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Depression

Familienfunktionalität: wie die antidepressive Behandlung auch Familie und Partnerschaft nutzen kann

Original Titel:
The impact of antidepressant treatments on family functioning in adults with major depressive disorder: a post hoc comparison of vortioxetine and agomelatine

Die Studie fand, dass sowohl Vortioxetin als auch Agomelatin im Rahmen einer Depressionsbehandlung positive Effekte auf familiäre Beziehungen und Partnerschaften haben. Die Wirkung auf die sogenannte Familienfunktionalität zeigt sich bei beiden Medikamenten bereits innerhalb von 8 Wochen, kann sich aber auch anschließend noch verbessern. Die vorliegende Studie fand dabei leichte Vorteile der Behandlung mit Vortioxetin. Zusätzlich zeigte sich, dass die Qualität der Familienbeziehungen mit depressiven Symptomen zusammenhängt. Vermutlich beeinflussen sich beide gegenseitig und sollten daher auch in Zukunft stärker im Zusammenhang betrachtet und behandelt werden.


Die Behandlung von Depressionen betrifft, wie die Erkrankung selbst, mehr als nur die Patienten selbst. Oft steht eine Familie im Hintergrund als Unterstützung, aber auch als schwer betroffene Krankheitspartner. Wie sich die antidepressive Behandlung auf die Beziehungen innerhalb einer Familie auswirkt, wird bisher allerdings nur selten untersucht. Eine europäisch und US-amerikanisch besetzte Forschergruppe führte nun eine Studie zum Einfluss der Behandlung mit Vortioxetin und Agomelatin auf das Familienleben durch. Dazu ermittelten sie die Familienfunktionalität mit Hilfe einer speziellen für depressive Erkrankungen in der Familie entwickelten Skala. Dieser Fragebogen dient zur Einschätzung der Interaktionen in Partnerschaft und Familie und der Bewertung der Beziehungsqualität.

Wie gut ist das Familienleben mit antidepressiver Behandlung?

Diese Untersuchung wurde im Rahmen einer Studie durchgeführt, in der Erwachsene mit unipolarer Depression nach vorheriger unzureichender antidepressiver Behandlung entweder zu Vortioxetin oder Agomelatin wechselten. Dieser Wechsel wurde randomisiert und doppelblind durchgeführt – die Patienten und ihre behandelnden Ärzte wussten also nicht, welches der beiden Medikamente jeweils eingenommen wurde. Die Familienbeziehungs-Analyse wurde zu Beginn der Studie, also vor dem Behandlungswechsel, sowie nach 8 und 12 Wochen durchgeführt. Im anschließenden Vergleich wurde dann die Familienfunktionalität mit der jeweiligen Behandlung auch nach Behandlungserfolg verglichen.

In der Studie wurden 189 Patienten mit Vortioxetin behandelt, 187 Patienten erhielten Agomelatin. Die Familienfunktionalität verbesserte sich deutlich mit antidepressiver Behandlung generell. Das Gesamtergebnis des speziellen Fragebogens, das umso größer ist, je stärker die Familienbeziehungen von den Depressionen beeinflusst werden, war im Vergleich zur Befragung vor der Behandlung nach 8 Wochen mit der Vortioxetin-Therapie um 10,8 Punkte und mit Agomelatin um 7,9 Punkte geringer. Dieser Effekt steigerte sich nach weiteren 4 Wochen der Behandlung (Woche 12, Vortioxetin −13,5, Agomelatin −11,0). Zu beiden Messzeitpunkten erreichten Patienten mit Vortioxetin bessere Werte in der Einschätzung ihrer Funktionalität im Familien- und Beziehungsleben als mit Agomelatin, mit einem Unterschied von etwa 2–3 Punkten auf der Familienfunktionalitätsskala.

Wie stark unterschieden sich aber Patienten, die gut auf die Behandlung ansprachen, von den anderen? Nach 8 Wochen hatten 142 der Patienten Remission, also Symptomfreiheit, erreicht. Diese Patienten erreichten in der Familienfunktionalitäts-Befragung 11 Punkte weniger als die 233 Patienten, für die die Therapie weiterhin nicht genügend wirkte. Nach 12 Wochen waren schließlich bereits 183 Patienten in Remission und unterschieden sich von den nicht erfolgreich behandelten Patienten in der Familienfunktionalitäts-Befragung um durchschnittlich 12 Punkte. Die Patienten mit besseren Werten in der Familienfunktionalität waren in dieser Studie auch tendenziell weniger depressiv und auch in anderen von der Depression beeinflussten Bereichen funktionaler.

Verbesserte Familienfunktionalität als ein Zeichen für gute antidepressive Wirkung

Damit zeigte sich, dass sowohl Vortioxetin als auch Agomelatin im Rahmen einer Depressionsbehandlung positive Effekte auf familiäre Beziehungen und Partnerschaften haben. Die Wirkung auf die sogenannte Familienfunktionalität zeigt sich bei beiden Medikamenten bereits innerhalb von 8 Wochen, kann sich aber auch anschließend noch verbessern. Die vorliegende Studie fand dabei leichte Vorteile der Behandlung mit Vortioxetin. Zusätzlich zeigte sich, dass die Qualität der Familienbeziehungen mit depressiven Symptomen zusammenhängt. Vermutlich beeinflussen sich beide gegenseitig und sollten daher auch in Zukunft stärker im Zusammenhang betrachtet und behandelt werden.

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