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KHK / Herzinfarkt

Akutes Koronarsyndrom – Alirocumab senkt das Risiko für dramatische Folgeereignisse

Original Titel:
Alirocumab and Cardiovascular Outcomes after Acute Coronary Syndrome

DGP – Das Risiko, nach einem akuten Koronarsyndrom, erneut von einem dramatischen Herz-Kreislauf-Ereignis wie Herzinfarkt oder Schlaganfall betroffen zu sein, konnte bei Patienten mit intensiver Statin-Therapie durch Alirocumab weiter gesenkt werden. Zu diesem Ergebnis kam die vorliegende Studie. Vor allem Patienten, die trotz der Statin-Therapie noch hohe LDL-Cholesterin-Werte aufwiesen, schienen von Alirocumab zu profitieren.


Bei dem akuten Koronarsyndrom handelt es sich um eine unmittelbar lebensbedrohliche Phase der koronaren Herzkrankheit (KHK), bei der das Herz nicht mehr ausreichend durchblutet wird. Patienten, die ein akutes Koronarsyndrom überstanden haben, haben ein erhöhtes Risiko für weitere Komplikationen, die das Herz-Kreislauf-System betreffen. Um das Risiko für ein dramatisches Folgeereignis zu senken, sollten die Patienten regelmäßig Medikamente einnehmen. Zu diesen Medikamenten zählen Statine, die die Cholesterinwerte senken. Doch manchmal reichen Statine allein nicht aus, um die Cholesterinwerte in einen unbedenklichen Bereich zu kriegen. In diesen Fällen könne Alirocumab (ein sogenannter PCSK9-Hemmer) helfen. Es handelt sich dabei um einen Wirkstoff, der durch lebende Zellen gewonnen wird (Biologika). In einer Studie konnte gezeigt werden, dass Alirocumab die Cholesterinwerte von Patienten, die trotz Statin-Therapie zu hohe Werte aufwiesen, zu senken vermag (Studie von Glueck und Kollegen, 2018 in der medizinischen Fachzeitschrift Journal of clinical lipidology veröffentlicht). Doch wirkt sich das auch auf das Risiko für dramatische Folgeereignisse bei Patienten mit einem akuten Koronarsyndrom, die bereits eine intensive Statin-Therapie erhielten, aus? Kann durch Alirocumab das Risiko für Folgeereignisse gesenkt werden? Diese Frage stellten sich Wissenschaftler aus den USA, Frankreich, England, Argentinien, Kanada, den Niederlanden, Neuseeland und Deutschland.

Patienten bekamen trotz intensiver Statin-Therapie nach einem akuten Koronarsyndrom entweder Alirocumab oder ein Placebo

Die Forscher bezogen 18924 Patienten, die vor einem bis zwölf Monaten ein akutes Koronarsyndrom erlitten hatten, in ihre Studien mit ein. Voraussetzungen für die Teilnahme waren, dass die Patienten bestimmte ungünstige Blutfettwerte (einen LDL (low-density lipoprotein)-Cholesterin-Wert von mindestens 70 mg/dl, einen nicht-HDL (high-density lipoprotein)-Cholesterin-Wert von mindestens 100 mg/dl oder einen Apolipoprotein-B-Wert von mindestens 80 mg/dl) aufwiesen und bereits eine intensive Statin-Therapie bzw. die größte Menge an Statinen, die sie vertrugen, bekamen. Nach dem Zufallsprinzip wurden die Patienten in zwei gleichgroße Gruppen (jeweils 9462 Patienten) eingeteilt. Während sich die Patienten der einen Gruppe alle zwei Wochen Alirocumab unter die Haut spritzten, erhielten die Patienten der anderen Gruppe stattdessen ein Placebo. Weder der Patient selbst noch der behandelnde Arzt wusste, welcher Patient den Wirkstoff bekam und welcher nicht. Die Patienten wurden im Mittel 2,8 Jahre lang begleitet. Die Wissenschaftler protokollierten, wie häufig es in diesem Zeitraum in den beiden Gruppen zu dramatischen Folgeereignissen kam. Hierzu zählten Tod aufgrund der KHK, nicht tödlicher Herzinfarkt, tödlicher oder nicht tödlicher Schlaganfall und eine Brustenge oder – schmerzen, die einen Krankenhausaufenthalt notwendig machten.

Alirocumab senkte das Risiko für dramatische Folgeereignisse nach einem akuten Koronarsyndrom

Die Wissenschaftler stellten bei der Auswertung der Daten fest, dass Patienten seltener von den genannten dramatischen Folgeereignissen betroffen waren, wenn sie Alirocumab bekamen statt eines Placebos. Während des Beobachtungszeitraumes litten nämlich 903 der Patienten, die Alirocumab bekamen (9,5 %), unter den genannten dramatischen Folgeereignissen, während diese bei Patienten mit Placebo häufiger auftraten – nämlich bei 1052 Patienten (11,1 %). Statistischen Berechnungen zufolge senkte Alirocumab das Risiko für die Folgeereignisse um 15 %. Eine ähnliche Risikoreduktion konnte auch beobachtet werden, wenn nur die Todesfälle betrachtet wurden. Insgesamt 334 Patienten, die Alirocumab bekamen (3,5 %), und 392 Patienten mit Placebo (4,1 %) verstarben in dem Studienzeitraum. Berechnungen zufolge war auch das Sterberisiko in der Alirocumab-Gruppe um 15 % reduziert.

Besonders Patienten mit höheren LDL-Cholesterin-Werten profitierten von Alirocumab

Die Wissenschaftler stellten des Weiteren fest, dass der schützende Effekt von Alirocumab bei den Patienten, die zu Beginn der Studie einen LDL-Cholesterin-Wert von mindestens 100 mg/dl aufwiesen, größer war als bei den Patienten mit niedrigeren LDL-Cholesterin-Werten.

Alirocumab war insgesamt gut verträglich

Was Nebenwirkungen anging, so konnten keine nennenswerten Unterschiede zwischen der Alirocumab-Gruppe und der Placebo-Gruppe festgestellt werden. Eine Ausnahme bildeten jedoch Reaktionen an der Einstichstelle wie Rötungen, Schwellungen oder Juckreiz. Diese traten bei dem Spritzen von Alirocumab häufiger auf als bei dem Spritzen des Placebos (Alirocumab: 3,8 % vs. Placebo: 2,1 %).

Patienten, die eine intensive Statin-Therapie erhielten, konnten somit davon profitieren, wenn sich nach dem akutem Koronarsyndrom mit Alirocumab behandelt wurden. Das äußerte sich dadurch, dass durch Alirocumab das Risiko für dramatische Folgeereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall reduziert wurde. Dies schien besonders für Patienten mit einem höheren LDL-Cholesterin-Wert der Fall zu sein.

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