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Chronische Darmentzündung

Patienten mit Depressionen haben einen schwereren Krankheitsverlauf

Original Titel:
Depression Is Associated With More Aggressive Inflammatory Bowel Disease

DGP – Vielen Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa war nicht bewusst, dass sie unter Depressionen litten. Zu diesem Ergebnis kam die vorliegende Studie. Das ist daher problematisch, da Depressionen das Risiko für einen schwereren Krankheitsverlauf erhöhten.


Die Lebensqualität ist bei vielen Patienten mit einer chronischen Darmentzündung stark eingeschränkt. Die Erkrankungen haben nicht nur Auswirkungen auf den Körper, sondern sind häufig auch sehr belastend für die Psyche. Viele Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leiden daher unter Depressionen. Doch wirkt sich andersrum eine Depression auch auf den Krankheitsverlauf der chronischen Darmentzündung aus? Viel ist darüber zurzeit nicht bekannt. Auch die Fragen, wie Ärzte und Pfleger eine mögliche Depression ihrer Patienten erkennen, einschätzen und bewerten sollen, sind derzeit noch unbeantwortet.

Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa füllten Fragebögen zu Depressionen aus

Ein Team aus 8 amerikanischen Wissenschaftlern setzte sich zum Ziel, diese Wissenslücke zu schließen, und untersuchte, ob und wie sich Depressionen auf den Krankheitsverlauf von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa auswirken. Hierzu wurden Daten von 2798 Patienten mit Morbus Crohn und 1516 Patienten mit Colitis ulcerosa ausgewertet. Die Patienten wurden durchschnittlich etwa 23 Monate durch die Studie begleitet. Zu Beginn der Studie befanden sich 64 % der Morbus Crohn-Patienten und 45 % der Patienten mit Colitis ulcerosa in einer Ruhephase der Erkrankung. Ob die Patienten an Depressionen litten, wurde mithilfe eines speziellen Gesundheitsfragebogens (PHQ-8, kurz für patient health questionnaire-8) ermittelt. Dieser Fragebogen enthält 8 Fragen zur Depressivität.

Depressionen erhöhten das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf

Die Auswertung der Fragebögen ergab, dass es Unterschiede zwischen der Selbstwahrnehmung und der Diagnose von Depressionen mit Hilfe des PHQ-8 gab. 38 % der Patienten mit Morbus Crohn hatten mit Depressionen zu kämpfen, obwohl nur 20 % der Patienten die Frage, ob sie unter Depressionen litten, mit „ja“ beantworteten. Auch die Colitis ulcerosa-Patienten erkannten häufig nicht, dass sie unter Depressionen litten. Nur 14 % von ihnen gaben dies an, während mithilfe des speziellen Fragebogens bei 32 % der Patienten Depressionen diagnostiziert wurden. Dies war für die Prognose des Krankheitsverlaufs von Bedeutung. Es konnte nämlich gezeigt werden, dass bei den Patienten, die zu Beginn der Studie an Depressionen litten, das Risiko größer war, dass die Erkrankung wieder aufflammte, dass sie ins Krankenhaus oder operiert werden mussten. Dies war sowohl bei Morbus Crohn-Patienten als auch bei Colitis ulcerosa-Patienten der Fall.

Depressionen gingen somit mit einem höheren Risiko für einen schlechteren Krankheitsverlauf einher. Da viele Patienten selbst nicht erkannten, dass sie von Depressionen betroffen waren, scheint es nicht ausreichend zu sein, sie einfach danach zu fragen. Vielmehr sollte der Gesundheitsfragebogen PHQ-8 angewandt werden, um die Patienten mit Depressionen und somit auch mit einem erhöhten Risiko für einen aggressiven Krankheitsverlauf zu identifizieren.

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