Eine Alkoholkrankheit kann als veränderbarer Risikofaktor zu früher Demenzerkrankung beitragen

Original Titel:
Contribution of alcohol use disorders to the burden of dementia in France 2008–13: a nationwide retrospective cohort study

DGP – Diese Untersuchung französischer Krankenhauspatienten fand, dass Alkoholmissbrauch bzw. Alkoholkrankheit ein wesentlicher Risikofaktor für Demenzerkrankungen ist. Dabei fiel besonders ein erhöhtes Risiko für früh einsetzende Demenz bei Alkoholkranken auf. Die regelmäßige Gesundheitsvorsorge sollte daher auch eine Abklärung des Alkoholkonsums beinhalten – und dadurch die Chance ergreifen, bei Bedarf früher medizinisch und therapeutisch einzugreifen und so eventuell manche Demenzerkrankung zu verhindern oder zu verzögern.


Demenzerkrankungen betreffen inzwischen etwa 5 % bis 7 % der Menschen im Alter von über 60 Jahren. Das Thema ‚Vorbeugung‘ gewinnt bei solchen Zahlen besonders an Bedeutung. Aber welche Faktoren führen vermehrt zu Demenz? Und könnte man sie vermeiden? Unmäßiger Alkoholgebrauch wird immer wieder als möglicher Risikofaktor für solche Erkrankungen des Gehirns diskutiert. Gesundheitsökonom Dr. Schwarzinger von der renommierten Universität Sorbonne Paris Cité untersuchte nun mit seinen Kollegen, wie stark die mögliche Verbindung zwischen Alkoholmissbrauch und einem Demenzrisiko ist. Dabei konzentrierten sie ihre Analyse vor allem auf solche Menschen, deren Demenzerkrankung früh (mit weniger als 65 Jahren) begann.

Besteht ein Zusammenhang zwischen krankhaftem Alkoholmissbrauch und Demenz?

Für diese Analyse erfassten die Forscher in Frankreich landesweit rückblickend die medizinischen Daten einer Gruppe von Erwachsenen im Alter von mindestens 20 Jahren, die zwischen 2008 und 2013 in einem Krankenhaus in größeren Städten Frankreichs behandelt wurden. Fokus lag dabei auf einer Alkoholkrankheit und Demenz. Beide Krankheiten mussten nach internationalen klinischen Kriterien diagnostiziert sein. Solche Fälle mit beiden Erkrankungen wurden auf mögliche Anzeichen einer früh einsetzenden Demenz hin untersucht. Rechnerisch wurde dann verglichen, wie stark der Alkoholkonsum zu der Demenzerkrankung beigetragen haben könnte – oder ob andere Risikofaktoren stattdessen dafür verantwortlich sein könnten. Diese Ergebnisse wurden auch mit Daten solcher Patienten verglichen, die in dem untersuchten Zeitraum in Krankenhäusern behandelt wurden, aber nicht unter Demenz litten.

Analyse der Daten von 31 Millionen französischer Patienten

Von insgesamt über 31 Millionen Erwachsenen, die zwischen 2008 und 2013 aus französischen Krankenhäusern entlassen wurden, erhielten über 1 Million (1109343) die Diagnose Demenz. 5,2 % dieser Patienten (über 57000) litten unter früh einsetzender Demenz mit ersten Demenzsymptomen im Alter von unter 65 Jahren. Bei 38,9 % dieser früh von Demenz Betroffenen wurde die Demenzerkrankung dem Alkoholmissbrauch zugeschrieben (mehr als 22000 Patienten). Weitere 17,6 % der früh Demenzkranken hatten eine zusätzliche diagnostizierte Alkoholkrankheit (mehr als 10000 Patienten). Damit ergab sich ein um den Faktor 3,35 erhöhtes Risiko für eine Demenzerkrankung bei krankhaftem Alkoholmissbrauch. Dies betraf sowohl Frauen als auch Männer. Damit stellte der Alkoholmissbrauch den stärksten veränderbaren Risikofaktor für frühen Demenzbeginn dar.

Veränderbarer Risikofaktor Alkoholkrankheit trug zu früher Demenz bei

Zusammenfassend fand die Untersuchung französischer Krankenhauspatienten, dass Alkoholmissbrauch bzw. Alkoholkrankheit ein wesentlicher Risikofaktor für Demenzerkrankungen ist. Dabei fiel besonders ein erhöhtes Risiko für früh einsetzende Demenz bei Alkoholkranken auf. Die regelmäßige Gesundheitsvorsorge sollte daher auch eine Abklärung des Alkoholkonsums beinhalten – und dadurch die Chance ergreifen, bei Bedarf früher medizinisch und therapeutisch einzugreifen und so eventuell manche Demenzerkrankung zu verhindern oder zu verzögern.

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Referenzen:

Schwarzinger M, Pollock BG, Hasan OSM, et al. Contribution of alcohol use disorders to the burden of dementia in France 2008–13: a nationwide retrospective cohort study. Lancet Public Heal. 2018;3(3):e124-e132. doi:10.1016/S2468-2667(18)30022-7.