, Dreiviertel oder um 100 % reduzieren konnten.

Rückblickende Analyse der Phase II-Studie

In diesen placebokontrollierten Studien erhielten die Patienten mit hochfrequenter Migräne zufällig zugewiesen entweder ein Placebo oder drei monatliche Injektionen des neuen Antikörpers (entweder 225 mg oder 675 mg). Patienten mit chronischer Migräne erhielten ebenso entweder das Placebo oder drei monatliche Injektionen, allerdings in höherer Dosierung von 900 mg, oder aber sie erhielten eine anfängliche Dosis von 675 mg und folgende Injektionen mit 225 mg Fremanezumab. Die Patienten führten ein elektronisches Kopfschmerztagebuch zur Aufzeichnung von Migräneanfällen, Schmerzstärke und Symptomen. Untersucht wurde nun die Häufigkeit von Migräne in den Behandlungsmonaten 2 und 3.

Wie viele kopfschmerzfreie Tage gewinnt die monatliche Injektion?

In der Studie mit den hochfrequenten Migränepatienten reduzierten die Teilnehmer, die Fremanezumab erhielten, deutlich häufiger ihre Migränetage auf mindestens die Hälfte (39 % mit 225 mg, 35 % mit 675 mg) als die Teilnehmer, die nur das Placebo erhielten (10 % der Patienten). Ebenso konnten die mit dem Antikörper behandelten Menschen häufiger die Zahl ihrer Kopfschmerztage (mit moderat bis schweren Kopfschmerzen) halbieren (36 % und 38 %) als die scheinbehandelten Menschen (16 %). Entsprechend benötigten die Patienten auch seltener Medikamente zur Behandlung akuter Schmerzen (halbierte Zahl der Schmerzmitteltage bei 36 % und 27 %), wenn sie mit Fremanezumab behandelt worden waren. Weniger als jeder 10. Patient mit Placebobehandlung berichtete dagegen von einer Halbierung der Zahl der Medikamententage. Entsprechend konnten auch deutlich mehr Menschen mit dem Antikörper als mit Placebo ihre Migränetage (19 % und 11 % versus 3 % mit Placebo), Kopfschmerztage (19 % und 15 % versus 2 % mit Placebo) und Schmerzmitteltage (16 % und 8 % versus 2 % Placebo) um 75 % reduzieren.

Ebenso profitierten auch die Patienten mit chronischer Migräne deutlich von der Antikörper-Behandlung: eine Halbierung der Kopfschmerztage erreichten je nach Dosierungsmuster 32 % bzw. 40 % der Teilnehmer, aber nur 15 % der Teilnehmer mit dem Placebo. Auch die Tage mit Akutmedikationen konnten bei mehr als doppelt so vielen Patienten mit Fremanezumab auf die Hälfte reduziert werden (26 % und 22 % versus 11 % mit Placebo). Auch eine Abnahme um 75 % fand sich bei den chronischen Migränepatienten mit Fremanezumab in 10 % bzw. 13 % der Fälle, aber nur bei 3 % der Patienten, die das Scheinmedikament erhalten hatten. Nur wenige Patienten konnten aber ihre Migräne- oder Kopfschmerztage komplett loswerden. Dieses mögliche Behandlungsergebnis wurde daher nicht gesondert weiter verglichen.

Nur noch halb so viele Kopfschmerz- und Migränetage bei jedem 3. Patienten

Zusammenfassend: auch wenn solche ‚post-hoc‘-Vergleiche mit Vorsicht zu betrachten sind, zeigt doch die nachträgliche Analyse, dass ein großer Anteil der mit Fremanezumab behandelten Patienten, die innerhalb eines Monats auf das Mittel ansprachen, auch über die folgenden zwei Behandlungsmonate ihre Kopfschmerz- und Migränetage deutlich verringert hatte. Dauerhafte Senkung der Zahl der Kopfschmerztage sollte im Prinzip das Ziel jeder Prophylaxetherapie sein – dieses Maß sollte daher gezielter auch ein Element in zukünftigen klinischen Studien werden, um den tatsächlichen Patientennutzen einer Behandlung messbar zu machen. Bei der Behandlung mit dem CGRP-Antikörper, wie hier mit Fremanezumab, scheint der Patientennutzen sowohl für hochfrequent episodische als auch für chronische Migräne klar gegeben zu sein.

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