Übergewicht in mittlerem Alter kann das Risiko einer späteren Demenzerkrankung erhöhen

Original Titel:
Body mass index and risk of dementia: Analysis of individual-level data from 1.3 million individuals

DGP – Die Forscher schließen aus ihrer Analyse von 39 größeren Studien, dass zwei Faktoren bei dem Zusammenhang zwischen Übergewicht und Demenz eine Rolle spielen. Zum einen schadet ein hoher BMI-Wert auf lange Sicht: Übergewicht in mittlerem Lebensalter scheint das Demenzrisiko zu erhöhen. Zum anderen scheint Übergewicht im fortgeschrittenen Alter scheinbar vor Demenz zu schützen – dies führen die Wissenschaftler auf den reverse-causation Effekt zurück: in der Frühphase einer Demenzerkrankung verlieren Patienten Gewicht. Entsprechend erscheinen übergewichtige ältere Menschen ein niedrigeres Demenzrisiko zu haben, zeigen aber lediglich nicht die typischen frühen Symptome der Erkrankung.


Übergewicht in der Mitte des Lebens könnte nach Einschätzung früherer Studien das Demenzrisiko erhöhen. Allerdings verlieren Patienten in der frühen Phase einer Demenz häufig an Gewicht – dadurch ist der Effekt von Übergewicht oft schwer einzuschätzen. Englische und finnische Forscher rund um Prof. Kivimäki von der University of Helsinki und dem University College London ermittelten nun, ob sich ein Zusammenhang zwischen Übergewicht in der Lebensmitte und späterer Demenzerkrankung herstellen lässt.

Steigert starkes Übergewicht in mittlerem Alter das spätere Demenzrisiko?

Dazu analysierten die Forscher Ergebnisse aus 39 sogenannten Kohortenstudien. Solche Studien untersuchen Effekte großer Bevölkerungsgruppen. Insgesamt konnten die Wissenschaftler so Daten von über einer Million (1 349 857) Menschen ohne bestehende Demenzerkrankung untersuchen. Das Körpergewicht der Menschen wurde mit Hilfe des BMI (Body Mass Index) zu Studienbeginn ermittelt. Eine spätere Demenzerkrankung wurde mithilfe eines Abgleichs mit elektronischen Gesundheitsdatenbanken erfasst. Dies konnte für 6894 Betroffene ermittelt werden.

Risikoraten für eine Demenzerkrankung wurden für eine Gewichtszunahme (in BMI-Schritten von 5 kg/m²) berechnet. Diese Risikorate lag anfänglich (mehr als 20 Jahre vor einer Demenzdiagnose) bei 1,16. Übergewicht 20 Jahre zuvor hatte demnach die Wahrscheinlichkeit einer Demenz erhöht. 10 bis 20 Jahre (Risikorate 0,94) bzw. 10 Jahre (Risikorate 0,71) vor einer Diagnose war jedoch eher ein schützender Effekt zu sehen.

Übergewicht in mittlerem Alter schadet langfristig

Die Forscher schließen daraus, dass zwei Faktoren bei dem Zusammenhang zwischen Übergewicht und Demenz eine Rolle spielen. Zum einen schadet ein hoher BMI-Wert auf lange Sicht: Übergewicht in mittlerem Lebensalter scheint das Demenzrisiko zu erhöhen. Zum anderen scheint Übergewicht im fortgeschrittenen Alter scheinbar vor Demenz zu schützen – dies führen die Wissenschaftler auf den reverse-causation Effekt zurück: in der Frühphase einer Demenzerkrankung verlieren Patienten Gewicht. Entsprechend erscheinen übergewichtige ältere Menschen ein niedrigeres Demenzrisiko zu haben, zeigen aber lediglich nicht die typischen frühen Symptome der Erkrankung.

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Referenzen:

Kivimäki M, Luukkonen R, Batty GD, et al. Body mass index and risk of dementia: Analysis of individual-level data from 1.3 million individuals. Alzheimer’s Dement. 2018;14(5):601-609. doi:10.1016/j.jalz.2017.09.016.