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Vergleich der Stimmungsstabilisatoren für die Bipolare Störung: Lithium oder nicht Lithium?

Original Titel:
Effectiveness of maintenance therapy of lithium vs other mood stabilizers in monotherapy and in combinations: A systematic review of evidence from observational studies

DGP – Zusammenfassend fand die Übersichtsstudie eine Überlegenheit der Behandlung mit Lithium gegenüber anderen Ansätzen. Grundlegend, trotz der nicht ganz simplen Anwendung und möglichen Nebenwirkungen, kann demnach der Stimmungsstabilisator Lithium für alle Patienten der Bipolaren Störung als vielversprechende Behandlung gelten. Damit stützt diese Untersuchung die derzeit aktuelle Behandlungsleitlinie, die Lithium als eines der ersten Medikamente der Wahl zur Stimmungsstabilisation empfiehlt.


Welche Behandlung der Bipolaren Störung mit Stimmungsstabilisatoren ist nach den Daten der letzten Jahre besser und stabiler – Lithium oder eines der anderen Medikamente? Immerhin steht eine Auswahl an Mitteln zur Stimmungsstabilisation zur Verfügung. Neben Lithium sind vor allem Antiepileptika wie Carbamazepin, Valproat oder Lamotrigin in Gebrauch. Weiter ist aber auch der Einsatz mancher Antipsychotika (auch Neuroleptika genannt) wie Olanzapin, Quetiapin oder Aripiprazol möglich. Auch Kombinationstherapien werden angewandt.

Womit wird die bipolare Stimmung stabilisiert?

Die internationale Gesellschaft der Bipolaren Störung (international society for bipolar disorders, ISBD) initiierte eine Arbeitsgruppe, die die Wirksamkeit der Behandlung mit Lithium beurteilen sollte. Psychiatrische Forscher britischer, dänischer, deutscher und niederländischer Universitäten unter Leitung des dänischen Experten Prof. Kessing (Leiter des Copenhagen Affective Disorder research Center, CADIC) führten nun eine systematische Übersichtsstudie über beobachtende Untersuchungen zur Wirksamkeit von Lithium im Vergleich zu anderen Stimmungsstabilisatoren durch. Dabei wurden Behandlungen sowohl in Monotherapie als auch in Kombination berücksichtigt.

Vergleich von Lithium in Mono- und Kombinationstherapie mit anderen Medikamenten

Die Wissenschaftler fanden nach Recherche in medizinwissenschaftlichen Datenbanken Medline, Embase und PsychInfo 911 Veröffentlichungen sowie weitere 3 Studien aus anderen Quellen. Nach Überprüfung der Studienrelevanz blieben 52 Publikationen erhalten. Kriterien hierfür waren beispielsweise, ob tatsächlich Medikamente und ihre Wirkung verglichen wurden, ob Menschen mit der Bipolaren Störung die untersuchte Patientengruppe waren und ob die Patienten über mindestens ein Jahr nach Beginn der Studie beobachtet wurden. Von diesen konnten 11 Studien mit ausreichend guter Qualität und nicht überlappenden Datensätzen in die Analyse aufgenommen werden. 9 dieser Studien untersuchten Lithium als Monotherapie für die Bipolare Störung. 2 Studien ermittelten die Wirkung von Kombinationstherapien.

Daten von 14000 Patienten mit der Bipolaren Störung analysiert

In 8 der 9 Monotherapie-Studien waren insgesamt etwa 14000 Patienten untersucht und beobachtet worden. Dabei zeigte sich klar ein besserer Behandlungserfolg mit Lithium als mit anderen Stimmungsstabilisatoren. Verglichen wurden dabei Valproat, Lamotrigin, Olanzapin, Quetiapin, aber auch nicht klar benannte Antiepileptika und Antipsychotika. In vier Studien wurden Kombinationstherapien mit insgesamt mehr als 4000 Patienten mit der Monotherapie verglichen – dabei zeigte sich für wenige Kombinationen ein Vorteil, allerdings nur in manchen der Analysen, die teils methodische Schwächen aufwiesen. Größtenteils hatte jedoch die Monotherapie mit Lithium eine stabilere Wirkung.

Stabilste Wirkung mit Lithium

Spielte die Unterscheidung zwischen Bipolar 1 (ausgeprägte manische Episoden) und Bipolar 2 (ausgeprägte depressive Episoden) eventuell eine Rolle? In den meisten Studien, in denen die Patientengruppen nach Erkrankungstyp getrennt betrachtet wurden, zeigte sich sowohl bei vorwiegend manischen als auch bei vorwiegend depressiven Patienten eine gute Wirksamkeit von Lithium im Vergleich zu anderen Mitteln.  Da die Kriterien der Wirksamkeit unter anderem auch die Häufigkeit von Krankenhausaufenthalten innerhalb des Behandlungszeitraums war, spiegelt dieses Ergebnis eine stabile Situation der Patienten wider – genau so, wie man es von Stimmungsstabilisatoren erwartet.

Erste Wahl: Lithium, ob bei stärker manischen oder depressiven Erkrankungsformen

Zusammenfassend fand die Übersichtsstudie eine beeindruckende Überlegenheit der Behandlung mit Lithium gegenüber anderen Ansätzen. Grundlegend, trotz der nicht ganz simplen Anwendung und möglichen Nebenwirkungen (die andere Medikamente allerdings auch haben), kann demnach der Stimmungsstabilisator Lithium für alle Patienten der Bipolaren Störung als grundlegend vielversprechende Behandlung gelten. Damit stützt diese Untersuchung die derzeit aktuelle Behandlungsleitlinie, die Lithium als eines der ersten Medikamente der Wahl zur Stimmungsstabilisation empfiehlt. Nur bei medizinischen Gründen oder bei Nicht-Wirksamkeit sollten alternative Mittel zur Anwendung kommen.

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